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Haushaltsbilanz – die Definition vom Vermögenszuwachs

Hat sich der Kauf einer Aktie gelohnt? Holen Renditen und Dividenden die Ausgaben ein? Wie steht es um das Verhältnis von Schulden zum Vermögen, von Einnahmen zu Ausgaben? Derartige Fragen beantwortet eine jährliche Haushaltsbilanz – eine private wohlgemerkt. Denn Privathaushalte können ähnlich bilanzieren wie Unternehmen. Nicht aber Staatshaushalte. Haushalt ist nicht gleich Haushalt.

Haushaltsbilanz – keine offizielle Definition

Diese begriffliche Uneinheitlichkeit spiegelt sich auch in der Definition für Haushaltsbilanz wider. Es gibt nämlich keine, weder bei wikipedia noch im dtv-Lexikon oder Brockhaus. Grund: Eine Bilanz kann nicht auf jeden Haushalt angewendet werden.

Die Definition für Haushalt hängt nämlich ganz davon ab, ob es um einen unternehmerischen, privaten oder öffentlichen Haushalt geht.

Die Definition für Bilanz zeigt die Gegenüberstellung von Vermögen und Schulden – links die Aktiva und rechts die Passiva. Dieses Vorgehen ist die doppelte Buchführung (Doppik).

Haushaltsbilanz: Unternehmen und Privatpersonen

Bilanzen gibt es bekanntlich bei Unternehmen als Bestandteil des Jahresabschlusses. Kommt es zu Überschüssen, spricht man vom Gewinn. Hintergrund: Unternehmen handeln der Definition nach gewinnorientiert. So viel zum Unternehmenshaushalt.

Ein privater Haushalt wiederum ist per Definition eine wirtschaftliche Einheit, die aus einer oder mehreren Personen besteht. Über 40 Mio. Haushalte gibt es hierzulande. Deren wirtschaftliche Situation lässt sich mit einer Haushaltsbilanz darstellen, auch im internationalen Vergleich.

Bilanz der deutschen Haushalte

Die Bundesbank etwa veröffentlicht jährliche Studien zu den Finanzen deutscher Haushalte. Hierbei geht es um die Vermögensverteilung. Kern ist eine Haushaltsbilanz. Auf der Aktiva-Seite stehen die Sach- und Finanzvermögen wie selbstgenutzte Immobilie, Fahrzeuge, Fondsanteile oder Aktien.

Auf der Passiva-Seite Verbindlichkeiten wie Hypotheken, Kredite oder unbezahlte Rechnungen. Eines der Ergebnisse für 2013 zeigt: 73% der deutschen Haushalte haben ein unterdurchschnittliches Nettovermögen.

Wer seine wirtschaftlichen Verhältnisse im Griff halten will, sollte selbst eine private Haushaltsbilanz erstellen. Was früher das Haushaltsbuch war, ist heute eine Excel-Datei. Eingetragen werden Vermögen und Schulden, Einnahmen und Ausgaben. Daran zeigt sich, ob und wo Vermögen wächst oder welche Posten Löcher in die Haushaltsbilanz reißen.

Vermögenszuwachs nicht im Zentrum öffentlicher Haushalte

Zum unternehmerischen und privaten Haushalt passt also eine Bilanz. Anders beim öffentlichen Haushalt. Öffentliche Haushalte werden nicht nach dem Prinzip einer Bilanz erstellt. Ausnahmen sind Haushalte von Gemeinden, die zunehmend vom kameralistischen System auf die doppelte Buchführung umstellen.

Bei der Bilanz geht es um den Vermögenszuwachs. Traditionell und beim Landes- sowie Bundeshaushalt hingegen wird rein in Zahlungsströmen gedacht.

Der Bundeshaushalt etwa existiert zunächst als Haushaltsplan. In ihm sind zwar die Ausgaben und Einnahmen benannt. Letztere aber, vor allem Steuern, sind reine Schätzungsgrößen. Nach Jahresende kommt es zum Haushaltsvollzug.

Das wäre dann eine Art Bilanz, die zeigt, ob der Bund 2014 tatsächlich ohne Neuverschuldung ausgekommen ist. Käme es überraschend zu einem Überschuss, dürfte man genaugenommen nicht vom Gewinn reden. Der Bund ist kein Unternehmen.

Dies alles erklärt auch, warum weder die Bundesbank noch das Bundesfinanzministerium von einer Haushaltsbilanz Deutschlands sprechen.

Haushaltsbilanz in der Umgangssprache

Gleichzeitig gehen Presse und Politiker weniger streng mit dem Begriff um, er wirkt griffiger. Meist ist damit ein Fazit gemeint, das aus einem Haushaltsergebnis gezogen wird. In diesem Sinne einer Zahlenanalyse ist auch die „Haushaltsbilanz 2013“ zu verstehen, die das Land Rheinland-Pfalz etwas irreführend veröffentlicht.

Korrekt hingegen ist etwa die Zahlungs- oder Leistungsbilanz Deutschlands. Hier steht das Denken in Vermögenszuwächsen im Vordergrund, da es um den Vergleich im Handel mit anderen Saaten geht.

Übrigens: Die EU-Kommission plant eine Harmonisierung der öffentlichen Haushalte nach dem System der doppelten Buchhaltung, Stichwort EPSAS. Damit gäbe es dann tatsächlich eine Bundes-Haushaltsbilanz.

8. November 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.