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Großer Wirtschaftskreislauf: Das Ausland mischt mit

Wir kaufen günstige Sportschuhe aus China, deutsche Unternehmer profitieren von der Zollfreiheit innerhalb der EU, andererseits werden viele Produktionszweige in Billiglohnländer ausgelagert – in unserer globalisierten Welt ist die Volkswirtschaft zu einem komplexen Netz geworden. Sie besteht aus verschiedenen Handelspartnern, die auf unterschiedlichen Ebenen miteinander in Kontakt treten.

Das Modell des großen Wirtschaftskreislaufs verdeutlicht auf einfache Art und Weise, wie wir – als Staatsbürger, Unternehmer, Arbeitnehmer oder Konsumenten – in diesen Prozess eingebunden sind. Der große Wirtschaftskreislauf heißt auch Wirtschaftskreislauf einer offenen Volkswirtschaft, weil er alle möglichen denkbaren Handels- und Tauschbeziehungen zwischen privaten Haushalten, Unternehmen, Banken, Staat und Ausland modellhaft darstellt. Wohin fließt das Geld und wohin wandern die Güter? Zur Beantwortung dieser Frage können unterschiedlich viele Akteure eingearbeitet werden. Damit können wir das Wirtschaftsgeschehen im Ganzen betrachten. Das Ziel des Modells ist also eine reale Darstellung eines Wirtschaftskreislaufs. Vollständiger Wirtschaftskreislauf – der Staat spielt mit.

Einfluss des Auslands im großen Wirtschaftskreislauf

Im vollständigen Wirtschaftskreislauf waren bisher lediglich 4 Akteure vertreten: die privaten Haushalte, die Unternehmen, die Banken und der Staat. Die privaten Haushalte – meist Arbeitnehmer – erhalten für ihre bereitgestellten Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital und Boden) von den Unternehmen eine Entlohnung (Geld). Dieses Geld nutzen die privaten Haushalte zum Teil für den Konsum der von den Unternehmen gefertigten Erzeugnisse (Güter). Einen Teil davon sparen die Privathaushalte aber auch und erhalten dafür von den Banken Zinsen.

Die Banken wiederum gewähren den Unternehmen Kredite und bekommen dafür Zinsen. Mit den Krediten können die Unternehmen Investitionen tätigen. Zusätzlich nimmt der Staat durch direkte und indirekte Steuern den Haushalten und Unternehmen Gelder weg. Gleichzeitig gibt er die Steuern aber beispielsweise über Subventionen, Staatskonsum und Transferzahlungen (z.B. Kindergeld oder Wohngeld) zurück. Konjunktur ankurbeln durch staatliche Maßnahmen.

Der Wirtschaftskreislauf einer offenen Volkswirtschaft enthält nun noch den Sektor Ausland, der maßgeblichen Einfluss auf das Inland hat. Die wohl wichtigsten Faktoren sind dabei der Export und der Import, bei denen Waren sowie Gelder mit dem Ausland getauscht werden. Ausländisches Geld kann aber auch in Form von Einkommen ins Inland fließen – wenn sich z.B. der Arbeitsplatz im Ausland befindet und der Wohnort im Inland. Gleiches gilt für einen Geldabfluss, wenn Ausländer im Inland arbeiten.

Zusätzlich können neben dem Arbeitseinkommen auch Sparleistungen vom Ausland ins Inland fließen. Das ist dann der Fall, wenn jemand sein Geld bei einer ausländischen Bank deponiert hat, um bessere Zinserträge zu erhalten. Oder das Kapital fließt von den privaten Haushalten ins Ausland.

Folgen eines Ungleichgewichts des großen Wirtschaftskreislaufs

Damit allerdings der große Wirtschaftskreislauf in einem Gleichgewicht ist, müssen sich die Zuströme sowie Abströme innerhalb eines Sektors ausgleichen. Ein Ungleichgewicht ist gegeben, sobald das Inland beispielsweise einen Exportüberschuss erzielt. Das heißt, es fließen mehr Gelder ins Inland als ins Ausland.

Dann wachsen die Einkommen im Inland und die privaten Haushalte können mehr sparen. Bieten die Banken aber keine attraktiven Zinsen an, fließt das überschüssige Geld in den Konsum. Die Unternehmen erhöhen die Preise für Güter und es entsteht Inflation. Gleichzeitig nimmt aber auch die Zahlungsfähigkeit des Auslands ab, da es immer mehr Verbindlichkeiten anhäuft.

Das beste Beispiel hierfür ist die Eurokrise. Deutschland erzielt jährliche Exportüberschüsse, während Griechenland seine Schulden immer weiter ausgebaut hat, um die Waren aus dem Ausland kaufen zu können.

Um dieses Malheur zu beseitigen, können einerseits die Importe erhöht werden, damit das eingenommene Geld wieder ins Ausland fließt. Andererseits können die Banken attraktive Sparzinsen anbieten, das überschüssige Geld im Inland abschöpfen und dem Ausland Kredite anbieten.

1. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Kempe
Von: Michael Kempe. Über den Autor

Der diplomierte Betriebswirt (FH) und ausgebildete Finanzjournalist beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Kapitalmarkt – im Besonderen mit Aktien, Fonds und CFDs.