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Genussrechte in Erneuerbare Energien: Renditechancen mit Risiko

Mit dem Boom der Erneuerbaren Energien sind auch Genussrechte im Aufwind. Getragen wird dieser Trend vor allem von zwei Faktoren: Zum einen die politisch angeschobene Energiewende. Und zum anderen von der zunehmenden Suche der Sparer nach grünen Geldanlagen. Die gelten als zukunftsorientiert und renditestark. Die Aussicht auf hohe Zinsen mit Gewinnanteil ist verlockend.

Genussrechte in Erneuerbare Energien – nicht blauäugig grün investieren

Jedoch, Erneuerbare Energien sind nicht nur ein grünes Investorenparadies. Auch Anleger mit ausgeprägtem ökologischem Bewusstsein dürfen einige ökonomische Tatsachen nicht ausblenden: Genussrechte sind stets mit erheblichen Risiken verbunden.

Immerhin stehen die Anbieter von Holzpellets oder Windrädern im scharfen Wettbewerb. Wirtschaftlich können auch sie sozusagen nur mit Wasser kochen. Der Aufstieg und Fall deutscher Solaranbieter ist ein Beispiel.

Gleichzeitig aber wird die Branche durch die Politik kräftig unterstützt. So garantiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) grünen Energieproduzenten feste Strompreise über 20 Jahre. Vor diesem Hintergrund sind Genussrechte mit Zinsen zwischen 6% und 10% durchaus realistisch.

Genussrechte in Erneuerbare Energien – Profit für Anleger und Unternehmen

Im Idealfall profitieren von Genussrechten Investoren und Emittenten. Gerade für junge und kleinere Firmen sind sie eine bewährte Alternative zu Bankkrediten. Die Kapitalbeschaffung über Genussrechte ist wesentlich einfacher und flexibler als über klassische Anleihen oder Aktien.

Der Anleger leiht dem Unternehmen für eine bestimmte Laufzeit Geld. Meist ab 2.500 oder 5.000 €. Dafür bekommt er zum einen einen Basiszins und obendrauf eine Zins, der vom Geschäftserfolg abhängt. Am Ende der Laufzeit – meist ab 5 Jahren – gibt es das eingelegte Geld zurück.

Der Vorteil für das Unternehmen: Genusskapital erhöht unter gewissen Voraussetzungen das Eigenkapital. Zugleich aber wird der Anleger nicht zum Gesellschafter und hat folglich keine Mitspracherechte. Das Management hat freie Hand.

Damit unterscheiden sich Genussrechte von Unternehmensbeteiligungen wie denen an Kommandit- oder Aktiengesellschaften. Etliche Erneuerbare-Energien-GmbHs, die jetzt vorwiegend auf Genussrechte setzen, waren früher Kommanditgesellschaften.

Genussrechte in Erneuerbare Energien – Projektkapital gegen hohe Zinsen

Die eingesammelten Gelder aus den Genussrechten werden dafür eingesetzt, Projekte wie Windkraftparks oder Biogasanlagen zu realisieren. Dafür winken die Firmen mit hohen Zinsen.

8% p.a. bietet etwa German Pellets. Der europaweit größte Holzpellet-Produzent erzeugt zugleich Biomasse-Strom und handelt mit CO2-Zertifikaten.

Die gleichen Zinsen gibt es beim Nürnberger Spezialisten für grüne Geldanlagen UDI. Das Geld wird in verschiedene Wind-, Solar- und Biogasprojekte und -firmen investiert. Neben diversen Öko-Fonds werden 2 Genussrechte angeboten.

8% Rendite ist auch die Hausnummer, mit der die Prokon GmbH bekannt wurde. Mit seiner großangelegten bundesweiten Werbung für Genussrechte hat der norddeutsche Windkraftbetreiber und Genussgeldsammler für Schlagzeilen gesorgt. Und damit zugleich, wenn auch ungewollt, für Anlegeraufklärung.

Genussrechte in Erneuerbare Energien – Vorsicht vor windigen Anlagen

Auf eine Verbraucherzentrale-Klage hin hatte nach dem Landgericht Itzehoe auch das Oberlandesgericht Schleswig die Prokon-Werbung beanstandet. Grund: Die 8-prozentigen Genussrechte wurden auf eine Stufe mit sicheren Geldanlagen gestellt. Kein Hinweis aber auf die Risiken. Der Werbespruch: „Die Alternative zur Bank oder Lebensversicherung.“

Genussrechte sind mit erheblichen potenziellen Risiken verbunden. Die hohen Renditen sind quasi der Ausgleich dafür. Wenn nämlich die Firma pleite geht, kann der Anleger sein Geld abschreiben. Denn er wird notfalls erst bedient, wenn alle anderen Gläubiger befriedigt sind.

Aber auch, wenn die Geschäfte nur schlecht laufen, können die Zinszahlungen geschmälert oder ausgesetzt werden. Genussrechte sind eben erfolgsabhängig.

Genussrechte in Erneuerbare Energien – Windkraft unter Druck

Und weil Genussrechtsinhaber leichter zu handeln sind als Kommanditisten, hatte Prokon letztere aus dem Unternehmen gedrängt. Die Rechtsform wurde in eine GmbH umgeändert und Genussrechte massenhaft beworben.

Danach kam es bei Prokon wiederholt zu Zahlungssschwierigkeiten. Kein Wunder, denn die Windkraftbranche kämpft schon seit Jahren mit Problemen. Die Firmenzahlen auf der Homepage indes suggerieren Erfolg. Allerdings entsprechen sie nicht den gängigen Standards. Für 2012 sollen endlich ein aussagefähige Zahlen veröffentlicht werden.

Anlass für dieses Zugeständnis ist der öffentliche Druck. Aktuell ermitteln die Staatsanwälte, und Anleger haben reihenweise Schadenersatzklagen eingereicht. Es geht um ca. 8 Mio. €.

Zahlungsprobleme gab es vor 2 Jahren auch bei PNE Wind. Die vormalige Plambeck Neue Energien AG projektiert vorwiegend Offshore-Windparks. Mittlerweile hat das Unternehmen wieder Boden unter den Füßen und für 2012 Dividenden gezahlt.

Fazit Genussrechte in Erneuerbare Energien: Wurde regelmäßig gezahlt?

Auch bei Erneuerbaren Energien sind Genussrechte mit Risiken behaftet aber durchaus attraktiv. Schwarze Schafe und Ausreißer stellen nicht die ganze Branche infrage. Dennoch bleibt es verdächtig, wenn ein Unternehmen in Sachen Werbung zu viel Wind macht.

Der Anleger muss sich zuvor mit der Anlageform intensiver beschäftigen. Dabei gilt es nicht nur, auf die veröffentlichten Zahlen zu schauen. Interessant ist, ob ein Unternehmen bereits in früheren Jahren regelmäßig die versprochenen Zinsen gezahlt hat.

4. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.