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Genussscheine: Die „Mischlinge“ unter den Wertpapieren

Aktien oder Anleihen? Normalerweise werden Sie bei einem Wertpapier keine Schwierigkeiten haben, diese Frage eindeutig zu beantworten. Bei Genussscheinen dagegen könnten Sie ins Grübeln kommen. Denn bei diesen Wertpapieren handelt es sich um eine Art „Mischlinge“. Genussscheine sind in vielerlei Hinsicht zwischen Aktien und Anleihen einzuordnen. Übrigens gibt es diese ungewöhnliche Wertpapiergattung nur in Deutschland. In anderen Ländern ist sie nicht zu finden.

Was hat ein Genussschein mit Aktien gemeinsam?

Es sind viele Gemeinsamkeiten zwischen Genussscheinen und Aktien zu beobachten:

  • Es gibt in der Regel keine Laufzeitbegrenzung oder Fälligkeit.
  • Wie hoch die Ausschüttung ist, hängt davon ab, wie erfolgreich der Emittent ist (also das Unternehmen, das den Genussschein herausgegeben hat).
  • In der Regel ist die Ausschüttung an die Bedingung geknüpft, dass Aktionäre auch eine Dividende bekommen.
  • Genussscheininhaber werden nachrangig behandelt. Als Genussscheininhaber werden Sie im Fall einer Insolvenz des Emittenten also hinter die anderen Gläubiger (kreditgebende Banken und „normale“ Anleihegläubiger) gestellt. Diese werden also zuerst aus der noch verbleibenden Vermögensmasse bedient. Damit gehen Sie in der Regel bei einer Unternehmenspleite leer aus – wie auch die Aktionäre leer ausgehen.

Was hat ein Genussschein mit einer Anleihe gemeinsam?

Auch mit Anleihen haben Genussscheine einige Gemeinsamkeiten. Das sind vor allem diese Eigenheiten:

  • Als Genussscheininhaber nehmen Sie nicht an der Hauptversammlung teil.
  • Als Genussscheininhaber haben Sie kein Mitspracherecht und damit keine Möglichkeit, etwa auf die Dividendenpolitik oder die Besetzung des Aufsichtsrats Einfluss zu nehmen.

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  • Als Genussscheininhaber haben Sie ein Recht auf eine Ausschüttung, die in der Regel einmal jährlich stattfindet. Diese Ausschüttung beläuft sich häufig (aber nicht immer) auf einen festen Prozentsatz vom Nominalwert des jeweiligen Genussscheins.

Diese Besonderheiten gelten für Genussscheine

Kein Genussschein ähnelt dem anderen. Es handelt sich dabei um eine höchst heterogene Wertpapiergattung. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Genussscheinen liegen vor allem in der Art, Höhe und Regelmäßigkeit der Ausschüttungen. Hier gibt es viele Varianten – dazu einige Beispiele:

  • Einige Genussscheine sind, ähnlich Anleihen, mit einem festen Zinskupon versehen, der sich auf den Nominalwert (also den Wert bei Ausgabe) bezieht. Hier bekommen Sie also Jahr für Jahr die gleiche Ausschüttung.
  • Einige Genussscheine haben eine variable Ausschüttung, die etwa von der Höhe der Dividende abhängt und sich deshalb jährlich in ihrer relativen und absoluten Höhe ändert.
  • Einige Genussscheine sehen in den Emissionsbedingungen vor, dass die Ausschüttung ausfallen kann, wenn etwa bestimmte Kennzahlen (z. B. Jahresgewinn) nicht erreicht sind.
  • Bei einigen Genussscheinen ist die spätere Nachzahlung ausgefallener Dividenden vorgesehen, bei anderen entfällt sie.

Lange Laufzeiten – oft kein Fälligkeitstermin

Anders als bei den meisten Anleihen gibt es bei Genussscheinen oft kein Fälligkeitsdatum. Viele Genussscheine haben eine unbegrenzte Laufzeit, andere verfügen über eine sehr lange Laufzeit von beispielsweise 10 Jahren. Das heißt aber trotzdem nicht, dass diese Genussscheine unkündbar sind. In der Regel behält sich der Emittent ein sogenanntes Sonderkündigungsrecht vor, das er ab einem von Anfang an festgelegten Zeitpunkt ausüben darf.

Warum vorwiegend Banken Genussscheine emittieren

Wenn Sie im Internet nach börsennotierten Genussscheinen suchen, stoßen Sie vorwiegend auf Genussscheine von Banken. Warum ist das so? Ganz einfach: Weil Genussscheinkapital im Bankenrecht als Eigenkapital eingestuft wird. Am Eigenkapital hängt für die Banken aber eine ganze Menge. Es bestimmt unter anderem darüber, wie viele Kredite sie vergeben dürfen.

Deshalb finden sich unter den Genussschein-Emittenten überdurchschnittlich viele Banken. Es gibt aber durchaus auch Emittenten aus anderen Branchen. Dazu gehören etwa die Drägerwerke, ein Unternehmen der Medizin- und Sicherheitstechnik. Auch der Medienkonzern Bertelsmann ist Genussschein-Emittent.

Keine Stückzinsen: Mit dem Chart geht’s auf und ab

Stückzinsen suchen Sie bei Genussscheinen vergeblich. Wenn Sie also einen Genussschein kaufen, müssen Sie – anders als bei Anleihen – die kommende Zinsausschüttung nicht zeitanteilig an den Vorbesitzer erstatten. Stattdessen ist diese Erstattung im Kursverlauf von Genussscheinen quasi enthalten.

Denn der Kurs sinkt direkt nach der Ausschüttung ungefähr um den Ausschüttungsbetrag. Er erholt sich dann im Laufe des Jahres wieder und gewinnt bis zur nächsten Ausschüttung wieder hinzu. Ist die nächste Ausschüttung vorüber, fällt er erneut und so weiter. Deshalb ist der Kaufzeitpunkt bei Genussscheinen nicht allzu wichtig. Im Kurs sind quasi die Zinsen der nächsten Ausschüttung schon enthalten.

Welche Genussscheine Sie besser meiden

Bei Genussscheinen haben Sie ein Emittentenrisiko. Denn sie verbriefen nur das Versprechen des Emittenten, Ihnen jährlich eine bestimmte Summe auszuschütten. Meiden sollten Sie daher:

  • Genussscheine „wackeliger“ Banken, die immer noch mit den Folgen der Finanzkrise kämpfen. Hier riskieren Sie Ihren gesamten Einsatz, wenn der betreffende Emittent pleitegeht.
  • Nicht börsennotierte Genussscheine wie etwa diejenigen von Prokon, einem Anbieter, der Windparks finanziert. Hier fehlt es an Transparenz. Auch haben Sie nicht die Möglichkeit, den Genussschein nach Belieben wieder zu verkaufen, wenn Ihnen das Geld fehlt. Ohne Börse fehlt ein öffentlicher Marktplatz.

Checkliste: Auf diese Besonderheiten sollten Sie bei Genussscheinen achten

  • Börsennotierte Genussscheine sind interessant für Ihr Depot, sofern nicht von Banken emittiert. Zu viele Banken leiden aktuell noch unter den Folgen der Finanzkrise.
  • Von nicht börsennotierten Genussscheinen lassen Sie besser die Finger.
  • Stückzinsen als zeitanteilige Zinsvorauszahlung brauchen Sie beim Genussscheinkauf nicht zu bezahlen.
  • Manche Genussschein-Emittenten behalten sich die Möglichkeit vor, in schlechter wirtschaftlicher Lage einzelne Ausschüttungen auszulassen. Ob diese Ausschüttung in späteren Jahren nachgeholt wird, ist nicht immer garantiert. Das prüfen Sie am besten anhand der Emissionsbedingungen. Prüfen Sie auch, ob beim betreffenden Genussschein je schon eine Ausschüttung ausgefallen ist. Falls nicht, ist dieser Punkt kein Ausschlusskriterium.

8. Januar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.