von Cosmin Filker

Finanzderivate stabilisieren Aktienmärkte

Finanzderivate stabilisieren Aktienmärkte

Finanzderivate, wie etwa Optionsscheine oder Zertifikate, waren nicht nur in den letzten Monaten vor allem aufgrund des Vorwurfs einer mangelnden Transparenz in die Kritik geraten.

Zusätzlich wurde immer wieder vehement auf ein hohes Risikopotenzial der Derivate hingewiesen, das so von den Emittenten nicht immer an den Markt kommuniziert würde.

Denn zum einen können die Finanzderivate vor allem in Phasen kräftiger Kursrückschläge als Absicherungsinstrument dienen. Die Investoren können das Renditerisiko in fallenden Märkten durch das so genannte Hedging erheblich mindern.

Bei der richtigen Wahl des Instruments kann man zugleich auch von steigenden Märkten überproportional profitieren, denn Zertifikate oder Optionsscheine reagieren aufgrund ihrer Hebelwirkung nicht nur überproportional auf die Marktbewegungen, sie spiegeln zudem auch die im Internetzeitalter schnell verfügbaren Informationen sofort in ihren Kursen wider.

Eine Lanze für die Finanzderivate wurde in einer Studie von Dr. Sigrid Müller, Professorin der Humboldt-Universität Berlin, gebrochen. Nach ihren Erkenntnissen profitiert der gesamte Aktienmarkt von der Ausgabe der Zertifikate.

Zertifikate erhöhen die Liquidität an den Märkten

Ihre Aussage: „Zertifikate wirken stabilisierend auf den Aktienmarkt. Sie erhöhen die Liquidität und können die Schwankungsbreite des Aktienkurses verringern. Zertifikate erhöhen das Handelsvolumen und wirken positiv auf den Aktienkurs.“

Zugleich wird in der Studie auch aufgezeigt, warum die von der Politik und den Anlegerschutzverbänden geforderten Transparenzvorgaben nicht so einfach umzusetzen sind.

Entgegen der Annahme der Politiker, die den Emittenten ein geringes Interesse an der Offenlegung der Kosten von Derivaten zusprechen, können diese nicht getrennt ausgewiesen werden.

Die Emittenten sichern sich in einem mehrstufigen Prozess gegen mögliche Verluste ab, wobei die Absicherungspositionen der einzeln platzierten Zertifikate bei den Banken gebündelt werden. Der Emittent hält also nicht wie angenommen die genaue Gegenposition des Investors.

Dennoch ist die Kritik an Derivaten, besonders aufgrund deren verheerender Auswirkungen auf die Finanzkrise, gut verständlich. So wurden diese besonders zur Verbriefung von Subprime-Krediten verwendet und damit wurde die hohe Ausfallgefahr der Kredite verschleiert. Zusammen mit den guten Ratings wurden diese Derivate an die Investoren verkauft und damit auf vielen Schultern verteilt.

Erst damit entstand der Dominoeffekt, welcher zur größten Finanzkrise der Nachkriegsära geführt hatte. Die Emittenten von Derivaten konnten Unsummen verdienen und blähten das System derart auf, dass es irgendwann einmal unweigerlich zum Zusammenbruch kommen musste.

Wenn aber Zertifikate und Derivate in einer regulierten Umgebung für den ursprünglichen Zweck, nämlich zur Absicherung von tatsächlich stattfindenden Geschäften verwendet werden, erfüllen sie eine wichtige Funktion: Sie dienen quasi als Versicherung und Absicherung gegenüber künftigen Preisänderungen und können dabei sogar das unternehmerische Risiko stark minimieren.

 
 
Bildquelle: Miredi - Fotolia

Autor:

Cosmin Filker

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.