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Geld, Macht und Netzwerk: Eine der reichsten Familien der Welt

Sie ist eine Legende der Finanzgeschichte – die Rothschild Familie steigt im 19. Jahrhundert aus ärmlichen Verhältnissen im Frankfurter Judenviertel zur Gelddynastie empor, die Europa beherrscht und Amerikas Finanzwesen mitbestimmt.

Als Financier von Staaten und Herrschaftshäusern beeinflusste sie den Lauf der Geschichte. Heute noch regiert die Rothschild Familie ein beachtliches Imperium mit einem weltumspannenden Beteiligungsnetz an Banken und Firmen.

Vordergründig existieren vom einst größten Bankhaus der Welt im Wesentlichen drei Finanzgruppen: Paris-Orléans, Banque Privée Edmond de Rothschild und RIT Capital Partners. Schwerpunkte sind Investmentbanking, Vermögensverwaltung und Private Equity Unternehmensbeteiligungen. Edmond de Rothschild ist seit 2011 wieder in Frankfurt vertreten, wo alles anfing.

Die Rothschild Familie – von Frankfurt in die Welt

Dort wohnte seit dem 16. Jahrhundert die jüdische Familie im Haus mit dem „rothen Schild“, Farbtafeln waren neben Hausnummern üblich. Der Geldwechsler Amschel Meyer nannte sich Rothschild, als er Anfang des 19. Jahrhunderts den Aufstieg zur Bank schaffte. Ihm half sein Kontakt zum hessischen Regenten, einem der reichsten Männer im Deutschen Reich. Als der vor Napoleons Truppen floh, verwaltete er diskret dessen Vermögen.

Durch geschicktes Taktieren mit Wertpapieren im Intrigenspiel der Mächtigen wuchs das Geschäft. Er gründete die Rothschild Bank und beteiligte seine fünf Söhne. Vier gingen ins Ausland und gründeten in Wien, Paris, Neapel und London eigene Banken. Der tägliche Briefaustausch und Einsatz eigener Kuriere sorgten stets für den entscheidenden Informationsvorsprung.

Gespür und Informationsvorsprung

So erfuhren sie von Napoleons Niederlage bei Waterloo noch vor den kriegsbeteiligten Regierungen. Sohn Nathan, der in London bereits Englands klamme Staatskasse mit Anleihen finanzierte, kaufte rasch englische Staatspapiere, und zwar spottbillig, weil alle Welt mit einer Niederlage Englands rechnete – tags darauf schoss der Kurs in die Höhe.

Mit Wissen und Gespür für die richtige Investition zum Machtausbau der Kunden wuchs das Finanzimperium. Europas Politprominenz hing vom Geld der Rothschild Familie ab. Damit wurden Krieg und Frieden aber auch der Aufbau von Frankreichs Eisenbahnnetz oder der Suezkanal finanziert. Die Rothschilds gehörten außerdem zum Gründerkreis der US-Notenbank FED und bestimmten in London den täglichen Goldpreis mit. 2004 wurden sie von der Barclays Bank abgelöst, an der sie wiederum beteiligt sind.

Undurchschaubares Netzwerk

Obwohl die Rothschild Familie heute eine geringere Rolle spielt, ist sie noch einflussreich. Allerdings ist das komplizierte Netzwerk weltweiter Beteiligungen undurchschaubar. Dazu gehören auch Verlage und Nachrichtenagenturen. Bekannt sind neben den Banken der Nachfahren ihre Schlösser und berühmten Weine.

Hinter den Aushängeschildern versteckt sich ein Vermögen, das auf 350 Mrd. US-$ geschätzt wird. Denkt man aber an das Zitat von Urvater Mayer Amschel „der Zinseszinseffekt ist das achte Weltwunder“, so könnte es sich auch um ein Vielfaches handeln. Auf jeden Fall ist die Rothschild Familie der reichste Clan der Welt und lässt die Walmart Nachkommen mit ihren 145 Mrd. US-$ weit hinter sich.

Mythen und Tatsachen

Strengste Diskretion sorgte für den kometenhaften Aufstieg, allerdings auch für Mythen und Verschwörungstheorien, die sich um die Rothschild Familie ranken. Tatsache ist, dass sie mit ihrem weitsichtigen Vorgehen unbeschadet durch die jüngste Finanzkrise kamen, wovon Kunden wie Allianz, BMW oder Thyssen-Krupp profitierten. So wurde der Pariser Ur-Ur-Ur-Enkel des Gründervaters David de Rothschild 2011 zum „European Banker of the Year“ gekürt.

Familienzwist und Diskretion

David hatte zuvor die längst zerstrittene Familie über die Vereinigung der britischen und französischen Linie unter dem Dach von Paris Orléans zusammengebracht, der zentralen Holding der Rothschilds. Seine 2015 geäußerten Ambitionen, sie in Rothschild & Co umzubenennen, sorgte jedoch für erneuten Streit – vor allem bei Benjamin, der in Genf die nach seinem Vater benannte Bankengruppe Edmond de Rothschild betreibt. Er befürchtet Namensverwechslungen.

Dabei sind alle Nachkommen mit ihren Banken untereinander beteiligt, auch Nathaniel mit seinen Hedgefonds, Evelyn mit der Investmentfirma E.L. Rothschild und Jacob mit RIT Capital Partners. Letzterer erwarb 2012 übrigens 37% der Rockefeller Finanzgruppe.

Zum heutigen Anlageverhalten äußerte sich jüngst Benjamins Gattin Ariane, zugleich Verwaltungsrätin von Edmond de Rothschild. Sie warnt vor einem „fragilen und volatilen Zustand der Börsen“, ein Großteil ihrer Kunden sei vorsichtshalber in Cash investiert. Das Interview mit einem Schweizer Magazin ist eines der seltenen der Rothschilds. Die Familie meidet den Medienrummel und zieht die Fäden lieber hinter den Kulissen – ganz im Sinne alter Tradition.

1. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.