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Finanztransaktionssteuer: Was man wissen muss

Eine Finanztransaktionssteuer zielt nach Bekunden ihrer Befürworter darauf, die Finanzmärkte besser regulieren zu können und für mehr Stabilität an den Märkten zu sorgen.

Denn Finanztransaktionssteuern haben den Zweck, wie ihr Name schon sagt, Finanztransaktionen mit einer Abgabe zu belegen. Dadurch rechnen Experten mit weniger Spekulation an den Märkten.

Finanzsteuer aus Sicht des Staates

Insbesondere der so genannte Hochfrequenzhandel, bei dem Computerprogramme in Sekundenschnelle handeln, um winzige Kursdifferenzen auszunutzen, könnte durch eine Finanztransaktionssteuer stark eingeschränkt werden.

Denn da eine solche Steuer sich am Börsenumsatz bemisst, lohnen sich diese Arten von Geschäften dann nicht mehr oder weniger.

Der Hochfrequenzhandel ist deswegen umstritten, weil er zu Unruhe in Form starker Kursbewegungen an den Märkten führen kann. Zudem steht der volkswirtschaftliche Nutzen dieser modernen Spielart des Börsenhandels in Frage.

Regulierung und Stabilisierung von Finanzmärkten sind das eine Argument, das für eine Finanztransaktionssteuer oft angeführt wird.

Praktisch käme sie in Zeiten klammer Staatskassen aber auch dem Staatshaushalt zu Gute, weswegen die Forderung mitunter mit Haushaltsschwierigkeiten der Öffentlichen Hand einhergeht.

Die Prognosen, wie hoch die Einnahmen aus einer solchen Steuer sein können, hängt erstens von den jeweiligen Ländern und deren Finanzmärkten ab, in denen sie eingeführt werden soll; zweitens aber auch davon, wie die Lage international aussieht.

Denn anders als Unternehmen, die nicht mal eben schnell ihre Zelte in einem Land abbrechen können um sie morgen in einem anderen Land wieder aufzuschlagen, ist es an den Finanzmärkten sehr wohl möglich, einigermaßen problemlos an andere Handelsplätze der Welt zu wechseln und dort seine Börsengeschäfte zu betreiben.

Hochrechnungen

Nach Berechnungen von Wirtschaftsforschern lägen bei einem Steuersatz von 0,05 Prozent in Deutschland die Einnahmen einer Finanztransaktionssteuer zwischen 0,7 und 1,5 Prozent des Deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Skeptiker wenden dagegen ein, dass durch die Vermeidungsstrategien an den Märkten, also der praktische Ausfall von Umsätzen an den Finanzmärkten, die Verlagerung von Handelsaktivitäten an andere Börsenplätze usf. die Einnahmen aus einer solchen Steuer in Frage stehen.

Sie befürchten, dass eine solche Steuer sich unter dem Strich negativ auf das gesamte Finanzsystem des betroffenen Landes auswirken könnte.

Schweden als historisches Beispiel

Schweden hatte 1985 eine Finanztransaktionssteuer eingeführt und wird seither als Beispiel angeführt, wie sie schief laufen kann. Aus diesem Grund hat Schweden sie 1992 wieder abgeschafft.

Anstelle der von der Regierung geschätzten Einnahmen von umgerechnet jährlich 165 Mio. Euro nahm der schwedische Finanzminister nicht einmal mehr als 9 Mio. Euro ein.

Finanztransaktionssteuer in Europa

Seit August 2012 gibt es in Frankreich eine Steuer auf Kapitalwertpapiere. Das ursprüngliche Ziel, eine Finanztransaktionssteuer EU-weit einzuführen, scheiterte vor allem am Widerstand Großbritanniens und Schwedens.

Einführen wollen sie nach 2012 dagegen 11 EU-Länder:Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien,Österreich, Belgien, Griechenland, Portugal, Slowenien, Estland und die Slowakei.

12. November 2012

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Michael Fehr
Von: Michael Fehr. Über den Autor

Michael Fehr wirkt seit fast zwei Jahrzehnten am internationalen Finanzplatz Frankfurt, ist ausgewiesener Finanz- und Wirtschaftsjournalist: Er arbeitete unter anderem für die Deutsche Börse AG, das ARD-Börsenstudio und die Financial Times Deutschland.