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Harmonisierter Verbraucherpeisindex – Preisstabilität im Vergleich

Der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist ein zentraler Konjunkturindikator für Europa. Er wird in den einelnen europäischen Ländern zusätzlich zum jeweiligen nationalen Verbraucherpreisindex (VPI) erhoben. Und zwar nach spezifischen harmonisierten Vorgaben. Ein harmonisierter Verbraucherpreisindex zeigt den Zustand der Volkswirtschaften in Bezug auf Preisstabilität und Perspektiven. Damit ist er zugleich ein Barometer für die Börsenentwicklung.

Harmonisierter Verbraucherpreisindex – Vergleichbarkeit verschiedener Statistiken

Steigen die Börsenkurse oder nicht? Droht Inflation oder Deflation? Werden die 2%-Vorgaben zur EU-Geldwertstabilität eingehalten? Wie müssen Politik und Zentralbank reagieren? Auf diese Fragen gibt der Verbraucherpreisindex Auskunft. Er zeigt an, wie sich die Preise für die Lebenshaltung entwickelt haben.

Diese Information ist aber nicht nur für die einzelnen Länder von Interesse. Auch Europa und die Europäische Zentralbank (EZB) brauchen zuverlässige Grundlagen zur Beurteilung der Preisstabilität. Zuständig hierfür ist das Statistische Amt der EU, kurz Eurostat, in Luxemburg.

Eurostat stellt die Verbraucherpreisindizes der einzelnen Länder zusammen. Allerdings nicht die nationalen VPI, denn die beruhen auf unterschiedlichen Verbrauchergewohnheiten und Berechnungsmethoden. Die gibt es auch bei ansonsten vergleichbaren Volkswirtschaften wie Deutschland und Österreich.

Eurostat hat Vorgaben zur vereinheitlichten Methodik entwickelt, mit der sich die verschiedenen Verbraucherindizes weitgehend vergleichen lassen. Das Ergebnis ist ein harmonisierter Verbraucherpreisindex.

Harmonisierter Verbraucherpreisindex – Unterschiede in der Methodik

Deshalb erstellt das Statistische Bundesamt seit 1997 neben dem nationalen einen harmonisierten Verbraucherpreisindex. Damit gibt es, wie in den anderen Ländern auch, 2 wichtige Inflationsbarometer. Aufgrund der im Detail unterschiedlichen Methodik sind die Ergebnisse nicht identisch. Die Abweichung ist jedoch nur gering.

Das liegt daran, dass der deutsche harmonisierte Verbraucherpreisindex aus der gleichen Datenbasis abgeleitet wird wie der VPI. Bei der Berechnung gibt es allerdings einige Unterschiede. Anders als im VPI werden im harmonisierten Verbraucherpreisindex die Ausgaben für selbst genutztes Wohneigentum bisher nicht berücksichtigt.

Außerdem sind im harmonisierten Index keine Ausgaben für Glücksspiele enthalten. Das galt bis 2009 auch für Kraftfahrzeugsteuern und Zulassungsgebühren. Ein weiterer Unterschied liegt in der Gewichtung. Die ist nötig, weil einige Dinge mehr und andere weniger konsumiert werden. Außerdem muss der fiktive Warenkorb in regelmäßgen Abständen den geänderten Konsumgewohnheiten angepasst werden.

Mehr als beim VPI steht beim harmonisierte Verbraucherpreisindex die Aktualität der Gewichte im Vordergrund. Seit Januar 2012 werden hier die Grobgewichte jährlich aktualisiert. Die Ergebnisse werden über den Dezemberwert des Vorjahres miteinander verkettet. Neben der jährlichen Grobgewichtung ist alle fünf Jahre eine Aktualisierung der Feingewichte vorgesehen.

Beim VPI werden Änderungen der Ausgabengewichte grundsätzlich nur in einer turnusmäßigen Überarbeitung vorgenommen. Und weil es keinen einheitlichen europäischen Warenkorb gibt, gilt für die Vergleichbarkeit bei der Güterauswahl Folgendes: Gelangt ein Gut in einem Land zur Marktbedeutung, müssen auch die anderen Länder die Einbeziehung in den Warenkorb überprüfen.

Harmonisierter Verbraucherpreisindex – Sinn und Zweck

Damit sollen also die harmonisierten Verbraucherpreisindizes vergleichbarer werden. Sie werden von Eurostat nicht nur nebeneinander gestellt, sie fließen auch in einen gesamten europäischen Verbraucherpreisindex ein. Ein harmonisierter Verbraucherpreisindex kommt nicht nur aus den Ländern der EU, sondern zudem aus Norwegen, Island und der Schweiz. So lässt sich die Inflation im gesamten europäischen Wirtschaftsraum ablesen.

Der harmonisierte Verbraucherpreisindex dient vorwiegend folgendem Zweck: Er ist für die EZB ein Indikator zur Beurteilung der Preisstabilität in der Eurozone. Die ist aus EZB-Sicht bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2% erreicht.

Insofern hat der harmonisierte Verbraucherpreisindex eine zentrale Bedeutung für die Geldpolitik der EZB. Außerdem lässt sich beurteilen, ob ein Mitgliedsstaat der Wirtschafts- und Währungsunion beitreten kann. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex wird vom Statistischen Bundesamt monatlich veröffentlicht.

Und zwar einmal in einer vorläufigen und in einer endgültigen Version. Letztere liegt zur der Mitte des jeweiligen Folgemonats vor. Gibt es Anzeichen für eine Inflation, dürften viele Anleger von steigenden Börsenkursen ausgehen. Historische Daten jedoch lassen vor übereilten Investments abraten.

15. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.