von Rolf Morrien

Goldpreis steigt schon wieder: 2012 neues Allzeithoch?

Goldpreis steigt schon wieder

Der DAX konnte heute leicht zulegen und schloss bei 6.788 Punkten (+0,59%).

Endlich kam zumindest eine Teilentwarnung aus Griechenland.

Die Verhandlungen zwischen Banken und griechischer Regierung laufen weiter, aber heute wurde zumindest eine andere Baustelle geschlossen.

Die griechischen Parteien haben sich nach schwierigen Verhandlungen auf ein Sparpaket einigen können. Bitter ist, dass auch die Griechen finanziell bluten müssen, die in den vergangenen Jahren keine Wahlgeschenke erhalten und immer pünktlich Steuern gezahlt haben.

Die Schuldenkrise kennt nur Verlierer. Als Belohnung für die Reform-Ankündigungen wird frisches Geld fließen. Dieses Geld stammt von den Steuerzahlern aus den anderen Euro-Staaten.

Gold im Schatten der Aktienmärkte

Fast täglich wird in den Medien staunend berichtet, dass die Aktienkurse weltweit steigen. Die Frage lautet immer wieder: Wie passt das zur Schuldenkrise?

Dabei wird übersehen, dass die Schuldenkrise sogar der Grund ist, warum die Kurse steigen. Ohne Krise würden die Notenbanken die Märkte nicht mit Liquidität überschütten. Und diese Liquidität ist der Treibstoff für die Börsen.

Im Dezember hat auch die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldschleusen geöffnet. Die Geschäftsbanken konnten sich fast 500 Mrd. Euro leihen. Fast zeitgleich begann der rasante Kursanstieg am Aktienmarkt.

Für die These, dass das Geld der Notenbanken zum Teil für Börsengeschäfte genutzt wird, spricht die Entwicklung an den anderen Märkten. Seit Dezember laufen fast alle Anlageklassen gut.

Im Schatten der Aktienmärkte hat sich auch der Goldpreis prächtig entwickelt. Im Dezember war der Goldpreis auf unter 1.550 USD je Unze gefallen. Aktuell notiert der Goldpreis schon wieder bei 1.737 USD. Die EZB-Milliarden sind auch in den Goldmarkt geflossen. 

Notenbanken beeinflussen den Goldpreis

Kurios ist: Die Notenbanken haben für den jüngsten Aufschwung des Goldpreises gesorgt, aber (angeblich) auch den Absturz im Sommer und Herbst ausgelöst.

Von August bis Dezember 2011 ist der Goldpreis je Unze von 1.900 auf 1.550 USD gefallen. Eine Begründung: Es handelte sich schlicht und einfach um normale Gewinnmitnahmen, da der Goldpreis in den vergangenen gut 10 Jahren fast ohne Unterbrechung von 250 auf 1.900 USD gestiegen war.

Der Goldexperte Dimitri Speck hat eine andere Theorie. Nach seinen Beobachtungen haben die Notenbanken ab Sommer sehr viel Gold am Markt verliehen. Das plötzlich steigende Goldangebot hat den Markt überrumpelt und zur scharfen Kurskorrektur geführt.

Die Rolle der Notenbanken

Offiziell bestreiten die Notenbanken einen Einfluss auf den Goldmarkt. Der Goldpreis spiele in den geldpolitischen Überlegungen keine Rolle. Daher werden, so die Notenbanken, die großen Goldreserven nicht genutzt, um den Goldpreis in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Meine Einschätzung: Die Realität sieht anders aus. Weltweit nutzen die Menschen den Goldpreis als Indikator für die Stabilität des eigenen Geldsystems. Wenn die eigene Währung im Verhältnis zum Goldpreis immer schwächer wird, droht Gefahr. Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Die Notenbanken müssen daher zwangsläufig ein Interesse daran haben, dass die eigene Währung im Verhältnis zum Goldpreis nicht zu stark verliert.

Auf der Käuferseite

Für die These, dass Notenbanken den Goldpreis sehr genau beobachten, spricht die Geschäftspolitik der Notenbanken, die nicht unter einer schwachen Währung leiden.

Seit dem Ausbruch der Schuldenkrise (= Währungskrise) haben die Notenbanken die Seiten gewechselt. Vorher haben Notenbanken auf Jahressicht netto mehr Gold verkauft als gekauft. Dieses Verhältnis hat sich gedreht.

Die Begründung der Notenbanken: Durch den Aufbau von Goldreserven soll die Abhängigkeit von den Papierwährungen Dollar und Euro reduziert werden. 

Goldpreis wird beobachtet

Die Aussage, dass Notenbanken den Goldpreis nicht beobachten, wurde jetzt auch offiziell in Frage gestellt. Paul Volcker, der ehemalige Chef der US-Notenbank FED, hat zugegeben, dass die Notenbanken den Goldpreis sehr genau beobachten, da dieser Faktor wichtig für den Devisenmarkt sei.

Volcker bestreitet aber, dass aktiv in den Goldmarkt eingegriffen wurde. Diese Aussage ist jedoch wenig glaubhaft. Wenn die Notenbanken einen Zusammenhang zwischen Gold und Devisenkursen sehen, dann wäre es sehr erstaunlich, wenn dieses Wissen nicht auch praktisch genutzt würde.

Die FED muss nicht einmal ihren Goldschatz verkaufen, um den Preis zu beeinflussen. Wie oben beschrieben, reicht es schon, wenn eine größere Goldmenge kurzfristig verliehen wird, um den Preis zu drücken.

Spannung am Goldmarkt

Aktuell marschiert der Goldpreis wieder nach oben. Das Allzeithoch kommt in Reichweite. Wird das erreicht, ist die 2000-USD-Marke das nächste Ziel.

Für ein neues Allzeithoch spricht die lockere Geldpolitik der Notenbanken. Ende Februar wird die EZB wieder Geld in den Markt pumpen. Experten erwarten eine Summe zwischen 400 Mrd. Euro und 1 Billion Euro. Ein Teil des Geldes wird in den Goldmarkt fließen.

Auf der anderen Seite wird es spannend zu beobachten sein, wie der Goldpreis reagiert, wenn der Schuldenschnitt in Griechenland erfolgt und das Land für einige Monate (oder vielleicht sogar 1 oder 2 Jahre) Zeit gewinnt.

In diesem Szenario könnten einige Investoren den sicheren Hafen Gold verlassen und Anlageklassen mit größeren Kurs-Chancen übergewichten. Ruhige Zeiten sind keine guten Goldzeiten.

Gold bleibt in den nächsten Wochen auf jeden Fall ein heißes Thema. 

 
 
Bildquelle: Stefan Körber - Fotolia

Autor:

Rolf Morrien

Rolf Morrien spricht auch unangenehme Wahrheiten aus, findet jedoch immer die passende Antwort, egal in welcher Börsenphase. Lesen Sie seinen Newsletter gratis: Morrien's Schlussgong