Die Kursschwankungen an den Aktienmärkten bleiben unberechenbar. Heute sprachen die Nachrichten für fallende Kurse. Doch plötzlich kratzt der DAX wieder an der 5.500-Punkte-Marke.
Unschön ist eine grobe Untertreibung für die Nachrichtenlage in der Bankenbranche. Die Deutsche Bank hat das alte Gewinnziel beerdigt, der einst solide Staatsfinanzierer Dexia muss in einer Notoperation zerschlagen werden und die US-Bank Morgan Stanley beruhigt die Mitarbeiter mit der Nachricht, dass die Pleite-Gerüchte nicht zutreffen...
Während die Geschäftsbanken unter Dauerbeschuss stehen, sorgen die Notenbanken in den USA und Europa für eine Erleichterungsrally an den Aktienmärkten.
Die FED muss am 2. November ein kleines Wunder abliefern
Für ein erstes Feuerwerk an der Wall Street sorgte schon gestern Abend Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank FED. Er kündigte an, dass die Notenbank bereit sei, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um eine stärkere wirtschaftliche Erholung im Einklang mit Preisstabilität zu unterstützen.
Die Spannung ist groß! Welche Maßnahmen wird die FED bei der nächsten Sitzung am 2. November beschließen?
Die Druckerpresse soll das Problem lösen
Zur Erinnerung: Zuletzt kamen die FED-Aktivitäten an der Börse nicht gut. Die Operation Twist sorgte für eine große Enttäuschung. Der Markt hatte auf frisches Geld gehofft. Die FED lieferte jedoch nur eine Umschichtung: Sie verkauft Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten und kauft Staatsanleihen mit langen Laufzeiten.
Diese Maßnahme soll das Zinsniveau senken. Die Zinsen sind aber schon niedrig genug. Die Investoren honorieren offensichtlich nur das Anwerfen der Druckerpresse.
Europäische Zentralbank als Schlüsselspieler im Hebel-Spiel
Bereits vor einer Woche habe ich hier im Schlussgong geschrieben, dass das Rettungspaket, das im Bundestag mit viel Druck durchgesetzt wurde, vom Markt als viel zu klein beurteilt wird.
Die Lösung: Die Kraft des Hebels muss genutzt werden. Jetzt wird langsam auch klar, wie die wunderbare Geldvermehrung funktionieren soll. Der Europäische Währungsfonds ESM, der im Jahr 2013 den aktuell gültigen Schutzschirm ablöst, wird voraussichtlich mit einer Banklizenz ausgestattet.
Der ESM könnte dann die Staatsanleihen bei der Europäischen Zentralbank als Sicherheit hinterlegen und erhält dafür im Gegenzug ein Vielfaches des Wertes als Liquidität.
Experten gehen davon aus, dass dieser Finanztrick die Schlagkraft (und das finanzielle Risiko) von 500 Mrd. Euro auf 2 Billionen Euro erhöhen könnte. Die Euro-Befürworter sind überzeugt, dass diese Summe reichen würde, um alle EU-Staaten zu stützen.
EZB soll zum Finanzmarktzocker werden
Das Problem: In der Europäischen Zentralbank ist dieser Plan umstritten. Offen kritisiert wird er sogar von der Deutschen Bundesbank. Dieser Machtkampf muss bis 2013 entschieden werden.
Fazit: Die Euro-Retter sollen jetzt auch noch mit Hebel-Konstruktionen arbeiten. Exakt so haben die Geschäftsbanken die Branche ruiniert. Irgendwann muss eine Grenze gezogen werden. Lieber ein Ende mit Schrecken als eine Schrecken ohne Ende.



