China ist ein Land der Extreme und des schnellen Wandels. Das gilt auch für die Silber- und Goldnachfrafe die sich im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich verändert hat.
Rasanter Anstieg der chinesischen Goldnachfrage in 2011
Das Jahr ist gerade mal zehn Wochen alt, doch aus China kommen bereits Nachrichten zu uns, deren Zahlen im ersten Moment das Gefühl erwecken wir hätten bereits wieder November oder Dezember.
Doch es ist noch nicht einmal richtig Frühling und trotz der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit ist die chinesische Goldnachfrage in 2011 bereits auf 200 Tonnen gestiegen.
Schon im vergangenen Jahr verzeichnete die chinesische Goldnachfrage im Vergleich zu 2009 Zuwächse um 500%.
In den ersten 10 Monaten des letzten Jahres fragten die Chinesen zusätzlich zur inländischen Goldproduktion 209 Tonnen des gelben Metalls nach.
Dieser Wert wird in 2011 schon im März erreicht sein und wenn sich das aktuelle Kaufverhalten in den kommenden Monaten fortsetzen sollte, so ist damit zu rechnen, dass China in 2011 etwa 1.200 Tonnen Gold nachfragen könnte.
Damit würde die chinesische Nachfrage nicht nur die indische übertreffen, sondern auch rund die Hälfte des weltweit in den Minen geförderten Goldes aufsaugen.
Man muss diese Zahlen ein wenig ins Verhältnis zueinander setzen um ein Gefühl für das zu entwickeln, was im Reich der Mitte unbemerkt von den meisten westlichen Beobachtern gerade vor sich geht.
200 Tonnen Gold kaufen die Chinesen in 60 Tagen. In Südafrikas Minen, lange Zeit die ergiebigsten der Welt, braucht man heute ein gutes Jahr um diese Menge Gold aus der Erde zu holen.
Es ist gerade mal drei Monate her, dass die Fachwelt mit sichtbarem Erstaunen die Zahlen zum Zehnmonatsverbrauch in China zur Kenntnis genommen hat.
So mancher Analyst, der sich ob der 500% Steigerung gegenüber dem Vorjahr verwundert die Augen gerieben hat, wird auch nicht daran geglaubt haben, dass die Zahlen für 2011 Bestand haben würden.
Diese Analysten sehen sich jetzt ihrer Grundannahme bestätigt, nur dass die Entwicklung der Zahlen in die entgegengesetzte Richtung zu laufen scheint.
Starke Nachfrage nach Investmentgold, statt Küggerand
Verantwortlich für den starken Anstieg ist nicht allein die Nachfrage aus der Schmuckindustrie. Sie stieg um beeindruckende 70% im Vergleich zum Februar 2010.
Extrem verschärft hat sich vor allem die Nachfrage nach Gold zu Anlagezwecken. Das ist verwunderlich, denn der Kauf von Barren und Münzen hat in China (noch) keine ausgeprägte Tradition. Erst vor wenigen Jahren hat die chinesische Regierung den privaten Goldbesitz wieder legalisiert.
Gekauft wurde und wird das Gold in China noch immer gerne in Form von kleinen goldbesetzten Holzfiguren und Schnitzereien. Diese sind in den Geschäften viel leichter zu entdecken als Barren oder gar klassische westliche Anlagemünzen wie Krügerrand oder Maple Leaf.
Man muss schon gezielt nach Barren fragen oder in die oberen Stockwerke der Banken vordringen, um diese zu finden. Hier, abseits vom gewöhnlichen Massengeschäft, tauchen hinter dem Panzerglas dann plötzlich auch Gold- und Silberbarren in unterschiedlichen Größen auf.
Die Nachfrage nach Investmentgold kommt in China somit erst langsam in Mode. Dennoch lag der Absatz von Gold zu Anlagezwecken im Jahr 2010 nach Angaben des World Gold Councils (WGC) bereits bei 180 Tonnen. Für 2011 hält das WGC einen Anstieg auf 300 Tonnen für möglich. Allerdings ist nach den jüngsten Zahlen fraglich, ob diese Schätzung nicht viel zu niedrig ausfallen wird.
Angst vor Inflation begünstigt die Goldnachfrage
Getrieben wird die chinesische Goldnachfrage vor allem von der Angst vor einer ausufernden Inflation.
Das Phänomen der Inflation erklärt auch, warum die Nachfrage vor allem in den beiden letzten Jahren so stark zugenommen hat.
Chinas Inflation hat zwei Quellen: Die Ausweitung der Geldmenge in den USA, die über die gestiegenen Rohstoffpreise nach China gelangt und das Konjunkturprogramm der eigenen Regierung, das mit knapp 600 Mrd. US Dollar auch nicht gerade klein ausfiel.
Zeitlich etwa zur selben Zeit auf den Weg gebracht entfalten beide Maßnahmen in China nun ihre unangenehme Wirkung und verteuern die Preise im ganzen Land.
Vor Ende 2009 verspürten die meisten Chinesen noch nicht die Notwendigkeit ihre Ersparnisse gegen stark steigende Preise abzusichern. Das ist heute anders und das erklärt den starken prozentualen und absoluten Anstieg der chinesischen Goldnachfrage.
Gold wird gehortet, Nachfrage wird hoch bleiben
Gelingt es der Regierung in Beijing nicht die Inflation schnell in den Griff zu bekommen, müssen wir damit rechnen, dass die Goldnachfrage in China auch in Zukunft sehr stark sein wird.
Zudem ist nicht damit zu rechnen, dass das 2011 und 2012 gekaufte Gold schnell wieder auf den Markt kommen wird. Viel eher ist zu erwarten, dass es zumindest einige Zeit gehortet wird. Beides sollte die Nachfrage auch in den nächsten Monaten vergleichsweise hoch halten und den Goldpreis stützen.


