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Geldanleihe in norwegische Kronen: Eine Mogelpackung

Geldanleihe in norwegische Kronen: Markt für Anleihe fast nicht da

Die gepriese Geldanleihe in norwegische Kronen hat einen fatalen Schönheitsfehler: Als Käufer stehen Sie während der Laufzeit fast ohne Nachfrage da. Eine Währungskrise, die jederzeit auch Norwegen erreichen kann, wird dann Ihr Vermögen vernichten.

Die Anleihe selbst läuft bis 2015. Angesichts einer solchen Laufzeit und der Mickerrendite sind solche Anleihen eine gigantische Fehlspekulation. Statt sicherer Mini-Zinsen wird die Rendite im besten Fall leicht positiv – bei hohem Risiko – sein.

Hände weg von allen Fremdwährungsanleihen, die Geldanleihe in norwegische Kronen ist da keine Ausnahme. Der Markt ist oft sehr eng – mit den beschriebenen Halterisiken.

Investieren Sie für höhere Zinsen stattdessen in den mehrfach empfohlenen Bertelsmann-Genussschein. 7,1 Prozent, so die aktuelle Rendite.

Wer auf fremde Währungen setzen möchte, wendet sich statt einer Fremdwährungsanleihe(!) mit Mickerzinsen lieber Anlagestrategen mit a) hinreichend Markterfahrung und b) den richtigen Papieren zu.

Do wie steht es allgemein um die Flucht in andere Währungen?

Angebote bei bis zu 6%

Auf den ersten Blick sieht alles attraktiv aus. Wer etwa auf den südafrikanischen Rand setzt, kann bis zu 6% Zinsen pro Jahr kassieren – und dies sogar bei einer kurzen Anlagedauer von 30 Tagen. (Beachten Sie dazu jedoch: die Zinsgutschrift wird dann nur etwa 0,5% betragen.)


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Ist Ihnen die Währung zu unsicher, können Sie auf den australischen Dollar setzen. Viele Medien empfehlen das jetzt, da die Währung genauso wie die australische Wirtschaft derzeit sehr stabil ist. Der mögliche Zins liegt bei 4,40% für eine Anlagedauer von 100 Tagen.

Wer – scheinbar – ganz sicher gehen will, kann auf die norwegische Krone setzen. Zwar gibt es dafür nur 0,5% Zinsen, aber hier geht es dann um Währungssicherung.

Vorab empfehle ich Ihnen: legen Sie Ihr Geld auf keinem dieser Währungskonten an.

Die wirtschaftlichen und steuerliche Bewertung ist eindeutig.

Warnung I: Zinsen sind Währungsspekulation

Wenn Sie Ihr Geld jetzt auf einem solchen Währungskonto anlegen, gilt der aktuelle Umtauschkurs. Das heißt kaufmännisch: Bei einer Anlagedauer von 100 Tagen wetten Sie direkt, dass etwa der australische Dollar gegenüber dem Euro nicht verlieren (oder sogar gewinnen) wird.

Eine Beratung oder Empfehlung werden Sie von der Bank genau dazu nicht erhalten. Über einen Zeitraum von 30 bis 100 Tagen bin auch ich nicht in der Lage, die Währungsrelation so zielsicher wie nötig einzuschätzen.

Denn: schon Währungsverschiebungen um 1-2%, wie sie wöchentlich üblich sind, sorgen für ein Hin und Her in Ihrer „Zins“-Bilanz.

Ein Zinskonto soll aber genau dies wahrscheinlich vermeiden.

Warnung II: Gewinne werden steuerlich geschröpft

Wenn Sie jetzt tatsächlich die tägliche oder wöchentliche Wellenbewegung mit Gewinnen überstanden haben, steht der Staat direkt neben Ihnen und fordert seinen Anteil.

Nicht nur die 4,4% Zinsen beim australischen Dollar, sondern auch Währungsgewinne unterliegen voll der Abgeltungssteuer von etwa 28% je nach Kirchenzugehörigkeit und Bundesland.

Das heißt: Sie spekulierten auf einem höchst brisanten Markt mit kurzfristig schlecht kalkulierbaren Ausschlägen, kassieren maximal 72% der Gewinne und erhalten ein Trostpflasterchen in Form von Mini-Zinsen – nach Steuern sind auch 4,4% Zinsen nur noch 3,12% Zinsen.

Ein weiteres kleines Trostpflaster muss ich Ihnen noch nennen – falls Sie trotzdem investieren wollen. Die führenden Anbieter „Sydbank“ sowie „Comdirect“ unterliegen beide der Einlagensicherung deutscher Banken – in Millionenhöhe. Wenigstens vor einem Bankencrash wären Sie „sicher“.

Auch dazu jedoch sofort meine Bedenken: ein Bankencrash hat unabsehbare Folgen für die gesamten Währungen weltweit – insofern ist selbst dann die Einlagensicherung möglicherweise sehr wenig wert.

Ich empfehle Ihnen: Währungsspekulationen tragen auf keinen Fall zu Ihrem Kapitalschutz bei. Investieren Sie nicht.

Ich empfehle sogar: wer bereits Geld auf Währungskonten hat, investiert ebenfalls am besten in eine andere Währungsüberlegung:

Verteilen Sie Ihr Vermögen auf Aktien unterschiedlicher Währungen. 80% mindestens im Euro-Raum, etwas aber auch in Schweizer Franken oder im US-Dollar. Hier empfiehlt sich besonders die Buffett-Aktie „Berkshire Hathaway.

2. Juni 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.