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Freistellungsauftrag: So Steuerfreiheit der Kapitaleinkünfte erzielen

Immer gieriger greift der Staat in die Taschen seiner Bürger. Das gilt auch für Kapitaleinkünfte. Immerhin 25% davon beansprucht er als so genannte Abgeltungsteuer für sich. Dazu kommen Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer, sodass Sie als Sparer und Anleger bis zu knapp 30% Ihrer Kursgewinne, Zinsen und Dividenden gleich wieder an den Staat verlieren.

Die Banken führen diese Steuer direkt ans Finanzamt ab, sie als Sparer haben darauf keinen Einfluss. Keine schöne Aussicht! Immerhin einen Ausweg gibt es: Sie können selbst dafür sorgen, dass bis zu 801 € (bei Singles und getrennt veranlagten Ehepartnern) beziehungsweise 1.602 € (bei zusammen veranlagten Ehepaaren) steuerfrei bleiben.

Denn dieser so genannte Sparerpauschbetrag steht ihnen gesetzlich zu. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie dafür sorgen, dass dieses Geld erst gar nicht der Abgeltungsteuer unterworfen wird. Alles, was Sie dazu brauchen, ist ein Freistellungsauftrag (oder auch mehrere).

Freistellungsauftrag: Kein Steuerabzug bei der Bank

Ein Freistellungsauftrag ist ein Formular, das Sie bei Ihrer Bank bekommen. Bei Online-Banken und Brokern finden Sie das Formular auf der jeweiligen Internetseite. Wenn Sie nur eine Bank haben, brauchen Sie den Auftrag nur einmal auszufüllen. Sind Sie Kunde bei mehreren Banken, dann können mehrere Freistellungsaufträge durchaus sinnvoll sein.

In den Freistellungsauftrag schreiben Sie neben Ihrer Adresse und Bankverbindung den Betrag hinein, der von der Abgeltungsteuer verschont bleiben soll. Das nennt sich „freizustellender Betrag“. Sie haben es bereits gelesen: Maximal 801 € bzw. 1.602 € bei Ehepaaren dürfen Sie freistellen, so hoch ist der Sparerpauschbetrag.

Sie können diesen Betrag entweder vollständig für eine Bank aufbrauchen. Sie können ihn aber auch aufteilen zwischen mehreren Banken. Pro Bank stellen Sie immer nur einen Freistellungsauftrag, der dann für alle Konten gilt. Aber Achtung: In Summe dürfen Sie den Sparerpauschbetrag von 801 bzw. 1.602 Euro nie überschreiten, sonst gibt es Ärger mit der Finanzverwaltung!

Liegt ein gültiger Freistellungsauftrag vor, weiß Ihre Bank: Sie darf von dem darin genannten „freizustellenden“ Betrag keine Abgeltungsteuer an den Staat abführen. Das heißt: Ihre Zinsen, Dividenden, Kurs- und sonstige Gewinne bleiben unversteuert auf Ihrem Konto. Für Kapitalerträge, die darüber hinaus gehen, führt die Bank automatisch Abgeltungsteuer ans Finanzamt ab.

Mehrere Freistellungsaufträge: So gehen Sie richtig vor

Als Sparer und Anleger sollten Sie bestrebt sein, den Sparerpauschbetrag möglichst vollständig auszuschöpfen. Es wäre ärgerlich, wenn die Kapitaleinkünfte bei Bank A schon weit über dem freigestellten Betrag lägen und bei Bank B weit darunter. Denn dann würde Bank A bereits Steuern auf Ihre Kapitalerträge abführen, wo doch der freigestellte Betrag bei Bank B noch gar nicht ausgeschöpft wäre.

Überlegen Sie also: Welche Erträge erwarten Sie bei welcher Bank? Sinnvollerweise fangen Sie mit der Bank an, bei der Sie nur Tages- und Festgeldkonten sowie Sparbriefen haben. Da kennen Sie die Höhe der Guthabenzinsen zumindest annäherungsweise und wissen folglich, welche Zinseinkünfte Sie erwarten.

Füllen Sie einen Freistellungsauftrag für diese Bank aus, der die Höhe dieser Zinseinkünfte voll abdeckt. Anschließend knöpfen Sie sich Ihre Depotbank(en) vor. Überlegen Sie: Welche Dividenden-, Zins- und sonstige Ausschüttungen sind hier realistisch? Welche Kursgewinne kommen dazu, wenn Sie ein Wertpapier verkaufen? Was noch von Ihrem Sparerpauschbetrag übrig ist, verteilen Sie dann auf Ihre Depotbank(en).

Bei Ehepaaren: Gemeinsamer oder getrennter Auftrag?

Als Ehepaar können Sie einen gemeinsamen Freistellungsauftrag stellen, wenn Sie zusammen veranlagt werden. Das lohnt sich vor allem dann, wenn Sie sehr unterschiedlich verdienen. Dann darf die Summe ihrer Freistellungsaufträge 1.602 € betragen anstatt der sonst üblichen 801 € bei Einzelpersonen.

Einen gemeinsamen Freistellungsauftrag müssen Sie dann auch für Einzelkonten stellen, also für Konten, die nur auf seinen oder ihren Namen laufen. Den Freistellungsauftrag unterschreiben beide Personen. Sonst wäre er ungültig. Sind Sie als Ehepaar getrennt veranlagt, dann kann jeder Partner für sich jeweils bis zu 801 € freistellen lassen. Ein Freistellungsauftrag für gemeinsame Konten ist dann allerdings nicht möglich.

Wichtig: Freistellungaufträge regelmäßig anpassen

Theoretisch ist ein Freistellungsauftrag unbegrenzt gültig, wenn Sie im Formular nicht explizit einen Endtermin eintragen. Es empfiehlt sich aber nicht, die Freistellungsaufträge jahrelang unverändert zu belassen. Denn Ihre Kapitaleinkünfte ändern sich.

Deshalb sollten Sie sich einmal im Jahr Ihre laufenden Freistellungsaufträge vorknöpfen. Überprüfen Sie dann: Ist der Sparerpauschbetrag über die einzelnen Kreditinstitute noch so günstig aufgeteilt, dass er voll ausgeschöpft wird?

Wie Sie sich rückwirkend zu viel gezahlte Abgeltungsteuer zurückholen

Freistellungsauftrag hin oder her – es kann trotzdem passieren, dass Sie zu viele Steuern an den Staat zahlen. Denn zum einen werden die Verluste aus Kapitalanlagen (z. B. Kursverluste bei Wertpapierverkauf) bei Bank A nicht mit den Kursgewinnen bei Bank B verrechnet.

Zum anderen müssen Ihre Prognosen über die voraussichtlichen Einkünfte nicht immer zutreffen. Was also tun, wenn die Banken zu viel Abgeltungsteuer ans Finanzamt abgeführt haben? Ganz einfach: Dann füllen Sie zusammen mit Ihrer Einkommensteuererklärung die Anlage KAP (Kapitaleinkünfte) aus.

Dort müssen Sie alle Zinsen, Dividenden, Kurs- und sonstige Gewinne aus Ihren Investments angeben – und ggf. auch die Verluste. Wenn Sie Gewinne bei Bank A mit den Verlusten bei Bank B verrechnen wollen, müssen Sie außerdem vorher bei Bank B eine sogenannte Verlustbescheinigung beantragen.

Das geht bis spätestens 15. Dezember des laufenden Jahres. Diese Bescheinigung reichen Sie zusammen mit Ihrer Steuererklärung ein. Die Verluste tragen Sie dann auch in Anlage KAP ein. Die Mühe lohnt sich: Sie erhalten die zu viel gezahlte Abgeltungsteuer vom Finanzamt zurück.

20. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst hat sich auf die publizistische Beratung im Bereich Wirtschaft und Finanzen spezialisiert und speziell zum Thema Geldanlage mehrere Bücher verfasst.