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Griechenlands Schulden drohen weiterhin den Staat zu erdrücken

Beim Ausbruch der Staatsschuldenkrise im Jahr 2010 war Griechenland täglich in den Schlagzeilen der Boulevardpresse. In den Medien ist es ruhiger geworden was die Schulden Griechenlands betrifft. Andere Länder wie Portugal und Spanien haben den Fokus auf sich gezogen. Das bedeutet aber nicht, dass Griechenland seine Schulden nun im Griff hat, das Gegenteil ist der Fall. Für Anleger heißt das:  griechische Staatsanleihen sind weiterhin mit hohem Risiko verbunden.

Defizit in Griechenland steigt weiter an

Auch wenn Griechenland im Jahr 2013 wieder genug Geld eingenommen hat um die laufenden Ausgaben zu decken, reicht dies nicht aus um die Schulden in den Griff zu bekommen. Denn der erzielte Überschuss von 0,8% des BIP (Bruttoinlandsprodukt) errechnet sich nur, wenn Zinszahlung auf die vorhandenen Schulden und Kosten für die Auflagen des internationalen Hilfsprogramms nicht berücksichtigt werden.

Werden diese Kosten mit eingerechnet steht weiterhin ein Defizit von 12,7% des BIP (Quelle: Eurostat, statistisches Amt der Europäischen Union).

Die Schuldenquote Griechenlands steigt und steigt

Noch drastischer wird das Bild, wenn man sich die Entwicklung der Schuldenquote Griechenlands vor Augen führt. Die Bruttostaatsverschuldung ist von ca. 100% des BIP (was auch schon weit über dem Grenzwert von 60 % des BIP, wie im Vertrag von Maastricht beschlossen, lag)  im Jahr 2005 bis zum Ausbruch der Schuldenkrise im Jahr 2010 auf 148,3% des BIP gestiegen.

Diese negative Entwicklung hat sich seitdem weiter fortgesetzt und im Jahr 2013 den Höchststand mit einer Schuldenquote von 175,1% des BIP erreicht. Zum Vergleich, das aktuell in den Medien als „Schuldenstaat Nummer 1“ bezeichnete Portugal verzeichnete 2013 eine Schuldenquote von 129,00% und Deutschland 78,4% des BIP. (Quelle:Eurostat)

China kauft Griechenlands Schulden und Unternehmen

Schon bei der letzten Anleihe, die Griechenland ausgegeben hat, ist China als einer der großen Aufkäufer ins Rampenlicht gerückt. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang betonte, dass China auch bei weiteren Anleiheausgaben Griechenlands die griechischen Schuldscheine kaufen werden.

Was zunächst wie eine Erlösung aus Fern-Ost für Griechenland wirkt, ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Denn China knüpft diese Anleihekäufe, selbstverständlich, an Handelsverträge. So wird ein Großteil der Schiffsflotte Griechenlands (welche global immer noch eine der Größten ist) mittlerweile in chinesischen Werfen gebaut. Es droht eine Abwanderung von ganzen Industriezweigen und somit eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage.

Griechenland muss weiter an den Reformen arbeiten

Auch wenn der seit Jahren erstmals erzielte Überschuss von 0,8%, wie erwähnt ohne Zinsen und Kosten für die Hilfsprogramme, von der griechischen Regierung als Erfolg gefeiert wurde, die nackten Zahlen zeigen, dass Griechenland noch einen weiten Weg vor sich hat.

Die begonnenen Reformen des Steuersystems und des Staatsapparates müssen weiter und vor allem konsequenter Umgesetzt werden. Auch wenn alle Reformmaßnahmen greifen wird es weiterhin fraglich bleiben, ob sich Griechenland ohne weitere Hilfen aus dem Schuldensumpf befreien kann.

Privatanleger sollten vor einem weiteren Schuldenschnitt gewarnt sein

Anleger sollten sich derzeit nicht von den höheren Zinsen, die griechische Staatsanleihen versprechen, locken lassen. Denn der höhere Zinssatz birgt ein hohes Risiko in sich. Der Schuldenschnitt im Frühjahr 2012 hat viele Anleger 53,5% ihres Investments gekostet.  Die Stimmen, die einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland kategorische ausschließen werden leiser und somit kann Anlegern ein erneuter Verlust mit griechischen Staatsanleihen drohen.

1. August 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rüdiger Dalchow. Über den Autor

Seit 1995 ist er selber aktiv an den Märkten tätig und hat dabei sowohl Hochs als auch Tiefs erlebt. Aus dieser Erfahrung heraus ist es sein Ziel, dem privaten Anleger oftmals zu kompliziert dargestellte Zusammenhänge an der Börse möglichst einfach, aber dennoch effektiv näherzubringen. Seit 2011 führt sein Blog www.aktienhandel-einsteiger.de mit interessanten Fachartikeln und Interviews durch das Aktiendickicht.