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Freihandel: Protektionismus durch die Hintertür

Protektionismus führt zu Wirtschaftskrisen und Handelskriegen.

Nur der Freihandel führt zu friedlicher Koexistenz und zu gesunden Volkswirtschaften.

Das ist das derzeitige Dogma der Wirtschaftswissenschaften.

Doch das Thema Protektionismus versus Freihandel ist komplexer als es scheint.

Der trügerische Freihandel

Protektionismus gibt es in der westlichen Welt nicht! – Alle wichtigen Staaten glauben an die Prinzipien des freien Handels.

Offiziell stimmt diese Aussage. Doch immer mehr Länder – die zwar offiziell für den Freihandel eintreten – ergreifen Schutzmaßnahmen für ihre heimischen Unternehmen.

Da die Welthandelsorganisation (eng. World Trade Organisation = WTO) Schutzzölle und Exportsubventionen offiziell verbietet – und fast alle Länder WTO-Mitglieder sind – weichen Staaten auf andere Schutzmechanismen aus.

Ersatzmaßnahmen für Zölle und Subventionen können sein:

  • Importverbote aus Konsumentenschutzgründen
  • Handelskontingente, die von den exportierenden Ländern auf Druck der Importeure festgelegt werden
  • Hohe Auflagen bei Verpackung/Beschriftung
  • Langwierige und kostenintensive Zollkontrollen
  • Subventionen für bestimmte Berufsgruppen (z.B. Argrarsubventionen in der EU)

und ähnliches.

Solche Maßnahmen werden in der Fachsprache als nichttarifäre Handelshemmnisse (eng. NTBs = Non-tariff barriers to trade) bezeichnet.

Die WTO will in Zukunft zwar schneller prüfen, ob einzelne nichttarifäre Handelsbarrieren gerechtfertigt sind – oder ob sie zu protektionistischen Zwecken missbraucht werden – aber diese Prüfung ist in der Realität sehr schwierig.

Transatlantischer Freihandel statt Protektionismus

Genau diese nichttarifären Handelshemmnisse sollten durch ein echtes Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa abgebaut werden.

Laut einer Bertelsmannstudie würde ein Wegfallen der Zölle zwischen den USA und der EU fast keine wirtschaftsfördernden Konsequenzen haben, da die Zölle bereits jetzt sehr gering sind.

Ein echtes Freihandelsabkommen schränkt auch die Möglichkeit von nichttarifären Handelshemmnissen ein.

Jedes Produkt, das in Europa zugelassen ist, könnte somit auch in den USA vertrieben werden und umgekehrt.

Mehr zum Thema: Globalisierung – Was ist das eigentlich?

Es gäbe keine Einschränkungen mehr. Wenn z.B. ein Medikament von der amerikanischen Zulassungsbehörde für Arzneimittel (FDA) zugelassen wird, so darf es auch in Europa – ohne zusätzliche Bürokratie und Prüfungen – verkauft werden.

Deshalb würde ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa – immer laut Bertelsmann – eine Steigerung von 3,3% der Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung weltweit bedeuten.

Zudem könnten weltweit über 2 Mio. neue Arbeitsplätze entstehen.

Mehr zum Thema: Bertelsmann Studie zum Freihandelsabkommen EU-USA

Anschließend wären auch andere Staaten gezwungen Handelsbarrieren abzubauen, um einem Wohlfahrtsverlust vorzubeugen.

Tücken des Freihandels

Der Protektionismus zieht seine Existenzberechtigung vor allem aus dem Schutz neu entstehender Industrien (infant industry argument).

Ohne Schutz des Staates können sich ansonsten neue Industrien nur sehr schwer gegen ausländische Konkurrenz durchsetzen, da das Know-how und die benötigte Erfahrung noch fehlen.

Dieses Problem stellt sich in einer echten globalisierten Wirtschaft jedoch nicht. Dort produziert jedes Land jene Güter, die es – verglichen mit anderen – kostengünstiger produzieren kann.

Mehr zum Thema: Globalisierung – Was ist das eigentlich?

Durch den Handel werden diese Güter dann verteilt und es entsteht eine Situation, in der die globale Wirtschaftskraft – durch optimalen Einsatz der vorhandenen Ressourcen – zunimmt.

Fazit: Freihandel schlägt Protektionismus

Langfristig brauchen wir einen echten, weltweiten Freihandel.

Nur durch freien Handel kann die globale Wirtschaft die Erhöhung des Lebensstandards aller Erdenbewohner und die durch das Bevölkerungswachstum entstandenen Herausforderungen stemmen.

6. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Frei
Von: Michael Frei. Über den Autor

Der Autor beschäftigt sich seit 8 Jahren intensiv mit den Kapitalmärkten. Michael Frei ist studierter Ökonom und im Finanzsektor tätig. Mit seinem Wissen hilft er den Lesern von GeVestor wirtschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen.