Mehreren Medienberichten zufolge steht der Börsengang des weltweit größten sozialen Netzwerks Facebook kurz bevor.
Geschätzter Wert: 75 bis 100 Milliarden Dollar
Mit Hilfe der Großbank Morgan Stanley könnte demnach schon an diesem Mittwoch ein entsprechender Antrag gestellt werden. Bis zum tatsächlichen Börsengang würden dann, betrachtet man Vergleichswerte, etwa drei Monate vergehen.
Der Wert des Unternehmens wird auf gigantische 75 bis 100 Milliarden Dollar geschätzt. Der Börsengang soll 10 Milliarden Dollar in die Kassen spülen.
Nur eine Hand voll Firmen konnte bislang auch nur ansatzweise ähnliche Werte erzielen. Zum Vergleich: Als Google 2004 an die Börse ging, brachte das rund 1,9 Milliarden Dollar ein.
Schwer auszuschöpfendes Potenzial
Das Problem bei Facebook: Das Potenzial ist offensichtlich, nur wie man es nutzbar – sprich: zu Geld – machen kann, hat noch niemand so recht herausgefunden.
Zwar bieten 800 Millionen Menschen, die in nahezu allen Industrienationen der Welt über Facebook vernetzt sind, einen noch nie zuvor dagewesenen Datenpool. Aber das alleine reicht nicht aus.
Nur über Cookies und Co. personalisierte Werbung zu präsentieren funktioniert schließlich auch ohne Facebook. Um die Möglichkeiten des gläsernen Kunden wirklich zu nutzen, müssten in großem Umfang Profile analysiert und in verschiedene Kategorien sortiert werden.
Derartig detaillierte Auswertungen stoßen, vor allem in Europa, auf immense datenschutzrechtliche Bedenken. Wenn eine Firma XY also nicht aufpasst, könnte es auch negativ auf sie zurückfallen, wenn sie sich allzu sehr der Facebook-Daten bedient.
Dramatisch überbewertet
Und doch basiert der de-facto-Wert eines Online-Giganten wie Facebook nun einmal auf den realen Gewinnen, die er – vor allem durch Werbeanzeigen – zu generieren imstande ist.
Im ersten Dreivierteljahr 2011 waren das 355 Millionen Dollar, die Facebook als Gewinn verbuchen konnte.
Rundet man das einmal großzügig auf, kommt man für das Gesamtjahr auf geschätzte 500 Millionen Dollar. Eine Firma, die im Jahr eine halbe Milliarde Dollar erwirtschaftet, soll 100 Milliarden Dollar wert sein?
Das entspräche dem 200fachen des tatsächlichen Gewinns. Und einem Vielfachen dessen, was man sich in den 1990er Jahren beim New-Economy-Hype ausmalte.
Das Fazit liegt auf der Hand: Facebook ist radikal überbewertet. Man kann die nächste riesige Blase förmlich sehen, den Knall ihres Zerplatzens schon fast hören, wenn man sich die horrenden Zahlen ansieht, die mit diesem Börsengang verbunden werden.
Anstatt in blinder Euphorie diesem Trend nachzujagen, sollten Anleger besser zweimal hinschauen.
Die nächste Börsen-Blase wird aufgepumpt
Der Wert, den Facebook für Firmen bislang vor allem hat, besteht in der Kundenbindung von bereits bestehenden Kunden. Hier entsteht mitunter ein engerer Draht, ein direkteres Feedback. Ob und inwiefern sich gerade daraus auch reale Gewinne ableiten lassen, ist allerdings schwer messbar.
Solang sich daran nichts ändert, werden Werbefachleute auch weiterhin mehr oder weniger ratlos vor Facebook stehen und nicht so recht wissen, was sie nun anfangen sollen mit diesen 800 Millionen Datensätzen, die ihnen praktisch auf den Tisch gelegt werden.
Und bis dahin steht der geschätzte Wert von 75 bis 100 Milliarden Dollar in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Wert von Facebook.
Das Web 2.0 provoziert auf diese Weise mittelfristig eine New-Economy-Krise 2.0 – Ausgang ungewiss.



