Der australische Bierbrauer Fosters hat heute seine aktuellen Geschäftszahlen vorgelegt und konnte nur begrenzt überzeugen.
Unter dem Strich fällt das Minus des Konzerns zwar deutlich geringer aus als im Vorjahr, doch der erneute Umsatzrückgang zeigt, dass Fosters noch einen langen Weg vor sich hat, um attraktive Gewinne zu erwirtschaften.
Da die Zahlen keine positive Überraschung brachten, steckt der Konzern in der Sackgasse. Fosters-Chef John Pollaers wird mit seinen Durchhalte-Parolen und Loyalitäts-Aufforderungen nur wenige Aktionäre überzeugen können.
Das feindliche Übernahme-Angebot von SAB Miller könnte aus Angst vor einem Kurssturz angenommen werden.
Auch die Ankündigungen, dass der Weg in die Gewinnzone nicht mehr lang ist, werden vielen Aktionären nicht ausreichen, um kurzfristig an einen Unternehmenswert oberhalb des aktuellen Übernahme-Preises zu glauben.
Sinkender Marktanteil, fallende Umsätze und unspektakuläre Unternehmensstrategie sprechen nicht gerade für ein Investment. Dass der Aktienkurs aktuell nur aufgrund des Übernahme-Angebots bei 5 Austral-Dollar steht, ist kein Geheimnis.
Fosters schaut ins Übernahme-Lehrbuch
SAB Miller ist in einer komfortablen Ausgangslage. Sündenbock der feindlichen Offerte ist nicht der „böse“ Bieter, sondern das Fosters-Management.
Das Unternehmen hat die Chance auf eine freundliche Übernahme verspielt und somit auch die Chance der Aktionäre auf einen angemessenen Preis.
Jetzt steht das Management vor einem Scherbenhaufen. Verunsicherte Anleger, keine überzeugenden Geschäftszahlen und eine feindliche Offerte mit Erfolgschance.
Als Abwehrstrategie hat sich Fosters daher zu einer Sonderdividende, ein Aktienrückkaufprogramm und ein Kostensenkungsprogramm entschieden – die üblichen Strategien, wenn einem nichts Besseres einfällt.
Wirklich helfen werden die Maßnahmen nicht, wenn SAB Miller sich Fosters wirklich schnappen will. Fosters gewinnt Zeit, wird den Bieter aber mit dem Abwehrprogramm nicht los.
Nur wenn sich beide Parteien an den Verhandlungstisch setzen, kann das Maximale für die Fosters-Aktionäre erzielt werden und das Management sein Gesicht wahren.
Aufstockung ja – aber nicht das Maximum
Pollaers sieht das ganz anders. Seine Einschätzung ist, dass die Aktionäre geschlossen hinter dem Unternehmen stehen. Übernahme-Verhandlungen hält das Unternehmen auch nach den Geschäftszahlen für nicht notwendig.
Aus der Sicht des Übernahme-Sensors ist das ein Spiel mit dem Feuer – denn die Chancen auf eine erfolgreiche Offerte sind größer als Fosters lieb ist.
Wahrscheinlich wird die Übernahme nicht zum aktuellen Kurs stattfinden. Die Chancen auf eine höhere Offerte sind nach der in Aussicht gestellten Sonderdividende gut. Der Preis wird aber nicht in den Regionen liegen, der bei einer freundlichen Offerte möglich gewesen wäre.
Viel Luft nach oben ist nicht mehr. Dafür waren die Zahlen zu schwach und die Angst eines Kursabsturzes ist unter den Aktionären zu groß.



