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Finanztransaktionssteuer: Einfach an Beispielen erklärt

Die Finanzkrise 2007/2008 traf die Börsen weltweit vehement. Kurseinbrüche von mehr als 40 Prozent waren keine Seltenheit. Damals verloren viele Anleger eine Menge Geld.

Weltweit wurden in wenigen Monaten mehrere Billionen Euro an Vermögen vernichtet und die Staaten mussten mit Steuergeldern große private Finanzinstitute unterstützen.

Viele Politiker machten die Zockermentalität einiger Spekulanten im Hochgeschwindigkeitshandel dafür verantwortlich, dass die Aktienkurse so stark einbrachen.

Im sogenannten Hochgeschwindigkeitshandel wird in weniger als einer Sekunde gekauft und wieder verkauft, um minimale Kursschwankungen auszunutzen.

Dieser Sektor agiert nicht nach den fundamentalen Marktdaten. Deshalb soll ihm ab 2014 in elf europäischen Ländern eine Finanztransaktionssteuer Einhalt gebieten. Die Länder erhoffen sich, dass damit ein Großteil der Transaktionen unrentabel wird.

Mehr zum Thema: Was spricht für und was gegen die Finanztransaktionssteuer?

Denn die Finanztransaktionssteuer wirkt wie eine Mehrwertsteuer auf Wertpapiergeschäfte, die dem Staat zufließt.

Wie hoch ist die Finanztransaktionssteuer?

Banken, Versicherungen und Fonds müssen auf jede Transaktion, die sie untereinander tätigen eine Steuer zahlen. Diese Finanztransaktionssteuer trifft Käufer und Verkäufer gleichermaßen.

Die teilnehmenden Länder wie beispielsweise Deutschland sehen eine Besteuerung von Aktien und Anleihen in Höhe von 0,1 Prozent vor (Stand Anfang 2013). Bei Derivaten sollen voraussichtlich 0,01 Prozent pro Transaktion an den Staat fließen.

Damit erhoffen sich Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien, Griechenland, Estland, Spanien, Italien, Slowenien, Portugal und Slowakei stabilere Marktpreise und einen Rückgang des Hochfrequenzhandels.

Denn Händler die in diesem Bereich tätig sind, spekulieren auf minimale Kursänderungen von wenigen Cent bis auf nur 1 Cent pro Transaktion und führen so hunderte Transaktionen pro Tag aus.

Hat beispielsweise die „Maximal AG“ einen Kurs von 50 Euro, würde pro Transaktion eine Steuer von 5 Cent anfallen. Damit das Geschäft für einen Sekundenhändler attraktiv wäre, müsste er mindestens 6 Cent verdienen.

Doch ein Aktienkurs steigt oder fällt nicht so häufig um 6 Cent in weniger als einer Sekunde. Daher müsste der Händler die Aktie länger halten und wäre nicht mehr im Hochfrequenzhandel aktiv.

Steigt der Aktienkurs hingegen doch in dieser kurzen Zeit, verdient der Staat mit und die Finanzbranche würde die Bewältigung der Finanzkrise unterstützen.

Wirtschaftsinstitute wie das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) haben errechnet, dass Deutschland bei einem Prozentsatz von 0,05 erhebliche Steuereinnahmen hätte.

Das Finanzministerium könnte sich über Mehreinnahmen von rund 20 bis 30 Milliarden Euro pro Jahr freuen.

Börsenumsatzsteuer als Beispiel der Finanztransaktionssteuer

Die Einführung einer Steuer auf Wertpapiergeschäfte ist in Deutschland nichts Neues. Bereits 1922 entstand unter dem Kapitalverkehrssteuergesetz die Börsenumsatzsteuer.

Damals wurde die Stempelsteuer mit der Gesellschafts- und Wertpapiersteuer vereint und zur Börsenumsatzsteuer umdeklariert.

Daraufhin besteuerte der Staat alle öffentlichen Anleihen mit 0,001 Prozent und festverzinsliche Papiere sowie Aktien mit 0,0025 Prozent.

Erst nach der Wende – zu Beginn der 1990er-Jahre – schaffte die damalige Regierung die Börsenumsatzsteuer ab. Seither wurden keine Steuern mehr auf Wertpapiertransaktionen in Deutschland erhoben.

Damit zahlten Finanzakteure in den vergangenen rund 100 Jahren in der überwiegenden Zeit eine Steuer auf Wertpapiergeschäfte.

Die Einführung der Finanztransaktionssteuer 2014 ist daher nichts Befremdliches in Deutschland. Allerdings sind die kommenden Besteuerungssätze deutlich höher als die vorhergehenden.

30. Mai 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Kempe
Von: Michael Kempe. Über den Autor

Der diplomierte Betriebswirt (FH) und ausgebildete Finanzjournalist beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Kapitalmarkt – im Besonderen mit Aktien, Fonds und CFDs.