Griechenland erhält ein neues Rettungspaket.
Ein sofortiger (offizieller) Staatsbankrott ist damit vom Tisch.
Die Investoren nahmen die Nachricht dankbar auf und trieben den DAX zunächst Richtung 7.000 Punkte. Bei 6.971 Punkten war jedoch Endstation.
Als der Zug stoppte, setzten die Gewinnmitnahmen ein.
Der DAX verlor in der Spitze 100 Punkte, konnte sich jedoch am Ende wieder über die Marke von 6.900 Punkte retten.
Der gescheiterte Versuch, die 7.000 Punkte zu knacken, ist keine Überraschung. Zum einen werden runde Index-Marken selten im ersten Versuch nachhaltig überwunden. Zum anderen gibt es in der Griechenland-Krise noch einige offene Fragen.
Griechenland muss Bedingungen erfüllen
Die Euro-Finanzminister haben sich grundsätzlich darauf verständigt, dass Griechenland die Kriterien mehr oder weniger erfolgreich erfüllt hat und daher das Hilfspaket erhält.
Da jedoch nicht der Eindruck vermittelt werden soll, dass Griechenland gut abgeschnitten hat, muss das griechische Parlament vor der endgültigen Freigabe der 130 Mrd. Euro erst noch einige weitere Sparprogramme und Reformen verabschieden. Erst dann fließt das Geld. Es gibt also ein neues Ultimatum.
Da die Börse Unsicherheiten hasst, trübte sich die Stimmung im Laufe des Tages ein, als immer deutlicher wurde, dass das Hilfspaket theoretisch doch noch platzen könnte.
Besitzer der Staatsanleihen müssen bluten
Ein Unsicherheitsfaktor sind auch noch die privaten Griechenland-Gläubiger. Die Banken, Versicherungen und Hedgefonds müssen noch größere Einschnitte hinnehmen als erwartet.
Im ersten Schritt verzichten die Besitzer der Griechenland-Anleihen auf 53,5% der Forderungen. 107 Mrd. Euro Schulden werden einfach gestrichen.
Es geht aber noch weiter: Die restlichen Anleihen müssen in neue Staatsanleihen mit langen Laufzeiten und niedrigen Zins-Kupons getauscht werden. Der tatsächliche Verlust liegt daher deutlich über der 70%-Marke.
EZB scheinbar ein Gewinner
Keine Verluste muss dagegen die Europäische Zentralbank (EZB) hinnehmen. Die EZB konnte ihre Griechenland-Anleihen in neue Papiere tauschen, die vom Schuldenschnitt nicht betroffen sind.
Da die EZB die griechischen Staatsanleihen unterhalb des Nominalwertes erworben hat, verdient die EZB sogar Geld mit den Anleihen.
Das große Aber: Die EZB darf die Gewinne nicht behalten. Das Geld wird an die nationalen Zentralbanken verteilt. Anschließend soll mit diesem Geld ein Teil der Griechenland-Hilfe finanziert werden.
Diese Regelung soll dazu führen, dass die Steuerzahler der anderen Euro-Länder weniger stark belastet werden. Da im Euro-Raum einige Wahlen auf dem Programm stehen, müssen die Wähler ruhig gestellt werden.
Private Investoren werden kämpfen
Die unterschiedliche Behandlung der Griechenland-Gläubiger wird Konflikte auslösen. Banken und Versicherungen können wahrscheinlich so unter Druck gesetzt werden, dass sie am Ende mit großer Mehrheit zustimmen.
Anders sieht es bei den Hedgefonds aus, die nicht von staatlichen Geldern abhängig sind. Ich bin überzeugt, dass diese Fonds die unterschiedliche Behandlung der Gläubiger nicht hinnehmen werden.
Es gibt bereits einen Plan B: Wenn nicht genug private Gläubiger mitmachen, wird in Griechenland ein Gesetz verabschiedet, das zwangsweise einen Schuldenschnitt festlegt.
Aber auch dieser Plan B hat eine Schwachstelle: Eine solche Lösung wäre keine freiwillige Lösung. Ein erzwungener Schuldenschnitt kann dazu führen, dass Kreditversicherungen fällig werden. Welche Auswirkungen das auf den allgemeinen Kapitalmarkt hat, ist ungewiss.
Daher lautet auch heute das Schlussgong-Fazit: Die Griechenland-Krise wird uns noch mehrere Jahre beschäftigen.



