von Rainer Heißmann

Gutes Zeichen: Investoren pessimistisch

Investoren sind pessimistisch - ein gutes Zeichen

Investoren sind pessimistisch - ein gutes Zeichen

„Investoren pessimistisch wie lange nicht“, habe ich gestern als Ergebnis einer Umfrage gelesen.

Ich war überrascht, denn immerhin notiert der DAX nur wenig unter der „Schallmauer“ von 7.000 Punkten.

Trotzdem hieß es in dem Bericht, dass die deutschen privaten Anleger eine schlechte Stimmung haben, die so schlimm sei, wie seit der Insolvenz von Lehman Brothers (September 2008) nicht mehr.

Private Anleger erwarten fallende Kurse

Dieser Bericht basiert auf eine Untersuchung der DZ Bank, die private Anleger befragt hatte. Danach geht die Mehrzahl der Befragten davon aus, dass die Aktienkurse fallen. Das ist auf kurzfristige Sicht kein Wunder, denn der DAX hat seit Ende November 2011 rund 1.500 Punkte „am Stück“ zugelegt.

Aber nach dieser Befragung gehen nur 27 Prozent davon aus, dass der DAX in den kommenden 6 Monaten steigt. Sie sehen die derzeitigen Kursgewinne nicht als nachhaltig an.

Börse: Schlechte Zeiten, gutes Zeiten

Investoren sind so pessimistisch wie lange nicht, war die Meldung überschrieben. Ich bewerte das positiv. Meine Gründe:

Ein Anleger, der Aktien im Depot hat, wird sich nicht negativ zu Aktien äußern. Zum einen hätte er dann vermutlich bereits verkauft. Zum anderen schon aus dem Grund nicht, weil er ja noch einen guten Kurs für eventuelle Verkäufe erreichen will. Da wird er Aktien nicht „schlecht reden“.

Umgekehrt wird ein potenzieller Käufer sich nicht überschwänglich zu Aktien äußern, wenn er noch einsteigen will. Der potenzielle Käufer wartet ja noch auf nachgeben Kurse.

Diese einfache Überlegung ist der Hintergrund von so genannten Contrarians. Das sind Anleger, die sich gegen die Mehrheitsmeinung stellen. Dem Contrarian geht es nicht darum, einfach gegen das zu sein, was die Mehrheit macht.

Es geht darum, die Stimmung der Mehrheit zu analysieren und dann eine eigene Meinung zu fassen, die durchaus gegen die Mehrheitsmeinung stehen kann (Contrarian).

Ich bewerte das Ergebnis der Umfrage positiv

Skeptisch bin ich immer dann, wenn es „himmelhoch jauchzend“ zugeht. Denn dann gehen Trends zu Ende. Wenn aber ein großer Teil der Anleger die Entwicklung skeptisch sieht, heißt das, die sind nicht (oder wenig) investiert.

Von dieser Gruppe geht kein Verkaufsdruck aus. Im Gegenteil: Sie stehen potenziell auf der Käuferseite, wenn der Trend doch weiter aufwärts führt. Eine gesunde Portion Skepsis hat sich fast immer als positives Signal für Aktien erwiesen.

Zum guten Schluss: Am 22.02.1819, also heute vor 193 Jahren, kam der amerikanische Schriftsteller James Russell Lowell zur Welt. Er schrieb:

„Nur die Narren und die Toten ändern niemals ihre Meinung.“

Börsianer müssen ihre Meinung immer wieder ändern. Deshalb passt Lowells Feststellung perfekt für uns Börsianer. Meine Meinung, Ihnen nur das Beste zu wünschen, ändert sich allerdings niemals.

© Rainer Heißmann - Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

 
 
Tags: DAX, Insolvenz  
Bildquelle: Peter Atkins - Fotolia

Autor:

Rainer Heißmann

Der Bankkaufmann und Betriebswirt Rainer Heißmann ist ein Börsen-Profi durch und durch.

"Tipps und Tricks" rund um die im Kurs nicht manipulierbaren Optionen lesen Sie täglich gratis im Heissmanns Börsenkommentar.