Liebe Leser,
der Finanzmarkt hat allmählich wieder Fahrt aufgenommen. Zuletzt gab es einige interessante Konjunkturdaten, die meine Vermutung stützten, dass die Lage besser ist als die Stimmung. Jedenfalls entwickelten sich die Börsen ganz passabel.
Dennoch trauen nicht alle dem Frieden. Das zeigt sich an der Entwicklung von Gold, das ja mittlerweile zu einer Ersatzwährung geworden ist - der Goldpreis zieht wieder an. Mit 1255 Dollar je Feinunze näherte er sich dem Rekordhoch von Mitte Juni bis auf 10 Dollar an, ehe die Stimmungsaufhellung an den Finanzmärkten zu Gewinnmitnahmen führte.
Gold als Schutz gegen Inflation
Interessant ist die Frage, wer hier kauft: Es sind zum einen Privatinvestoren. Der weltgrößte Gold-ETF, SPDR Gold Trust, vermeldete erneut kräftige Zuflüsse. Seit Anfang August sind mehr als 20 Tonnen in den weltgrößten Gold-ETF zurückgeflossen.
Angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten dürfte Gold gefragt bleiben, wenngleich Gewinnmitnahmen kurzfristig orientierter Marktteilnehmer auf dem derzeit hohen Niveau jederzeit möglich sind. Vor allem scheint sich der Markt auf die expansive Geld- und Fiskalpolitik in den USA zu konzentrieren.
Die derzeit sehr niedrigen US-Zinsen bedeuten geringe Kosten für die Goldhaltung. Die Ausweitung der US-Staatsverschuldung macht Gold zusätzlich attraktiv, weil Gold eben als Wertspeicher in Zeiten der Inflation gilt.
Feiertagssaison in Indien und Arabien
Für Gold sprechen auch saisonale Faktoren: Insbesondere in Indien sollte in den nächsten Monaten verstärkt Gold nachgefragt werden. Das gelbe Metall nimmt in der kulturellen und religiösen Tradition Indiens einen wichtigen Platz ein.
Es wird als Geschenk der Götter angesehen und steht als Symbol für finanzielle Sicherheit, Reichtum und Wohlstand. Darüber hinaus wird Gold von der hinduistischen Bevölkerung als Schutz vor Inflation geschätzt. Da in Indien Finanzanlagen nur in der heimischen Währung Rupie gehalten werden dürfen, ist Gold zudem eine willkommene Alternative zur Diversifizierung des Portfolios. Denn wenn die Rupie schwächelt, bleibt Gold wertbeständig.
Das Edelmetall ist insbesondere bei der ländlichen Gesellschaft sehr beliebt, die rund 70% der Gesamtbevölkerung ausmacht. Der in diesem Jahr normal ausgefallene Monsun stützt das Einkommen der Bauern. Die Feiertagssaison hat gerade in Indien begonnen, die Preise sollten also anziehen.
Die indische Feiertagssaison ist traditionell die Saison der Hochzeiten und der Geschenke. Sie hat am 24. August mit dem Fest Raksha Bandhan begonnen. Während dieser Zeit wird im weltweit größten Goldkonsumentenland traditionell viel Gold verschenkt. Das wichtigste religiöse Fest neben Akshaya Tritiya im Mai ist Diwali, das in diesem Jahr am 5. November beginnt und mit dem Ende der Erntesaison einhergeht. Zugleich markiert es den Start des hinduistischen Neujahrs.
In das vierte Quartal fällt der Hauptteil der indischen Hochzeitssaison, in ihr wird ebenfalls traditionell viel Gold verschenkt. In Indien finden im Durchschnitt jährlich rund zehn Millionen Hochzeiten statt. In der hinduistischen Kultur wird die Braut reich mit Gold behängt.
Das Metall soll den Eintritt in den Haushalt des Ehemannes erleichtern – die neue Ehefrau zieht meist zum Gatten. Wegen der hohen Goldpreise ist in den vergangenen Jahren vergoldetes Silber in Mode gekommen.
Goldmacht Indien
Auch langfristig dürfte Indien für einen festen Goldpreis sorgen. Indien hat nach Angaben der Lobbygruppe World Gold Council (WGC) 2009 rund ein Viertel der globalen Schmucknachfrage und ein Fünftel der weltweiten Nachfrage nach Münzen und Barren gestellt. Da das Einkommensniveau der Inder laut Einschätzung der Marktforscher von IHS Global Insight in den nächsten fünf Jahren steigen wird, besteht beträchtliches Wachstumspotenzial für den lokalen Schmuckmarkt.
Nach Einschätzung des WGC hat sich bereits in der ersten Jahreshälfte 2010 die Goldnachfrage in Indien im Vergleich zum Vorjahr auf 365 Tonnen nahezu verdoppelt.
Weitere Impulse für den Goldpreis dürften auch durch die Liberalisierung des lokalen Goldmarktes in China kommen.
Dies sollte zu einer höheren Nachfrage und damit steigenden Importen führen. Zudem wird in den muslimischen Ländern zum Ende des Fastenmonats „Ramadan“, der in diesem Jahr vom 11. August bis 8. September andauert, traditionell viel Gold verschenkt.
Herzlichen Gruß,
Ihr Heiko Seibel



