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Griechenland: „Euro-Austritt ist die Lösung!“

Die Staatspleite Griechenlands ist keine Gefahr mehr, sie ist bereits Realität, meint Prof. Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchner ifo-Instituts im Gevestor-Interview.

Ein Schuldenschnitt werde folglich nicht zu vermeiden sein. Nach Berechnungen seines Instituts könnte das für die deutschen Steuerzahler Ausfälle von bis zu 80 Milliarden Euro bedeuten.

Marcus Schult fragte den Wirtschaftsforscher, warum die Märkte trotzdem so gelassen reagieren.

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Das Interview auch zum Nachlesen

 

Hans-Werner Sinn: Was vor fünf Jahren noch als eine Gefährdung der Finanzmärkte angesehen wurde, ist heute so nicht mehr existent. Die Märkte machen einen klaren Unterschied zwischen griechischen Staatspapieren und den Staatspapieren der anderen Länder der Euro-Zone. Die Spreads in Griechenland gehen hoch, die anderen bleiben unten. Also spricht von daher nichts für die These, dass es über die Finanzmärkte einen Ansteckungseffekt gibt, wenn Griechenland aus dem Euro rausgehen sollte.

GeVestor: Sie empfehlen den Austritt Griechenlands bzw. Sie halten ihn für sinnvoll. Ihr Haus hat mal ausgerechnet, wenn die Griechen aus dem Euro austreten bzw. wenn sie zahlungsunfähig werden, kostet das im Prinzip fast gleiche Summen. Warum plädieren Sie eher für einen Austritt?

Sinn: Das sind keine erwarteten Werte und keine Schätzungen dessen, was passieren wird, sondern es sind Maximalwerte aufgrund des Exposures, das wir haben. Normalerweise wird nur ein Bruchteil davon realisiert. Das Entscheidende ist: Können wir die EU stabilisieren? Können wir diese unerträgliche Situation, die in Griechenland besteht, lösen? Griechenland hat heute eine Arbeitslosenquote von 27 Prozent, das ist doppelt so viel wie vor fünf Jahren.

Eine Situation, die unerträglich ist. Man hat der Bevölkerung vorgemacht, das würde alles schnell vorbeigehen, als die Rettungsschirme aufgespannt wurden. Jetzt sind wir fünf Jahre weiter und eigentlich ist nichts passiert. Das Geld wurde auch zum Großteil verwendet, um den internationalen Anlegern das Entkommen zu ermöglichen. Ein bisschen blieb in Griechenland hängen. Aber das, was da hängen blieb, ist für die Bevölkerung nicht genug.

Was ist die Konsequenz? Die griechische Regierung sagt, ihr müsst uns mehr geben. Aber wenn wir ihnen mehr geben, sind sie dadurch auch noch nicht wettbewerbsfähig. Sie haben noch keine Arbeitsplätze. Denn Arbeitsplätze entstehen nur, wenn man Produkte hat, die nachgefragt werden und Preise haben, die dem Marktwert entsprechen. Das ist in Griechenland überhaupt nicht der Fall. Der Euro hat dieses Land seiner Wettbewerbsfähigkeit beraubt.

Da muss man irgendwie wieder hin, und das geht im Euro kaum, denn wenn man die Preise und Löhne senkt, dann treten die Gewerkschaften auf die Barrikaden, die Schuldner und Gläubiger haben Probleme miteinander, weil die Schuldner ihre Kreditkontrakte nicht mehr erfüllen können. Das geht alles im Euro kaum. Wenn man austritt zur Drachme, dann würden alle Schuldverhältnisse im Inneren von Griechenland automatisch auf die Drachme umgestellt, alle Löhne, alle Preise, alles wäre in Drachme.

Und wenn die Drachme abwertet, dann wäre man nach außen hin wettbewerbsfähig. Der Haarschnitt und das Restaurant würden noch genauso viel kosten wie vorher, die Importe würden teurer. Aber das ist ein gewünschter Effekt, weil man dann aufhören würde, so viele Importe zu kaufen, sondern sich lieber an seine heimische Wirtschaft wendet und dann eben dort einen Nachfrageschub auslöst.

GeVestor: Der Griechenland-Austritt aus dem Euro wird immer als schlimmster anzunehmender Unfall gehandelt, denn das wäre der Anfang vom Ende des Euro – würden Sie dem zustimmen?

Sinn: Nein, das ist nicht der Anfang vom Ende des Euro. Im Gegenteil glaube ich, dass man den Euro stabilisieren kann, wenn man ein Land wie Griechenland rauslässt. Wenn man den Euro so macht, dass man da nie raus kann und er als Gefängnis empfunden wird, z. B. von der griechischen Arbeitsbevölkerung, die keine Jobs mehr hat, dann kann da einiges explodieren. Das ist, glaube ich, nicht gut für den Euro. Eine Lösung dieser griechischen Arbeitslosigkeit herbeizuführen ist eine Stabilisierung des Euro.

20. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.