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Geldanlagen in Norwegen – Währungsrisiko hat im Musterland zugeschlagen

Norwegische Kronen sind 2015 unter Druck. Sie sind zwar als Fluchtwährung beliebt. Doch Anleger, die auf Währungsgewinne spekulieren und zugleich von passablen Zinsen im sicheren Hafen profitieren wollen, könnten selbst im soliden Land der Fjorde stranden.

Top-Rating und Renditen

Auf der Suche nach Zinsen bei hoher Sicherheit wird Norwegen gerne als attraktive Alternative in Europa gehandelt. Das Land gilt mit seinen Haushaltsüberschüssen und soliden Staatsfinanzen als extrem stabil und hat mit einem Rating von AAA eine Top-Kreditwürdigkeit. Während andere sichere Ankerplätze wie die Schweiz, Dänemark oder Schweden mit Minuszinsen schrecken, lockt Norwegen mit einer besseren Renditen und einer lange Zeit starken Währung.

Staatsanleihen etwa bringen bis zu 3%. Bei Festgeldanlagen wirbt beispielsweise die BN-Bank mit 1,7% Zinsen für Einlagen ab 10.000 € über 12 Monate. Doch in beiden Fällen tragen Anleger das volle Währungsrisiko. Anleihen und Geldeinlagen sind nur in norwegischen Kronen möglich. Zudem sind auch in Norwegen die Rahmenbedingungen nicht mehr gar so stabil.

Risse in der Fluchtburg

Die Konjunktur lahmt, zur Stimulierung hat die Notenbank dieser Tage die Leitzinsen gesenkt – von 1,25% auf nun 1%. Den letzten Zinsschritt nach unten gab es im Dezember. Hauptgrund: Der Ölpreisverfall hinterlässt nach und nach tiefe Spuren. Über 20% der norwegischen Wirtschaftsleistung kommen aus dem Ölsektor.

Allein in der Ölbranche wurden bereits Tausende von Mitarbeitern entlassen. Die Arbeitslosenquote ist mit 4,1% auf dem höchsten Stand seit 10 Jahren. Im internationalen Vergleich erscheint das zwar niedrig, doch schon sind weitere Entlassungen angekündigt. Der Ölkonzern Statoil will rund 2.000 Stellen streichen, in ähnlicher Größenordnung wird bei Zulieferern gekürzt. Von der Entwicklung wird die gesamte Wirtschaft erfasst.

Norwegische Kronen auch 2015 unter Druck

All das hat auch Einfluss auf die Währung. Norwegische Kronen sind 2015 deutlich weniger wert als etwa vor 2 Jahren. Damals kostete der Euro noch rund 7,5 Kronen, aktuell sind es 8,8 Kronen.

Den größten Rücksetzer gab es im Dezember letzten Jahres, als der Leitzins von 1,5% auf 1,25% gesenkt wurde: Die Währung sackte soweit ab, dass es für einen Euro 9,17 Kronen gab. Nach der folgenden Erholung setzte der jüngste Zinsschritt norwegische Kronen 2015 mit über 1,6% Verlust erneut unter Druck.

Wer also vor 2 Jahren 10.000 € in norwegische Kronen investiert hat und jetzt nach Ende der Laufzeit sein Geld in Euro zurückbekommt, muss einen Währungsverlust von rund 1.500 € verschmerzen. Auch ein solides Land wie Norwegen ist kein Garant für Währungsgewinne.

Vorsicht vor Währungsspekulation

Umgekehrt könnte die aktuelle Währungsschwäche der geeignete Zeitpunkt für Spekulationen plus Zinsgewinne sein. Doch ob sich die Krone in absehbarer Zeit merklich erholt, ist längst nicht ausgemacht.

Der Ölpreis liegt immer noch 40% unter Vorjahresniveau. Selbst wenn der wieder anziehen sollte, dürften im Herbst die Leitzinsen erneut gesenkt werden. Das jedenfalls wurde von der Nationalbank bereits angekündigt. Und damit werden auch Festgeldangebote weniger Zinsen bringen.

Eines sollte man immer im Auge behalten: Investitionen in Norwegische Kronen sind Kurs-Spekulation. Dass mittel- und langfristig keine klaren Trends auszumachen sind, hat nicht zuletzt die jüngere Entwicklung gezeigt. Wer auf eine Fremdwährung spekuliert, und erscheint sie noch so stabil, muss mit erheblichen Risiken rechnen.

17. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.