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Freistellungsbescheinigung: Bauabzugssteuer kann umgangen werden

Unternehmer, die im Baugewerbe arbeiten, sind verpflichtet, 15% des Rechnungsbetrages einzubehalten und an das Finanzamt zu überweisen.

Mit dieser Maßnahme geht der deutsche Staat gegen illegale Beschäftigung im Baugewerbe vor. Der Staat verspricht sich durch eine bessere steuerliche Erfassung von Bauunternehmen und ihren Arbeitnehmern. Doch mit Hilfe einer Freistellungsbescheinigung kann die Bauabzugssteuer umgangen werden.

Schwarzarbeit im Baugewerbe

2001 stellte das Bundesministerium für Finanzen einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden durch Schwarzarbeit fest. Insbesondere im Baugewerbe ist es üblich, Schwarzarbeiter zu beschäftigen.

Aufgrund dieses Problems erließ der Staat das „Gesetz zur Eindämmung illegaler Betätigung im Baugewerbe“. In dem Gesetzestext wurde geregelt, dass jeder, der Bauleistungen in Anspruch nimmt, auf den Bruttobetrag 15% an Bauabzugssteuer zahlt, die er an das Finanzamt abführen muss. Letztlich zahlt er nicht mehr, sondern lediglich einen Teil an das Finanzamt.

Für wen gilt die Bauabzugssteuer?

Die Bauabzugssteuer gilt für alle Unternehmer, ganz gleich ob für selbstständige oder gewerbetreibende. Zusätzlich gilt die Bauabzugssteuer für Vermieter, auch wenn diese sonst nicht im unternehmerischen Sinn tätig sind. Die Bauabzugssteuer muss vom Auftraggeber, also demjenigen der Bauleistungen erhält, an das für ihn zuständige Finanzamt gezahlt werden.

Danach wird die Bauabzugsteuer auf die zu zahlenden Steuern des Unternehmers angerechnet. Insofern entsteht für legal arbeitende Unternehmen kein Nachteil. Zum einen gibt es eine Grenze, unter der keine Bauabzugssteuer gezahlt wird. Diese liegt bei 5.000 € jährlich (für reine Vermieter bei 15.000 € jährlich.) Die andere Möglichkeit ist, dass das Bauunternehmen eine Freistellungsbescheinigung nachweisen kann.

Freistellungsbescheinigungen für die Bauabzugssteuer

Die Freistellungsbescheinigung befreit Bauunternehmen von der Bauabzugssteuer. Dafür müssen die Unternehmen die Bescheinigung bei ihrem zuständigen Finanzamt beantragen. Betroffen davon sind die Unternehmen, die die Bauleistung ausführen, also die Renovierungen o.ä. vornehmen.  Die Freistellungsbescheinigung wird erteilt, wenn der zu sichernde Steueranspruch nicht gefährdet ist.

Das wiederum liegt vor, wenn das Unternehmen nicht ordnungsgemäß angemeldet ist oder seinen steuerlichen Mitwirkungspflichten nicht nachkommt. In der Regel sind Freistellungsbescheinigungen für drei Jahre gültig und müssen mindestens sechs Monate vor Ablauf der Gültigkeit verlängert werden.

Die Bedeutung von Freistellungsbescheinigungen

Es besteht keine Pflicht, eine Freistellungsbescheinigung zu beantragen. Allerdings geben Freistellungsbescheinigungen nicht nur dem Finanzamt die Möglichkeit, Unternehmen zu überprüfen, sondern sind darüber hinaus auch ein Qualitätsmerkmal für die Unternehmen selbst.

Viele Bauaufträge werden nur noch an Unternehmen mit Freistellungsbescheinigungen vergeben, da sie sonst unseriös wirken. Zusätzlich fällt der organisatorische Aufwand zur Bearbeitung der Steuer für beide Vertragsparteien weg.

21. Oktober 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.