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Flash Crash: Kurssturz aus heiterem Himmel

Dieses Jahr wurde die Börsenwelt im Februar und im Mai von Flash Crashs überrascht. Zufälligerweise verkündeten in den jeweils gleichen Zeiträumen kursierende Chart of Doom-Orakel das große Börsenunheil.

Der Absturz, der in größeren Abständen Aufwärtsphasen beendet, blieb wenigstens aus. Dafür jedoch machen Flash Crashs Sorgen, die immer häufiger vorkommen.

Flash Crash – Wenn Anleger unerklärlich ausgestoppt wurden

Ein Flash Crash kommt ohne jede Vorwarnung. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel tritt er urplötzlich auf, reißt den Markt in Sekunden nach unten und verschwindet bald darauf wieder. Hinterher sieht alles aus wie Stunden zuvor.

Der Handelstag vergeht ohne nennenswerte Verluste. Und kaum ein Außenstehender bekommt etwas davon mit. Auch die meisten Anleger nicht. Nur diejenigen mit Stopp-Orders sehen abends auf ihren Kurszetteln, dass sie zwischendurch ausgestoppt wurden.

So geschehen am 13. Mai. An der Nasdaq brach kurz vor Handelsschluss eine Reihe von Aktien um 14% ein. Kurz darauf erholten sie sich wieder. Das Phänomen wirkte genauso rätselhaft wie beim ersten bekannten Flash Crash am 6. Mai 2010, als der Dow Jones in wenigen Minuten für kurze Zeit um über 9% einknickte.

Flash Crash – Computerprogramme mit Lawineneffekt

Er fiel um 1.000 Punkte und löste sämtliche Stopp Orders aus. Der offiziellen Darstellung zufolge hatte sich angeblich ein Großinvestor beim Eingeben einer Verkaufsorder über rund 4 Mrd. Dollar vertippt.

Gleich ob diese „Fat Finger“-Erklärung stimmt oder nicht, für den nachfolgenden Effekt waren Computerprogramme ursächlich, die den Hochfrequenzhandel ermöglichen.

Sobald Aktien unter einen bestimmten Kurs fallen, werden sie verkauft. Das Problem: Es geschieht in Massen. Bei ungewöhnlichen Handelsvolumina geht alles in eine Richtung und verstärkt den Trend in Sekundenschnelle.

Das System verkippt. Als Trostpflaster für die Anleger wurden alle Transaktionen zu Kursen unter der Hälfte des Vortagswerts storniert.

Der Handel wird kurzfristig ausgesetzt

Um Abstürze zu begrenzen, hat etwa die Deutsche Börse eine Volatilitätsunterbrechung installiert. Dabei wird der Handel jeweils für einige Minuten ausgesetzt. Dies war auch am 6. Februar der Fall. Der Dax Future fiel plötzlich von rund 9200 auf 9.010 Punkte ab.

Der Handel wurde kurzzeitig ausgesetzt. Ärgerlich für Anleger mit Knock-Out-Calls auf den Future. Statt überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen wurden diejenigen zu Preisen oberhalb der 9.010 Punkte wertlos.

Was war geschehen? Die EZB hatte verkündet, den Zins bei 0,25% zu belassen. Einige jedoch hatten auf eine Zinssenkung spekuliert. In der Folge kam es mithilfe von Computerprogrammen zu automatischen Verkaufsaufträgen, die den anschließenden Kurssturz auslösten.

Gehandelt wurden 1.588 Kontrakte in 491 Trades, und zwar in nur 410 Millisekunden. Entgegen erster Mutmaßungen war es weder eine Falscheingabe noch eine Stop-Loss-Welle, bei der ein Stop-Loss den nächsten auslöst.

Entsprechend sah die Deutsche Börse keinen Systemfehler als Ursache, weshalb es auch keine Stornierungen gab.

Hochfrequenzhandel – Fluch und Segen

Flash Crashs dürften in Zukunft vermehrt vorkommen. Die Blitz-Abstürze seit 2010 konnten offenbar auch die mittlerweile installierten Sicherungssysteme nicht verhindern.

Schätzungen zufolge werden bereits rund 70% des Börsenhandels in den USA über Algorithmen abgewickelt. Und die Programme, bei denen schon geringste Kursdifferenzen eine ganze Lawine auslösen, werden vor allem auch von Hedgefonds genutzt.

Der Hochfrequenzhandel steht in der Kritik, aber hat nicht nur Nachteile gebracht. Immerhin sorgt er für mehr Liquidität, was sich günstig auf die Kosten auswirkt. Nachteile entstehen dann, wenn das System verkippt. Schützen kann man sich als Anleger gegen einen Flash Crash kaum.

16. Juli 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.