In keinem anderen Rohstoffmarkt nehmen die Zentralbanken eine ähnlich dominante Stellung ein wie am Goldmarkt. Sie sind der größte Bestandshalter und ihre Entscheidungen Gold zu kaufen oder zu verkaufen beeinflussen massiv den Markt, denn die Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage sind gewaltig.
Im vergangenen Jahr waren die Notenbanken unter dem Strich netto als Käufer aktiv. Doch diese Gesamtsicht verzerrt etwas das Bild, denn in 2010 war mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Verkäufer aktiv, der eine große Goldposition verkauft hat.
Insgesamt 403 Tonnen Gold verkaufte der IWF in 2010. Zusammen mit den Abgaben anderer Zentralbanken ergab sich so ein Gesamtverkauf von 490,50 Tonnen Zentralbankgold. In 2011 steht eine ähnlich große Menge Notenbankgold nicht mehr zur Verfügung.
Das Angebot dünnt an dieser Stelle damit empfindlich aus. Auf der Käuferseite standen u.a. die Notenbanken Indiens, Chinas und Russland. Während die indische und russische Zentralbank Veränderungen ihrer Bestände sehr zeitnah melden, sind wir hinsichtlich der chinesischen Zukäufe auf Vermutungen und Schätzungen angewiesen.
Russland hat bereits angekündigt seine Käufe auch in 2011 fortsetzen zu wollen. Im Januar erwarb die russische Notenbank weitere 3,4 Tonnen Gold. Russischen Quellen zufolge sind Zukäufe bis zu 100 Tonnen pro Jahr geplant. Der Löwenanteil dieser Zukäufe entstammt der Goldproduktion im eigenen Land und entlastet damit den Spottmarkt.
In welchem Umfang die Notenbanken in 2011 Gold am Markt zukaufen werden, ist schwer abzuschätzen. Wir wissen nur, dass die Zentralbanken im vergangenen Jahr 268,50 Tonnen über den Markt zugekauft haben.
Chinas Notenbank kauft verdeckt Gold zu
Allgemein wird davon ausgegangen, dass die chinesische Notenbank in 2010 als Käufer im Markt auftrat und dies auch in Zukunft tun wird, denn im Vergleich zu den sehr hohen Devisenreserven nehmen sich die Goldreserven der Peoples Bank of China eher klein aus.
Allerdings kauft die chinesische Notenbank nicht direkt zu, sondern wickelt ihre Käufe über eine Agentur ab.
Alle fünf Jahre überträgt diese Agentur die gekauften Goldbestände an die Notenbank. Das hat für die Peoples Bank of China den großen Vorteil, dass während dieser Periode die genaue Höhe ihrer Käufe nicht sichtbar wird.
Man kann zwar im Nachhinein die Höhe der durchschnittlichen Zukäufe ermitteln, die in der letzten 5-Jahresperiode bei 91 Tonnen pro Jahr lag, muss aber damit rechnen, dass die jährlichen Zukäufe Schwankungen unterliegen.
Außerdem ist damit zu rechnen, dass die chinesischen Zukäufe in der nächsten 5-Jahresperiode höher ausfallen werden, weil die Goldproduktion in China in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist.
Wie viel Gold die Peoples Bank of China lokal zukauft und wie viele Tonnen über den offenen Markt erworben werden ist ebenfalls unklar. Wir werden die Gesamtsumme erst in zwei Jahren kennen, wenn die nächste Übertragung der Goldbestände von der Agentur an die Zentralbank ansteht.
Klar ist im Moment nur, dass Chinas Minen im Jahr 2010 340 Tonnen Gold produzierten und das Land zusätzlich über 300 Tonnen Gold importiert hat. Es spricht vor dem Hintergrund dieser Zahlen viel dafür davon auszugehen, dass die Peoples Bank of China nicht nur im eigenen Land, sondern auch am offenen Markt Gold zukauft.
Stabile bis steigende Goldnachfrage zu erwarten
Da die jüngsten Zahlen zur chinesischen Goldnachfrage in 2011 erneut ein extremes Wachstum signalisieren, ist damit zu rechnen, das Chinas Goldbedarf im laufenden Jahr deutlich höher liegen wird als die mehr als 640 Tonnen (340 Tonnen eigene Produktion plus über 300 Tonnen Goldimporte), die in 2010 vom Reich der Mitte nachgefragt wurden.
Ein starkes Absinken der Nachfrage nach Gold ist kurzfristig nicht zu erwarten. Nach wie vor ist Gold vor Silber und Platin das bevorzugte Edelmetall der Schmuckindustrie. Die Kunden haben sich inzwischen an die deutlich gestiegenen Preise gewöhnt und sie realisieren wieder, dass Gold kein Gebrauchsmetall, sondern ein wertvolles Edelmetall ist.
Es kann daher erwartet werden, dass die Goldnachfrage aus Technologie und Schmuckindustrie zumindest auf dem aktuellen Niveau verbleiben wenn nicht sogar noch steigen wird.
Stark zugenommen hat die Nachfrage nach Gold zu Anlagezwecken. Barren und Münzen wurden von vielen Investoren erworben, weil sie eine Sicherheit gegen die Instabilität des aktuellen Finanzsystems besitzen möchten.
Solange wir keine ernsthaften und erfolgreichen Bemühungen zur Reform des Finanzsystems sehen, wird diese Nachfrage anhalten. Gleichzeitig signalisieren die deutlich gestiegenen Preise für Lebensmittel und Energie, dass die Inflation wieder auf dem Vormarsch ist.
Goldangebot nicht beliebig vermehrbar
Der Goldpreis ist hoch und er verspricht den Minen satte Gewinne. Das sollte eigentlich dazu führen, dass die Produktion stark ansteigt, doch in 2011 werden wir vermutlich nur einen kleinen Anstieg der Minenproduktion um rund 100 Tonnen sehen. Das ist nicht viel und eine kurzfristige Ausweitung der Produktion ist auch nicht zu erwarten.
Lange Vorlaufzeiten für die Inbetriebnahme einer neuen Mine und die Schwierigkeit vieler Goldproduzenten, die geförderten Unzen durch neue Reserven zu ersetzen, beeinträchtigen die Flexibilität der Branche.
Entlastend wirkt im laufenden Jahr jedoch, dass viele Goldproduzenten ihre Vorwärtsverkäufe inzwischen beendet oder sehr stark reduziert haben. Der in den letzten Jahren durchgeführte Rückkauf dieser Vorwärtsverkäufe sorgte für eine zusätzliche Nachfrage am Markt die nunmehr wegfällt und die Angebotsseite dadurch entlastet.
Welche Goldminen Sie momentan bevorzugen sollten um vom steigenden Goldpreis zu profitieren, das erfahren Sie im Rohstoff-Depot meiner Kollegin Ingrid Heinritzi.


