MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Gesetzliche Rentenversicherung: Grundversorgung, aber nicht mehr

Regelmäßig erhalten Sie Renteninformationen von der Deutschen Rentenversicherung, dem Träger des gesetzlichen Rentensystems. Sie enthält eine Prognoserechnung zu Ihrer voraussichtlichen Rente.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Berechnet wird eine Rente, die sich ergibt, wenn Sie bis zum Rentenbeginn ununterbrochen so viel verdienen wie bisher. Über Abschläge durch vorzeitigen Rentenbeginn, Zeiten der Arbeitslosigkeit oder Stellen mit niedrigeren Einkünften sagt die Renteninformation nichts aus.

Wie die Rentenberechnung funktioniert

Im gesetzlichen Rentensystem sammeln Sie sogenannte Entgeltpunkte. Einen Punkt erhalten Sie, wenn Sie ein Jahr lang das Durchschnittseinkommen der Erwerbstätigen in Deutschland erzielen. Das sind aktuell etwa 36.200 € (Jahr 2016).

Ist Ihr Einkommen höher, wird Ihnen anteilig mehr als 1 Punkt im Rentensystem gutgeschrieben, beispielsweise 1,5 Punkte beim 1,5-fachen Durchschnittsverdienst. Ist es niedriger, erhalten Sie entsprechend weniger.

So rechnen Sie Ihre Entgeltpunkte in Rentenansprüche um

Ein Punkt entspricht derzeit einer Monatsrente von 30,54 € (West) und 28,66 € (Ost). Hier spricht man vom „aktuellen Rentenwert“. Dieser Rentenwert wird laufend an die Kaufkraft angepasst. Allerdings ist fraglich, ob die laufende Anpassung langfristig die Inflation ausgleichen kann.

Warum die gesetzliche Rente künftig nicht ausreicht

Unser gesetzliches Rentensystem hat allerdings ein Problem. Es finanziert sich ausschließlich durch Umlagen aus den laufenden Einzahlungen erwerbstätiger Personen. Das heißt: Das Geld, das Sie und Ihr Arbeitgeber als Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung einzahlen, kommt später nicht Ihnen persönlich zugute.

Es wird nicht angespart oder gar investiert. Vielmehr wird es sofort verwendet, um aktuell fällige Renten an Ruheständler mit gesetzlichem Rentenanspruch auszuzahlen.

Aufgrund der demografischen Entwicklung kann dieses Umlageprinzip aber in Zukunft nicht funktionieren. Denn die deutsche Bevölkerung wird immer älter, ohne dass genügend Nachwuchs in die Rentenkasse einzahlt.

Oder anders gesagt: Einer steigenden Zahl von Rentnern steht eine sinkende Zahl von erwerbstätigen Einzahlern gegenüber. Die zwangsläufige Folge: Die gesetzliche Rente wird sinken.

Stellen Sie sich deshalb darauf ein, dass sie nicht ausreicht, um Ihren Lebensbedarf im Alter vollständig abzudecken. Rund 80% Ihres aktuellen Einkommens sollten Sie aber im Alter zur Verfügung haben. Deshalb empfiehlt es sich, auf weitere Säulen der Altersvorsorge zu setzen.

Riester- und Rürup-Rente: Private Vorsorge, staatlich gefördert

Es gibt 2 Formen staatlich geförderter privater Rentenverträge: Zum einen sind das Riester-Verträge, zum anderen die Rürup-Rente, die korrekt „Basisrente“ heißt.

Riester-Verträge: geeignet vor allem für Familien mit Kindern

Riester-Verträge sind ausschließlich für gesetzlich Versicherte gedacht. Der Staat fördert sie über direkte Zuschüsse. Zu einer jährlichen Grundzulage von maximal 154 € kommt eine Kinderzulage für jedes kindergeldberechtigte Kind in Höhe von maximal 185 €.

Bei Kindern, die nach 2007 geboren sind, erhöht sich die Zulage sogar auf bis zu 300 €. Daneben ist – vor allem bei Besserverdienenden – eine Steuerersparnis möglich. Die Vorteile einer Riester-Rente sind neben diesen Zulagen:

  • Einzahlungen sind jederzeit in der Höhe variabel. Sie können Sie erhöhen oder senken, ganz wie Sie wollen.
  • Pfändungsschutz: In der Ansparphase kann niemand auf Ihr Riester-Vermögen zugreifen.
  • Keine Anrechnung auf ALG-II-Ansprüche in der Ansparphase. Wer arbeitslos wird, mindert sein Arbeitslosengeld II nicht durch einen vorhandenen Riester-Vertrag.
  • Garantierte Mindestauszahlung: Mindestens Ihre Einzahlungen plus die staatlichen Zulagen sind Ihnen bei Rentenbeginn sicher.

Allerdings haben Riester-Verträge auch Nachteile:

  • Sie kommen an das eingezahlte Geld nicht vor dem Alter von 60 Jahren (bei Abschlüssen ab 2012: 62 Jahre) heran, ohne auf einen Schlag alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen zu müssen.
  • Riester-Verträge sind nicht beleihbar: Wenn Sie einen Kredit brauchen, können Sie Ihren Riester-Vertrag nicht als Sicherheit nutzen.
  • Sie können Ihr Riester-Vermögen nur an Ihren Ehegatten vererben, nicht aber an Ihre Kinder.
  • Eine garantierte Mindestauszahlung geht zulasten der Rendite.

Für jüngere Sparer empfiehlt sich ein Riester-Fondssparplan. Stehen Sie dagegen schon kurz vor der Rente, ist ein Riester-Banksparplan zu empfehlen. Andere Formen von Riester-Verträgen (etwa eine Riester-Rentenversicherung, ein Riester-Bausparvertrag oder Wohn-Riester als Zuschuss zu einem Immobiliendarlehen) sind weniger empfehlenswert.

Rürup: Steuerersparnis für Besserverdienende

Die private Rürup-Rente, offiziell Basisrente genannt, steht allen Bürgern offen. Die häufig gehörte Aussage, sie wäre nur Selbstständigen zugänglich, ist nicht richtig. Die staatliche Förderung für Rürup-Verträge basiert ausschließlich auf einer Steuerersparnis. Zulagen werden nicht gezahlt.

Wer einen Rürup-Vertrag hat, kann seine Einzahlungen als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Aktuell sind 82% der Einzahlungen absetzbar, höchstens aber 22.766 € (Ledige) bzw. 45.532 € (Ehepaare). Bis zum Jahr 2025 steigt der absetzbare Prozentsatz jedoch schrittweise auf 100% der Einzahlungen.

Versteuern müssen Sie dagegen die späteren Rentenauszahlungen aus einem Rürup-Vertrag. Auch hierbei gilt eine schrittweise Aufstockung. Entscheidend ist der Rentenbeginn.

Liegt er in diesem Jahr (2016), unterliegen 72% der ausgezahlten Rürup-Rente der Einkommensteuer. Bei einem Rentenbeginn ab dem Jahr 2040 sind es dann 100%. Die Vorteile von Rürup-Verträgen liegen neben der Steuerersparnis in folgenden Tatsachen:

  • Flexible Einzahlungen: Auch hier haben Sie – wie bei Riester – die Möglichkeit, die eingezahlten Beiträge jederzeit zu erhöhen oder zu senken.
  • Pfändungsschutz: Rürup-Verträge können in der Ansparphase nicht gepfändet werden. Bei Arbeitslosigkeit werden sie nicht auf ALG-II-Ansprüche angerechnet.

Die Nachteile sind allerdings:

  • Keine Vererbbarkeit. Bei Tod des Versicherten verfällt das einzgezahlte Vermögen. Möglich ist allenfalls eine Hinterbliebenenrente an Ehepartner oder kindergeldberechtigte Kinder, wenn zusätzlich vereinbart.
  • Keine Beleihung: Wenn Sie einen Kredit brauchen, können Sie Ihren Rürup-Vertrag nicht als Sicherheit nutzen.
  • Frühestens im Alter von 60 Jahren (bei ab 2012 abgeschlossenen Rürup-Verträgen ab 62 Jahre) können Sie sich Ihre Rürup-Rente auszahlen lassen. Wollen Sie früher an das Geld heran, müssen Sie alle Steuervorteile sofort an den Staat zurückzahlen.

Bei Rürup-Verträgen haben Sie 2 Wahlmöglichkeiten: entweder Rentenversicherungen oder Fondssparpläne. Letztere eignen sich nur für jüngere Sparer, weil es bei Rürup – anders als bei Riester – nicht die Regelung gibt, dass mindestens die Einzahlungen bei Rentenbeginn garantiert sein müssen.

Mit anderen Worten: Da Fondskurse kurzfristig fallen können, eignet sich ein Riester-Fondssparplan nicht für eine Altersvorsorge mit nur noch kurzer Laufzeit.

12. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst hat sich auf die publizistische Beratung im Bereich Wirtschaft und Finanzen spezialisiert und speziell zum Thema Geldanlage mehrere Bücher verfasst.