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Grexit: Zerfallen diese Woche noch Griechenland und Euro-Zone?

Es ist derzeit das beherrschende Thema in der Börsenberichterstattung: der mögliche „Grexit“. Gemeint ist ein Austritt Griechenlands aus der EU und aus der europäischen Gemeinschaftswährung – dem Euro.

Voraussetzung dafür wäre, dass die griechische Regierung in den kommenden Tagen nicht mit der sogenannten Troika, also der Gemeinschaft der Gläubiger, eine Lösung am Verhandlungstisch findet. Die Gläubiger sind die EU, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB).

Zuletzt gab es immer wieder leichte Annäherungen zwischen der griechischen Regierung und den Geldgebern Griechenlands. Doch immer dann, wenn es so schien, als würden die Parteien sich aufeinander zu bewegen, folgte ein kleinerer Knall.

In den vergangenen Tagen spitzte sich die Lage schließlich zu und die Griechen schlagen plötzlich andere Töne an. Denn: Aktuell ist nicht mehr die Rede von Mehrwertsteuererhöhungen, Rentenreform oder einem Primärüberschuss. Stattdessen fordern die Griechen jetzt einen erneuten Schuldenschnitt.

Ich habe den Eindruck, dass die griechische Regierung aktuell überzeugt ist, dass die Euro-Partner einen „Grexit“ um jeden Preis verhindern wollen. Doch was würde dieser „Grexit“ eigentlich für Griechenland bedeuten? Dieser Frage möchte ich mich jetzt widmen.

Das würde der „Grexit“ für Griechenland bedeuten

Ein Euro-Austritt Griechenlands würde unweigerlich dazu führen, dass die Griechen eine neue Währung bekämen. Diese neue Währung würde im Vergleich zu anderen Währungen massiv an Wert verlieren. Das würde bedeuten, dass sich alle Importe, die mit der neuen Währung bezahlt würden, erheblich verteuern.

Für die griechische Bevölkerung würde das einen Inflationsschock auslösen. Denn: Das Land importiert rund die Hälfte seiner Lebensmittel und etwa vier Fünftel seiner Energie aus dem Ausland. Auch Medikamente würden schlagartig teurer.

Zwar würde die Währungsabwertung auch dazu führen, dass umgekehrt die Exporte Griechenlands günstiger würden und die griechische Wirtschaft dadurch vermeintlich wettbewerbsfähiger wäre. Aber: Griechenland hat praktisch keine funktionierende Exportwirtschaft! Daher ist dieses Argument, welches einige Ökonomen ins Feld führen, kaum ernst zu nehmen.


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Zugegebenermaßen würde eine neue, schwächere Währung in Griechenland aber dazu führen, dass die heimische Tourismusbranche angekurbelt würde. Denn dann wäre für Dollar- oder Euro-Besitzer ein Urlaub in Griechenland wesentlich günstiger als heute.

Griechenland droht eine Pleitenserie

Griechenland müsste sich im Falle eines „Grexit“ mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Pleitewelle gefasst machen. Nicht nur der griechische Staat wäre dann pleite, sondern auch viele Unternehmen, die sich zuvor in Euro verschuldet haben.

Denn diese Schuldenlast würde durch eine schwächere griechische Währung erheblich ansteigen. Wenn Staat und Unternehmen diese Schulden einfach streichen, wäre als Reaktion der Zugang zum internationalen Kapitalmarkt versperrt. Der Geldhahn würde zugedreht.

Daher würde die Wirtschaftsleistung Griechenlands im Fall eines „Grexit“ weiter einbrechen. Das Ausmaß lässt sich zwar aktuell nur sehr schwer abschätzen, Fakt aber ist, dass schon ein vergleichsweise kleiner Rückgang katastrophale Folgen für viele Griechen – insbesondere für das ärmste Drittel der Bevölkerung – haben könnte.

Schon jetzt kann sich rund ein Drittel der Griechen keine Krankenversicherung mehr leisten. Das ist eine Reaktion darauf, dass die Wirtschaftsleistung in Griechenland seit dem Jahr 2008 bereits um 27% zurückgegangen ist. Ein neuerlicher Rückgang wäre daher mit weiteren negativen Folgen für die Griechen verbunden.

Die Folgen des „Grexit“ für die Eurozone

Die Folgen des möglichen „Grexit“ für die Finanzmärkte dürften weder besonders heftig noch besonders nachhaltig ausfallen. Die nervösen Reaktionen der vergangenen Tage zeigen zwar, dass es sehr wahrscheinlich zu gewissen Turbulenzen kommen würde, doch diese wären nach meiner Einschätzung nur von recht kurzer Dauer.

Der Grund dafür, dass die Reaktionen an den Finanzmärkten nicht allzu drastisch ausfallen sollten, ist vor allem darin zu sehen, dass es bereits jetzt – also im Vorfeld eines möglichen „Grexit“ – zu Turbulenzen kommt. Somit ist aktuell schon einiges eingepreist.

Warum die Finanzmärkte nur verhältnismäßig kurz von einem „Grexit“ beeinflusst würden? Weil die Ansteckungsgefahr auf andere europäische Krisenstaaten aus meiner Sicht sehr klein wäre. Ich gehe sogar davon aus, dass ein „Grexit“ eine disziplinierende Wirkung haben würde.

Denn: Denken Sie an die verheerenden Folgen für Griechenland und die griechische Bevölkerung. Wenn schon wenige Wochen nach einem möglichen „Grexit“ Bilder von hungernden Griechen durch die Weltpresse geistern, dürfte das nicht unbedingt die anderen Krisenstaaten dazu animieren, ebenfalls die Eurozone verlassen zu wollen.

Dennoch wäre ein „Grexit“ teuer

Zwar müssen die europäischen Banken im Falle eines „Grexit“ keine so gravierenden Auswirkungen mehr befürchten wie noch im Jahr 2011, dennoch wäre ein „Grexit“ nach wie vor teuer für die europäischen Banken.

Denn obwohl die europäischen Banken ihre Engagements in Griechenland in den vergangenen Jahren kontinuierlich heruntergefahren haben, hatten sie laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) per Ende 2014 noch immer Forderungen in Höhe von knapp 33 Mrd. US-Dollar gegenüber griechischen Schuldnern.

Davon entfielen rund 13 Mrd. US-Dollar auf deutsche Banken. Ein Großteil dieser genannten Forderungen wäre im Falle eines „Grexit“ wertlos.

Deutlich teurer wäre der „Grexit“ allerdings für andere Beteiligte wie die restlichen Eurostaaten. Diese müssten im Falle einer Staatspleite Griechenlands einen großen Teil der an Griechenland gewährten Hilfskredite abschreiben.

Insgesamt geht es um 327 Mrd. Euro (Deutschland müsste einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag abschreiben). Auf der anderen Seite gilt: Mit einer vollständigen Rückzahlung rechnet ohnehin niemand mehr. Die Abschreibung wäre nur die offizielle Verkündung der schlechten Nachricht.

Wenn Griechenland in Folge einer Staatspleite aus dem Euro austreten würde, bedeutete dies auch für die Europäische Zentralbank (EZB) Milliardenverluste. Die Summe, um die es hier geht, liegt bei rund 100 Mrd. Euro. Einen Teil des möglichen Verlustes müsste dann die Deutsche Bundesbank tragen.

Grexit: Wahrscheinlich Einigung in letzter Minute?

Aktuelle Umfragen zeigen übrigens, dass in Deutschland eine Mehrheit für den „Grexit“ ist und in Griechenland eine deutliche Mehrheit gegen den „Grexit“. Das spricht dafür, dass ein Großteil der griechischen Bevölkerung um die katastrophalen Folgen eines „Grexit“ weiß. Ebenso aber auch dafür, dass die Mehrzahl der Deutschen glaubt, dass es andernfalls noch teurer für Deutschland werden würde.

Ich persönlich gehe davon aus, dass es zu einer Einigung auf der Zielgeraden kommen wird und damit – zumindest vorerst – alles beim Alten bleibt.

18. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.