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Frührente ohne Abzug: Ist das möglich?

Welcher Arbeitnehmer träumt nicht davon, ohne Abzüge früher in Rente gehen zu können? Der Ursprungsgedanke lautet: Wer 45 Jahre Wartezeit in der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllt hat, darf ohne Abschläge mit 65 in Rente gehen.

Aber dies ist weit gefehlt, denn mit dem in Kraft treten der „Rente mit 67“ wurde die Wartezeit für die Rente verändert. Dies heißt also im Klartext: Vieles, das bisher zur Renten-Wartezeit mit dazugerechnet wurde, wird nun nicht mehr mit einbezogen.

Mit der Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre wurden klammheimlich kleine Veränderungen vorgenommen, welche erhebliche Auswirkungen für die Frührente ohne Abzug haben können.

Was versteht man unter Wartezeiten?

Unter Wartezeiten versteht man eine Art Mindestversicherungszeit, d.h. eine bestimmte Zeit, in der man Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung ist.

Eine solche Mitgliedschaft kann durch gezahlte Beiträge in Kraft treten oder durch Zeiten oder Beiträge, die man per Gesetz „geschenkt“ bekommt. Hierzu zählen nicht nur Arbeitszeiten, sondern bei einigen Renten werden auch Ersatzzeiten einbezogen.


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Ausbildung, Wehr- und Zivildienst, sowie Kindererziehung zählen auch zur Wartezeit

Als Ersatzzeit wird beispielsweise eine Ausbildung beziehungsweise Lehre anerkannt, da hier eine Pflichtversicherung besteht und in die Rente eingezahlt wird. Weiterhin gehören Wehrdienst und Zivildienst dazu.

Wer mehr als drei Tage Wehr- oder Zivildienst leistet, ist in der gesetzlichen Rente versicherungspflichtig. Berücksichtigt werden ebenfalls die Erziehungszeiten bis zum 10. Lebensjahr des Kindes, da mehr Frauen die Chance auf die Rente mit 45 Beitragsjahren haben sollen.

Außerdem zählen die Pflege eines Angehörigen (mind. 14 Std./Woche, darf aber nicht beruflich ausgeübt werden), sowie selbstständige Tätigkeiten zu der Wartezeit. Selbstständige Tätigkeiten zählen nur, wenn der Selbständige der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegt.

Pflicht-Selbständige sind selbständige Handwerker (ohne Angestellte), selbständige Hebammen, Krankengymnasten, Fahrlehrer, Künstler und Publizisten (diese nur bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze).

Checkliste: Lebensphasen, die nicht berücksichtigt werden

Dagegen sollten Sie bei den folgenden Szenarien aufpassen:


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  • Schulzeit, Ausbildung vor dem 17. Lebensjahr: Diese Zeiten können zwar durch freiwillige Beiträge aufgewertet werden, zählen jedoch nur bei der späteren Rentenhöhe mit. Das heißt, diese wirken sich nicht auf die normalen Wartezeiten zu 45 Beitragsjahren aus.
  • Besuch einer Fach- oder Hochschule: Diese Zeiten finden in der neuen Rente keinerlei Berücksichtigung. Es werden allerdings insgesamt acht Jahre eines Studiums als Anrechnungszeiten bei anderen Renten anerkannt.
  • Arbeitslosigkeit: Obwohl es für die Arbeitslosigkeit bei anderen Renten sogar Pflichtbeiträge von der Bundesagentur für Arbeit gibt, zählt dies für die 45 Beitragsjahre nicht.
  • nicht versicherungspflichtige Selbständige: Selbständige, welche nicht versicherungspflichtig sind, aber auf Antrag freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einbezahlen, sichern sich dadurch nur „normale“ Wartezeiten. Für die „neue Frührente nach 45 Beitragsjahren“ werden diese freiwilligen Rentenbeiträge nicht angerechnet.

Betrachten Sie also genau Ihren Lebenslauf und berechnen Sie Ihre individuellen Wartezeiten.

3. August 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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