Genussscheine immer unbeliebter

Sie gehörten lange zum geläufigen Repertoire der Anlagemöglichkeiten: Genussscheine, die in ihrer Zwitterstellung zwischen Anleihe und Aktie regelmäßig festgelegte Ausschüttungen bescheren.

Ausgegeben werden sie von Unternehmen, früher gerne von Kreditinstituten. Ihre Beliebtheit geht vor allem auf die vergleichsweise hohe Verzinsung zurück. Doch das ist schon länger Vergangenheit.

Genussscheine im Abschwung

Die Papiere werden kaum noch ausgegeben. Die einstigen Vorteile haben sich in der veränderten Finanzwelt verflüchtigt. Der Abschwung der Genussscheine ist unaufhaltsam, ihr Ende anscheinend nur noch eine Frage der Zeit. Von den früher häufig zitierten „Genüssen“ redet heute fast niemand mehr. Nicht zuletzt, weil es sich um eine deutsche Spezialität als Anlageform handelt, die kaum noch zu den Regeln der zunehmend internationalen Märkte passt.

Grundsätzlich bieten die Scheine Unternehmen die Möglichkeit, sich Geld von Anlegern zu leihen, ohne sie aber direkt zu beteiligen. Ihre Mischform macht es möglich und erlaubt verschiedene Konstellationen, da sie in ihrer Gestaltung kaum reguliert sind. zwar ist ein Genussscheininhaber im Insolvenzfall nachrangiger Gläubiger, doch die Zinsen waren zumindest attraktiv.

Hauptgrund: Die Unternehmen konnten mit ihnen lange Zeit ihre Bilanzen schonen. Bei der Bilanzierung nach deutschem Recht, also nach HGB, ließ sich das Papier dem Eigenkapital zurechnen. Doch zum einen wurden nach der letzten Finanzkrise die Kreditinstitute mit der Bankenregulierung (Basel III) konfrontiert, die viele der bisherigen Möglichkeiten einschränkte.

Kaum noch vermittelbar

Zum anderen sind Unternehmen, die am Kapitalmarkt bestehen wollen, schon längst dazu übergegangen, nach den internationalen Standards wie IFRS zu bilanzieren. Bei ihnen aber zählt das Geld von Genussscheinanlegern nicht zum Kernkapital. Dazu müsste es langfristig zur Verfügung stehen, was aber wegen der fixen Rückzahlungstermine nicht der Fall ist.

Davon abgesehen sind Genussscheine als deutsche Spezialität erklärungsbedürftig und gerade ausländischen Investoren fast nicht zu vermitteln. Sie werden immer mehr dem grauen Finanzmarkt zugeordnet und kaum noch an den Börsen gehandelt. Nach dem Wegfall ihrer einstigen Vorteile trägt damit ein weiterer Faktor zum Abschwung der Genussscheine bei: Die geringe Liquidität im schrumpfenden Markt.

Aufgrund der immer geringeren Volumina werden die Scheine zwangsläufig mit hohen Spreads, der Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskursen angeboten. Zum Auslaufmodell wurden sie genau genommen mit der letzten Finanzkrise. Galten sie bis dahin als sichere Geldanlage, mussten etliche Anleger danach sinkende Nominalwerte und Zahlungsausfälle wegstecken. Das Verlustrisiko, wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, wurde auf einmal deutlich.

Privatplatzierungen und Restposten

Seit 2012 hat sich die Zahl gehandelter Genusscheine mehr als halbiert. An der Börse Frankfurt führen sie nur noch ein Nischendasein. Das größte „Restvolumen“ wird an der Stuttgarter Börse gehandelt. Neuauflagen gibt es allenfalls noch in Form kleinerer Privatplatzierungen von Klein- und Mittelständlern. Fast alle anderen Scheine wie etwa die der Bayern LB oder IKB Industriebank laufen demnächst aus.

Wer sich allerdings schnell von Genussscheinen trennen will, die an der Börse gehandelt werden, muss mit Abschlägen rechnen. Bei außerbörslich gehandelten Papieren kommt es auf die Vorgaben im Emissionsprospekt an. Häufig ist nämlich die Möglichkeit ausgeschlossen, vorzeitig auszusteigen.

7. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt