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Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG): Die Grenze im Überblick

Dank den Erleichterungen für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) können Unternehmen, Selbstständige und sogar Privatpersonen bei betriebsbedingten Anschaffungen Steuern optimieren und Verwaltungsaufwand sparen.

Verwirrend sind jedoch die Bedingungen, denn nicht alle Anschaffungen unterhalb bestimmter Wertgrenzen gelten als geringwertiges Wirtschaftsgut.

Und je nach Anwendungsfall müssen unterschiedliche Grenzen bei den Anschaffungskosten beachtet werden.

GWG Grenzen: Erleichterungen in Handelsrecht und Steuerrecht

Der Begriff „geringwertige Wirtschaftsgüter“ ist in keinem Gesetz direkt definiert. Man versteht darunter jedoch Folgendes:

Das deutsche Steuerrecht (nach Einkommensteuergesetz EStG) bietet Erleichterungen, wenn die Kosten betrieblicher oder beruflicher Anschaffungen unter bestimmten Grenzen liegen und einige Bedingungen erfüllt sind.

Das deutsche Handelsrecht nach dem HGB nimmt auf diese Erleichterungen Rücksicht bei den Regeln zur Bilanzierung von Unternehmen.

GWG: Grenze und Voraussetzungen im Überblick

Das Einkommensteuergesetz (§ 6 EStG) definiert Voraussetzungen für geringwertige Wirtschaftsgüter. Die Erleichterungen gelten z.B. nur für Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die zur selbstständigen Nutzung fähig, abnutzbar und beweglich sind. (den genauen Gesetzestext finden Sie bei Interesse am Ende des Artikels verlinkt.)

Welche Güter diese Voraussetzungen erfüllen, ist teilweise verwirrend und mit einigen Ausnahmen gespickt. Hier können Steuerberater und Buchführer am besten Auskunft geben.

Für die Wertermittlung sind dabei immer die Anschaffungs- oder Herstellungskosten (netto ohne Vorsteuer) oder deren Einlagewert für das einzelne Wirtschaftsgut entscheidend.

Der Nettowert ist auch dann entscheidend, wenn Privatpersonen oder Kleinunternehmer nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind und Bruttopreise (inkl. Mehrwertsteuer) zahlen. Zu diesen Kosten zählen auch Nebenkosten, also z.B. Versandkosten.

Nun gibt es drei Möglichkeiten mit leider jeweils unterschiedlichen Grenzen:

  1. Unter 410 €: Unterhalb dieser Grenze können Anschaffungen im Jahr der Anschaffung sofort abgeschrieben werden.
  2. Über 150 € und bis 1000 €: Alle GWG eines Wirtschaftsjahres können in einem Sammelposten zusammengefasst und über 5 Jahre linear mit je 20% abgeschrieben werden.
  3. Unabhängig vom Wert: Erlaubt ist die übliche Abschreibung über die Nutzungsdauer gemäß AfA-Tabelle (Absetzung für Abnutzungen)

Zusätzlich müssen Unternehmen beachten, dass Anschaffungen über 150 € in einem gesonderten Verzeichnis inventarisiert werden müssen. Für Privatperson und Kleinunternehmer sind diese Überschneidungen verwirrend.

Diese Alternativen wurden jedoch geschaffen, um bilanzierenden Unternehmen eine Angleichung bei der Bilanzierung nach Handelsgesetzbuch zu ermöglichen.

Fazit: GWG-Grenzen bei geringwertigen Wirtschaftsgütern ermöglichen überschaubare Erleichterungen

Im ersten Augenblick erscheinen die Möglichkeiten also verwirrend und komplex. Unterschiedliche Grenzen für geringwertige Wirtschaftsgüter sollen jedoch fast allen Steuerpflichtigen eine komfortable Anwendung ermöglichen.

Bilanzierende Unternehmen können z.B. bei Verwendung des Sammelpostens die Steuerberechnung in Einklang mit der handelsrechtlichen Bilanzierung bringen.

Selbstständige, Privatpersonen und nicht bilanzierende Unternehmer profitieren vor allem vom einfachen Vorgehen und der sofortigen Abschreibungsmöglichkeit bis zu 410 € für Anschaffungs- oder Herstellungskosten.

Aufgrund der zahlreichen geltenden Bedingungen und Ausnahmen empfiehlt es sich aber fast immer, die Buchführung oder Steuerberatung zu Rate zu ziehen.

19. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Sven Eltzschig
Von: Sven Eltzschig. Über den Autor

Sven Eltzschig beschäftigt sich mit den Themen Unternehmertum, Wirtschaft, Politik und Kapitalanlage. Als Ingenieur mit einem Master in Business Excellence übernimmt er Rollen in Beratung, Aufbau, Transformation und Führung von Unternehmensbereichen in der IT, Industrie und Dienstleistungsbranche. Unternehmertum und Kapitalanlage sind für Sven Eltzschig das Investieren von Ressourcen in Ideen, welche die Welt von morgen noch besser machen.