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Gesetzliche Rente: Was Sie über die Berechnung wissen müssen

Zum 1. Juli 2016 erhöht sich die gesetzliche Rente dramatisch. Ruheständler im Westen erhalten dann 4,25 % mehr, Rentner im Osten sogar 5,95 %.

Für Rentner ist das zwar keine übermäßig große Erhöhung, aber immerhin ein kleines Plus. Allerdings ist die Berechnung der Rente nicht allein für Ruheständler ein Rätsel.

Vielleicht rätseln auch Sie, wie die Deutsche Rentenversicherung ermittelt, was Sie später pro Monat ausgezahlt bekommen. Klarheit bringt Ihnen dieser Beitrag.

Beitragssatz liegt auch 2016 bei 18,7 %

Wer angestellt ist, zahlt automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Die Hälfte der Beiträge trägt der Arbeitgeber, die andere Hälfte der Arbeitnehmer. Bei 18,7 % liegt derzeit der Beitragssatz. Von Ihrem Bruttogehalt zahlen Sie also 9,35 % an die Deutsche Rentenversicherung, die anderen 9,35 % zahlt der Arbeitgeber.

Für die Einzahlungen gibt es allerdings eine bestimmte Höchstgrenze, die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze. Der Beitragssatz wird nur bis zu dieser Grenze erhoben.

Diese liegt derzeit in den alten Bundesländern bei 6.200 € monatlich (oder 74.400 € jährlich) und in den neuen bei 5.400 € (oder 64.800 €). Wer mehr verdient, braucht auf die Differenz dann keine Rentenbeiträge mehr abzuführen.

Punkte sammeln ist am wichtigsten

Die Einzahlungen werden von der Deutschen Rentenversicherung genau registriert und in Punkte umgerechnet. Einen Punkt bekommt, wer 1 Jahr lang brutto den Durchschnitts-Verdienst erreicht und darauf die gesetzlichen Rentenbeiträge abführt.

Wie hoch der Durchschnitts-Verdienst ist, legt der Gesetzgeber Jahr für Jahr neu fest, und zwar als sogenannte „Bezugsgröße“. Der Ausdruck ist etwas gewöhnungsbedürftig und verrät nicht unbedingt, was dahintersteckt. Die Bezugsgröße, also der Durchschnitts-Verdienst, der einen Punkt bringt, beträgt 34.860 € (Westen) und 30.240 € (Osten).

Wer mehr verdient als die Bezugsgröße, sammelt entsprechend mehr Punkte an, also beispielsweise 1,5 Punkte pro Jahr beim 1,5-fachen Einkommen. Wer weniger verdient, dem werden auch weniger Punkte gutgeschrieben.

Wenn Sie also jährlich Ihre Renten-Information bekommen, dann sollten Sie auf den Punktestand schauen. Er gibt Aufschluss darüber, wie hoch die angesammelte Rente schon ist.

Allerdings brauchen Sie dazu noch eine weitere Information, nämlich die, wie viel ein Punkt bei Renten-Auszahlung wert ist.

Ein Punkt bringt monatlich 29,21 € (West) bzw. 27,05 € (Ost)

Jeder Punkt, den Sie im Laufe Ihres Erwerbslebens gesammelt haben, ist monatlich einen bestimmten Betrag wert. Dieser Betrag nennt sich „Rentenwert“. In den alten Bundesländern stieg der Wert im Juli 2015 auf 29,21 €. In den neuen Bundesländern liegt der Wert bisher bei 27,05 €.

Jetzt wissen Sie: Ihre Punkte müssen Sie mit dem Rentenwert multiplizieren. Dadurch lässt sich Ihre monatliche Rente ganz leicht errechnen. Eine Altersrente erhalten Sie allerdings erst im Rentenalter, vorher nützen Ihnen die erworbenen Renten-Ansprüche in der Regel nichts (außer ggf. bei Berufsunfähigkeit).

Zudem müssen Sie mindestens 5 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Sonst verfallen Ihre Renten-Ansprüche ebenfalls. Das nennt sich Wartezeit. Sie haben aber die Möglichkeit, Nachzahlungen zu leisten und damit auf die geforderte Wartezeit zu kommen.

Erziehungszeiten: Jedes Kind bringt 2 bzw. 3 Punkte

Wer kleine Kinder hat, bleibt erziehungsbedingt oft zu Hause. Deshalb hat der Gesetzgeber für Erziehungszeiten eine automatische Punkte-Gutschrift eingeführt, die speziell Müttern zugutekommt.

Jedes ab 1992 geborene Kind bringt demnach 3 Punkte ein, was ab Juli 2015 nach derzeitigem Stand einer monatlichen Rente von 87,63 € (West) bzw. 81,15 € (Ost) entspricht. Kinder, die vor 1992 geboren wurden, werden mit 2 Punkten berücksichtigt, bringen also eine monatliche Rente von 58,42 € (West) bzw. 54,10 € (Ost).

Empfehlenswert: „Antrag auf Kontenklärung“ stellen

Jetzt ist die jährliche Renten-Information für Sie hoffentlich kein Rätsel mehr. Achten Sie schon in der Erwerbsphase darauf, dass die deutsche Rentenversicherung auch wirklich alle Schul-, Ausbildungs-, Erwerbs- und Kindererziehungs-Zeiten lückenlos abgespeichert hat, die entweder zum Erreichen der Wartezeit notwendig sind oder durch Punktesammeln für die Renten-Berechnung!

Mit einem „Antrag auf Kontenklärung“ finden Sie heraus, was über Sie gespeichert ist und wo womöglich noch Nachweise fehlen. Indem Sie die fehlenden Nachweise einreichen, sichern Sie sich die Rentenhöhe, die Ihnen auch wirklich zusteht.

19. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst hat sich auf die publizistische Beratung im Bereich Wirtschaft und Finanzen spezialisiert und speziell zum Thema Geldanlage mehrere Bücher verfasst.