Die Dividende spielt für Aktien in der langjährigen Betrachtung eine dramatische Rolle.
Wer in den USA von 1900 bis 2000 investierte, kassierte etwa 86(!)fache Gewinne.
Aktien ohne Dividenden haben nach einer wissenschaftlichen Untersuchung 5,4% Jahresrendite geschafft, Dividendenwerte hingegen 10,1%. Dank und durch den Zinseszinseffekt sind die Gewinne insgesamt jedoch rasant auseinandergefallen - rechnerisch auf den Besagten Faktor von 86. Auch wenn Sie davon ausgehen, nicht so lange zu investieren:
Dividenden lohnen sich zu jeder Zeit, besonders aber in der laufenden (Finanz-)krise. Voraussetzung dafür ist und bleibt jedoch, dass den Ausschüttungen auch genügend Gewinne zu grunde liegen. Dies aber ist in Deutschland teils nicht der Fall.
Gewinne werden ausgebeutet
Eine AG kann und sollte ihren Gewinn sicher verwenden, um die Aktionäre teilhaben zu lassen. Dividende - die ausgeschütteten Gewinne - sind der Tribut an die Anteilseigner. Nur: Dividenden sind zugleich die Quelle für die Unternehmensfinanzierung.
Wer Dividenden ausschüttet und gleichzeitig hohe Zinsen am Kapitalmarkt aufnehmen muss, hat als Vorstand einen strategischen Fehler begangen. Deshalb ist die vernünftige Balance zwischen ausgeschütteten und einbehaltenen - das heißt auch wieder verwendeten - Gewinnen für 2012 ein wichtiges Thema.
Die realistischen Quoten betragen: zwischen 30 und 50% des Gewinns sollte eine Aktiengesellschaft ausschütten können, ohne selbst in Schwierigkeiten zu geraten. Diese Grenzen aber sprengen Dax-Werte 2012 locker.
Telekom zahlt zuviel
So will die Deutsche Telekom im Jahr 2012 eine zu hohe Dividende auszahlen. Etwa 3 Milliarden Euro erwarten Analysten. Dies wäre fast der vollständige Gewinn, den die Telekom im Jahr 2011 erzielt hat.
70 Cent pro Aktie, die - angenommen - 10,00 Euro kostet, entsprechen einer Dividendenrendite von 7%. Schön - auf den ersten Blick - für die Anteilseigner, schlecht für den Konzern.
Denn: draußen am Markt muss ein solches Unternehmen Geld "kaufen" - in Form von Zinsen. Achtung:
- Die Telekom schüttet damit bezogen auf die Unternehmensgewinne soviel Geld aus wie sonst kein Unternehmen aus dem Dax.
- Die Dividendenrendite ist nur ein Maßstab. Mit 7% für 2012 liegt die Aktie nur in der Spitzengruppe. Entscheidend ist der Gewinnanteil - der beträgt fast 100%.
- Die durchschnittliche Dividendenrendite der Konzerne aus dem Dax soll bei ungefähr 4,3% liegen. Wohlgemerkt gilt aber auch hier: entscheidend ist der Gewinnanteil, nicht der für diese Berechnung verwendete Aktienkurs.
- Vorsicht ist auch - dies sei noch einmal gesagt - bei der Münchener Rück geboten. 6,25 Euro Dividende gehören zum guten Ton der Gesellschaft. Damit aber müsste der Konzern mehr auszahlen als er verdient.
GeVestor meint: Für die kurzfristigen Anteilseigner ist dies ein Vorteil. Sie kassieren höhere Dividenden als der Gewinn hergibt. Bleibt der Aktienkurs stabil, war dies ein gutes Geschäft. Gefahr bei der Dividendenausschüttung 2012 aber laufen damit all die Aktionäre, die länger halten wollen.
Vorsicht, wenn Sie im Verlaufe des Jahres verkaufen wollen: Die Aktien können durch die zu hohe Dividende im Jahr 2012 unter Druck geraten. Langfristig ist allerdings besonders die Münchener Rück günstig bewertet.


