27.01.2012 - 20:09 Uhr von Rolf Morrien

Griechenland-Krise: Gerüchte um EZB

Griechenland-Krise: Gerüchte um EZB

Der deutsche Leitindex DAX ist mit leichten Verlusten in das Wochenende gegangen.

Trost für die Anleger: Auf Wochenbasis gewann der DAX fast 2%.

Heute haben 2 Faktoren belastet: US-Konjunkturdaten und das Dauerthema Griechenland. Immer mehr Investoren fragen sich, warum die Verhandlungen so lange dauern.

US-Daten gut, aber nicht gut genug

An sich waren es erfreuliche Nachrichten: Die amerikanische Wirtschaft ist im 4. Quartal um 2,8% gewachsen. Das ist der höchste Wert seit anderthalb Jahren. Das große Aber: Die Erwartungen waren noch größer.

Im Durchschnitt lag die Wachstumsprognose bei +3%. Einige Volkswirte hatten sogar mit einer positiven Überraschung gerechnet. Die erzielten 2,8% sorgten daher für eine gewisse Ernüchterung, obwohl die Tendenz positiv ist.

Griechenland-Verhandlungen als Endlos-Story

Der Börsentag begann zunächst positiv, da EU-Währungskommissar Olli Rehn auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sagte, dass schon am heutigen Freitag eine Lösung der Griechenland-Frage möglich sei.

Falls nicht heute, so könnten die Verhandlungen über den Schuldenschnitt aber auch am Wochenende erfolgreich abgeschlossen werden.

Als am Nachmittag deutlich wurde, dass sich die griechische Regierung wieder nicht mit den internationalen Banken einigen konnte, löste das einige Verkäufe an den Börsen aus. Die Unruhe steigt.

Da seit einer Woche verkündet wird, dass die Lösung in Sichtweite ist, fragen sich Investoren, ob es versteckte Hürden gibt. Erste Gerüchte machen die Runde.

Es soll Zeit gewonnen werden

Am vergangenen Freitag sagten die Verhandlungspartner in Griechenland, dass beide Seiten nur noch einen Millimeter von der Lösung entfernt seien.

In den vergangenen Tagen sickerte auch durch, dass fast alle Streitfragen geklärt sind. Die Höhe des Schuldenschnitts soll kein Streitpunkt mehr sein. Auch die Umschichtung der Alt-Schulden in neue Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren sei beschlossen worden.

Offen sei bei den neuen Anleihen nur noch die Höhe des Zins-Kupons.

Ausgangspunkt war eine Forderung der Banken in Höhe von 4% und ein Angebot der Gegenpartei in Höhe von 3,5%. Aktuell soll diskutiert werden, ob die Einigung bei 3,75% oder doch erst bei 3,80% erzielt werden kann.

Es ist merkwürdig, dass alle großen Brocken beseitigt wurden und eine kleine Hürde die Verhandlungen eine Woche lang blockieren kann.

Daher stellt sich die Frage, ob mit dieser kleinen Streitfrage nur Zeit gewonnen werden soll.

EZB soll bluten

Hinter den Kulissen wird berichtet, dass es um eine ganz andere Streitfrage geht. Bisher ist Beschlusslage, dass nur private Gläubiger wie Banken, Versicherungen und Hedgefonds auf Geld verzichten sollen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) strebt jetzt plötzlich eine radikale Veränderung an. Alle Gläubiger sollen bluten. Auch die Europäische Zentralbank (EZB).

Seit 2010 kauft die EZB regelmäßig Staatsanleihen, wenn es am Markt keine Käufer gibt. Der Gesamtbestand liegt bereits bei über 200 Mrd. Euro. Griechische Staatsanleihen sollen mit rund 40 Mrd. Euro im EZB-Portfolio liegen.

Kommt es zu einem allgemeinen Schuldenschnitt in Griechenland, müsste die EZB mit Verlusten von 20 bis 30 Mrd. Euro rechnen. Genau das will die EZB um jeden Preis vermeiden.

Daher das Gerücht, dass die Verhandlungen zwischen Griechenland und den Banken schon lange abgeschlossen sind. Der Kompromiss wird nur nicht veröffentlicht, weil erst der Streit zwischen EZB und IWF entschieden werden muss.

Wenn die EZB den Kampf verliert, zahlen die Steuerzahler die Zeche.

 
 
Bildquelle: laurent hamels - Fotolia

Autor:

Rolf Morrien

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