von Dr. Bernd Heim

Goldproduktion wird kurzfristig steigen aber dann wieder abfallen

Australien: Hinter der glänzenden Fassade werden die Probleme sichtbar

Goldproduktion wird kurzfristig steigen aber dann wieder abfallen

Lieber Investor,

viele Anleger halten den Goldpreis für überzogen. Sie argumentieren, dass schon bald neues Gold von den Minen auf den Markt gebracht werde und den Preis unter Druck setzen wird. Eine logisch gut nachzuvollziehende Argumentation. Deshalb macht es für Investoren viel Sinn sich intensiv mit der zukünftigen Angebotssituation zu beschäftigen.

Auf einer Konferenz in Australien nahm Paul Burton, Analyst und Direktor des Goldfields Mineral Services (GFMS) im vergangenen Monat zu dieser Thematik ausführlich Stellung. Seine Thesen möchte ich Ihnen heute vorstellen.

Goldproduktion wird kurzfristig steigen aber dann wieder abfallen

Kurzfristig werden die hohen Goldpreise dafür sorgen, dass mehr Gold gefördert werden wird, aber mittel- bis langfristig wird sich die aktuelle Explorationsschwäche bemerkbar machen und zu einem deutlichen Rückgang der Goldproduktion führen. Diese Einschätzung äußerte Paul Burton, Analyst und Direktor des Goldfields Mineral Services (GFMS) im vergangenen Monat auf einer Minenkonferenz in Australien.

Noch immer klafft in der Branche eine Lücke zwischen den geförderten Unzen und jenem Gold, das durch Exploration neu entdeckt wird. Diese Lücke zu schließen ist die Hauptaufgabe der nächsten Jahre und sie wird zunehmend schwieriger, denn das einfache Gold wurde zum größten Teil bereits gefunden und gefördert.

Man erkennt dies u.a. daran, dass es in den vergangenen 10 Jahren nur wenige wirklich große Goldfunde gegeben hat. Die großen Minengesellschaften gleichen ihre Schwäche bei der Exploration in der Regel durch Zukäufe kleinerer Gesellschaften aus. Aus diesem Grund rechnet Paul Burton mit einer wachsenden Aktivität bei Übernahmen und Firmenzusammenschlüssen in den nächsten Jahren.

Australien: Hinter der glänzenden Fassade werden die Probleme sichtbar

Als ein Beispiel für seine These führte der GFMS Direktor Australien an. Das Land war in 2010 nach China der weltweit zweitgrößte Goldproduzent. Insgesamt 259 Tonnen Gold wurden in Down Under gefördert. Gegenüber dem Vorjahr war das eine Steigerung um stolze 16%, doch es war die erste signifikante Steigerung der australischen Goldproduktion seit 2002.

Verantwortlich für den Produktionszuwachs ist vor allem Newmont Minings Boddington Mine. Allein ihre Produktionssteigerung erhöhte die australische Goldförderung um 18 Tonnen. Weitere 3 Tonnen steuerte die Südaustralien gelegene Prominent Hill Mine bei.

Positiv wirkte auch die Wiederaufnahme der Produktion in einigen stillgelegten Minen, etwa der Carosue Dam-, Laverton-, Union Reefs- and Bronzewing Mine. Doch das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die größten Herausforderungen für Australiens boomenden Goldsektor in den kommenden Jahren die Verzögerung bei der Produktionsaufnahme sowie der Mangel an geeigneten großen Explorationszielen sein werden.

Der Goldsektor hofft auf die Juniors

Die Hoffnungen der Branche ruhen dabei nicht auf den großen Bergbaukonzernen, sondern auf den sogenannten Juniors, also den kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Im Gegensatz zu den Majors betreiben diese kleineren Gesellschaften viel häufiger Grassroots Exploration.

Sich nicht nur wie die Majors allein auf bestehende Minen und Fördergebiete zu konzentrieren, sondern auch weit ab vom Schuss nach neuen Lagerstätten zu suchen ist nicht nur risikoreicher, sondern auch teurer. In manchen weit abgelegenen Regionen kann die Bohrausrüstung nur per Hubschrauber zur Lagerstätte befördert werden, weil Straßen und Infrastruktur völlig fehlen.

Inzwischen sind Juniorminen und Explorer für gut 50% der Explorationserfolge verantwortlich. Es reicht aber nicht „nur“ Gold zu finden. Um das Interesse der Majors zu wecken, müssen größere Lagerstätten entdeckt werden. Große Minenkonzerne wie Newmont Mining oder Barrick Gold stehen vor dem Problem Jahr für Jahr Millionen neuer Goldunzen finden zu müssen um das geförderte Gold durch neue Reserven zu ersetzen.

Dem Goldminensektor steht eine Übernahmewelle ins Haus

Da die Schwergewichte der Branche selbst nur unzureichend Exploration betreiben, rechnet Paul Burton damit, dass in den nächsten Jahren eine Übernahmewelle einsetzen wird, bei der Käufe nur mit hohen Aufpreisen zu realisieren sein werden. Das bietet mutigen Anlegern, die heute bereits in jene aufstrebenden Junior- und Explorationsgesellschaften investieren, vielfältige Chancen denen natürlich auch entsprechende Risiken gegenüberstehen.

Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung wird wie in der jüngsten Vergangenheit auch das Kostenmanagement sein. In den vergangenen 10 Jahren stiegen die durchschnittlichen Kosten zur Produktion einer Unze Gold von 200 US Dollar auf inszwischen 500 US Dollar. Einige Minen liegen mit ihren Produktionskosten sogar heute schon deutlich über diesem Mittelwert.

Stark gestiegene Produktionskosten erfordern hohen Goldpreis

Bislang hat ein steigender Goldpreis die Problematik abgefedert. Die Rohgewinnspanne stieg zeitgleich von 92 US Dollar auf 494 US Dollar. Das hört sich im ersten Moment gut an, ist aber nur die halbe Wahrheit. Berücksichtigt man alle anfallenden Kosten und nicht nur die zumeist ausgewiesenen Cash Kosten, so kostete es die Unternehmen im Jahr 2009 im Schnitt 717 US Dollar eine Unze Gold aus dem Boden zu holen.

Aktuelle Zahlen bestätigen die Beobachtung, dass sich die Goldproduktion deutlich verteuert hat. Die realen Margen dürften zurzeit bei etwa 255 US Dollar je Unze liegen. Verantwortlich für den starken Anstieg der Kosten in den vergangenen Jahren waren die stark gestiegenen Preise für Stahl und Energie.

Um zu überleben und im Geschäft zu bleiben, benötigen die Goldminen deshalb zwingend einen Goldpreis von über 800 US Dollar. Ein starker Rückgang des Goldpreises wird deshalb sofort harte Konsequenzen auf der Angebotsseite nach sich ziehen, weil viele Minen dann nicht mehr ökonomisch arbeiten können und schließen müssen.

Wenn Sie von der in den kommenden Jahren zu erwartenden Übernahmewelle profitieren möchten, empfehle ich Ihnen einen Blick auf das Rohstoff-Depot meiner Kollegin Ingrid Heinritzi zu werfen.Nähere Informationen zu diesem Empfehlungsdienst finden sie hier

 
 
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