MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Fiktive Quellensteuer – Entwicklungshilfe mal anders

Grundsätzlich handelt es sich bei einer Quellensteuer nicht um eine konkrete Steuerart, sondern vielmehr um eine Erhebungsform einer Steuer. Der Begriff Quellensteuer bezeichnet somit die Art und Weise, wie eine Steuer erhoben wird – nämlich direkt an der Quelle.

Dies ist beispielsweise bei der Lohnsteuer der Fall, welche vom Arbeitgeber berechnet, vom Bruttolohn einbehalten und an das jeweilige Finanzamt abgeführt wird.

Darüber hinaus findet sich die Quellensteuer auch bei der Abzugsteuer, der Bauabzugsteuer oder der Kapitalertragsteuer. Bei im Ausland erzielten Einkünften kommt es häufig vor, dass diese Einkünfte im jeweiligen Land einer Quellensteuer unterliegen. Diese kann unter Umständen mit der deutschen Steuerschuld verrechnet werden.

Ein Sonderfall liegt jedoch vor, wenn bei der deutschen Steuerschuld ausländische Quellensteuern geltend gemacht werden können, die real gar nicht erhoben wurden. Hier spricht man von der fiktiven Quellensteuer.

Fiktive Quellensteuer und Doppelbesteuerungsabkommen

Die fiktive Quellensteuer hängt eng mit den sogenannten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zusammen, die zwei Staaten zum Schutz der Steuerzahler miteinander abschließen.

Es handelt sich bei diesen DBA um völkerrechtliche Verträge, in welchen geregelt wird, in welchem Land in welchem Umfang erzielte Einkünfte versteuert werden müssen. Damit soll verhindert werden, dass es zu einer doppelten Steuerbelastung eines Steuerpflichtigen kommt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD – Organisation for Economic Co-operation and Development) hat zur Unterstützung der Staaten hierfür ein Musterabkommen erstellt.

In solchen DBA kann jedoch auch die fiktive Quellensteuer geregelt werden. Diese betrifft häufig ausländische Anleihen und Aktien und ist vor allem in Doppelbesteuerungsabkommen mit Entwicklungsländern zu finden.

Die Funktionsweise der fiktiven Quellensteuer

An einem vereinfachten Beispiel lässt sich die Funktionsweise der fiktiven Quellensteuer anschaulich erläutern.

Hierfür geht man von einem Land aus, mit dem ein DBA existiert, in welchem die Anrechnung einer Quellensteuer in Höhe von 10% festgelegt ist. Diese Steuer wird in diesem Land jedoch nicht erhoben.

Erzielt ein Anleger nun beispielsweise einen Zinsertrag von 1.000 € in diesem Land, muss er dort keine Quellensteuer zahlen. Er kann jedoch die vereinbarten 10% fiktive Quellensteuer in Deutschland geltend machen.

Somit müssen an den deutschen Fiskus nicht 25% Abgeltungssteuer entrichtet werden, sondern nur noch 15%. Statt 250 € werden deshalb nur noch 150 € fällig.

Der Zweck der fiktiven Quellensteuer

Von der fiktiven Quellensteuer profitiert auf den ersten Blick ausschließlich der Anleger, welcher nur noch eine geringere Steuerbelastung hat.

Der Zweck einer solchen Regelung ist jedoch primär, bestimmten Staaten den Zugang zu deutschem Kapital zu erleichtern. Dies offenbart sich bei einem zweiten Blick auf die Konditionen.

So sind die Anleihen der jeweiligen Staaten für deutsche Anleger besonders attraktiv, da die zu zahlende Steuer geringer als üblich ist. Dies versetzt die Staaten in die komfortable Situation, beispielsweise auf Staatsanleihen keinen hohen Kupon zahlen zu müssen, um am Finanzmarkt wettbewerbsfähig zu sein.

Gerade Staaten mit einer nicht optimalen Bonität müssen andernfalls mit eben solchen hohen Kuponzahlungen locken, um ihre Anleihen an den Anleger zu bringen.

Somit unterstützt der deutsche Staat mit Vereinbarungen zur fiktiven Quellensteuer die Haushalte der Vertragspartner, welche nun günstiger als im Normalfall an frisches Kapital kommen.

Im Umkehrschluss bedeutet dies für den interessierten Anleger aber, sich nicht von der fiktiven Quellensteuer blenden zu lassen. Eine Steuerersparnis in Deutschland hilft nicht, wenn das Schuldnerland zahlungsunfähig wird.

Somit gilt es, das Risiko genau abzuwägen und dem Vorteil durch die Ersparnis gegenüberzustellen.

8. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.