von Cosmin Filker

Fällt China als Konjunkturlokomotive der Welt aus?

Immobilienmarkt trocknet aus

Gastbeitrag von Markus Lindermayr

Eine gängige Einschätzung lautet: Selbst wenn die USA und Europa eine Periode wirtschaftlicher Stagnation erleben sollten, kann man sich doch auf das Wachstumspotenzial der aufstrebenden Staaten wie China, Indien, Russland und Brasilien (die BRICS) verlassen.

Nach den Angaben des chinesischen Branchenverbands hat die Anzahl der Immobilienverkäufe in den bedeutendsten chinesischen Großstädten (gemessen in der Woche vom 28.11. bis 04.12.) zum Vorjahr um 44 % abgenommen.

Dabei sind in 26 von 29 Städten der Volksrepublik die Immobilientransaktionen gefallen, zitiert Goldman Sachs die Statistiken. Im Vergleich zum gesamten Monat November ergab sich allerdings eine leichte Stabilisierung, denn der Novemberdurchschnitt lag gar 50 % unter dem Vorjahresmonat.

Tücken der Planwirtschaft

Aus China werden seit längerem seltsame Dinge berichtet. Ganze Millionenstädte wurden auf dem Reißbrett entworfen und aus dem Boden gestampft. Nun scheint es so, als stehen ganze Städte leer.

Nachdem die Entwickler die Preise für Immobilien senkten, gab es öffentliche Proteste von Immobilienbesitzern. Andere wiederum sind der Meinung, die Immobilienpreise müssen weiter drastisch fallen.

Da mangelt es wohl ein bisschen an marktwirtschaftlicher Denke. Echte Preise werden vom Markt über Angebot und Nachfrage gestellt. Und solange der Preis nicht unter die Erstellungskosten fallen kann, werden immer weiter Überkapazitäten produziert!

Ursache Devisenmarkt

Begonnen hat alles damit, dass die Volksrepublik China US-Dollar mit eigener Währung kaufte, um den Dollar an den Yuan zu binden. Dies geschieht natürlich über eine Ausweitung der Geldmenge.

Dies wiederum heizte die Preisinflation in China an. Mit hohen Zinsen hätte die chinesische Notenbank den Preisauftrieb nicht stoppen können.

Denn bei festen Wechselkursen wären gigantische Kapitalreserven ins Land geflossen.

Da der Yuan nicht gegenüber dem Dollar steigen konnte, erzielte China dadurch immer größere Handelsbilanzüberschüsse. Die Preisinflationsrate lag bald über den Kreditzinsen, was die Chinesen zum massiven Kauf von Vermögenswerten wie Immobilien auf Pump bewog.

Der Versuch der Notenbank, die Kreditvergabe zu rationieren, scheiterte, denn es bildete sich ein Schwarzmarkt für Kredite heraus, bei dem diejenigen, die nicht unter die Rationierung fielen, Kredite bei Banken aufnahmen und weitergaben.

Vor kurzem begann nun der schwarze Kreditmarkt zu kollabieren. Die von der chinesischen Notenbank erhöhten Zins- sowie Mindestreservesätze hatten die Blase angestochen.

Wachstum auf tönernen Füßen

Der Immobilienmarkt ist sicher nicht das einzige Problem der chinesischen Wirtschaft. Der Einkaufsmanagerindex der chinesischen Industrieunternehmen fiel im November unter die Marke der Stagnation. Damit fiel der Index auf seinen tiefsten Wert seit Anfang des Jahres 2009.

China scheint also nicht mehr als Weltkonjunkturlokomotive zu ziehen.

Chinas Wirtschaft ist nicht nur extrem exportlastig, sondern weist auch eine extreme Investitionsquote auf: Die Hälfte aller Wirtschaftstätigkeit findet im Gebäudebau, Straßenbau, in Infrastrukturprojekten und dem Neubau von Fabriken und Produktionsanlagen statt.

Das ist das Dreifache dessen, was eine langsam wachsende Volkswirtschaft benötigt! Ein Einbruch der Exportmärkte würde China deshalb in eine wirtschaftliche Rezession führen.

Der Aufbau zu einer konsumorientierten Binnenwirtschaft wird deshalb von der Volksrepublik angestrebt.

 
 
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Autor:

Cosmin Filker

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.