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Hausse-Klausel, Baisse-Klausel – Verteilspiel von Preisrisiken

Die Hausse-Klausel und die Baisse-Klausel gehören zum Bereich der Preisgleitklauseln. Im Handelsverkehr zwischen Lieferanten und Abnehmern unterscheiden sie sich von den Festpreis-Vereinbarungen und erlauben die Anpassung an veränderte Kosten. Die Hausse-Klausel und die Baisse-Klausel sind eine Gestaltungsmöglichkeit zur Verteilung des Preisrisikos. Sie sind sogenannte Korrekturklauseln, die die Nachteile von Preisgleitklauseln entschärfen.

Hausse-Baisse-Klausel – Teil der Preisrisikoregulierung bei Verträgen

Hausse-Baisse-Klauseln werden im Warenverkehr und im Einkauf verwendet. Sollten sie Bestandteil von Kaufverträgen sein, so finden sie sich normalerweise in den Allgemeinen Verkaufs- und Lieferbedingungen. Kurz vorab: Die Baisse-Klausel ist eine Möglichkeit für den Käufer, den Vertrag zu lösen, falls der Verkäufer einen gesunkenen Preis nicht akzeptiert. Bei der Hausse-Klausel kann der Verkäufer dies tun, wenn der Käufer einen gestiegenen Preis nicht akzeptiert.

Hintergrund für die Anwendung von Hausse-Baisse-Klauseln ist die Tatsache, dass zwischen Kaufvereinbarung und Lieferung eine gewisse Zeitspanne liegt. Gerade im internationalen Importgeschäft sind längere Beschaffungszeiten bis zu über einem Jahr keine Seltenheit.

In dieser Zeit aber können sich bestimmte Faktoren, die den vereinbarten Kaufpreis einer Ware beeinflussen, gravierend verändern, z.B. Löhne und Kosten zur Materialbeschaffung. Die Gefahr: Wenn zwischenzeitlich die Kosten steigen, bleibt der Lieferant auf einem zu niedrig kalkulierten Preis sitzen.

Hausse-Baisse-Klausel – Volatile Spotmärkte stellen Festpreise infrage

Gerade bei Rohstoffen sind die Preise an den internationalen Spotmärkten zum Teil extrem volatil. Bekanntestes Beispiel sind die Preisveränderungen beim Rohöl. Bei einer Hausse kommt es zu steigenden Kursen bzw. Marktpreisen. Umgekehrt bei einer Baisse. Hier würde der Lieferant profitieren, der Abnehmer jedoch wäre benachteiligt, da er auf einem zu hohen Preis festsitzt. Die Begriffe Hausse und Baisse sind allgemein aus der Börsenwelt bekannt.

Hier gibt es einige Möglichkeiten bei der Vertragsgestaltung. Der Lieferant kann eine Bagatellklausel in den Vertrag schreiben. Bei ihr wirken sich nur geringfügige Änderungen der preisbeeinflussenden Kosten gar nicht aus. Sind beim Abschluss des Rahmenvertrags einige Details, wie etwa konkrete Abnahmemengen, noch nicht klar, so kann zum Stichtag eine erneute Preisverhandlung vereinbart werden. Hausse oder Baisse: Den richtigen Trend erkennen

Preisgleitklauseln kompliziert und mit Nachteilen

Häufig wird auf Preisgleitklauseln zurückgegriffen. Sie ermöglichen eine flexible Preisgestaltung, gerade auch wegen Wechselkurs- und Inflationsrisiken. Der Lieferant kann je nach Marktentwicklung den vereinbarten Basispreis nach oben oder unten anpassen. Die Preisänderung ist meist an einen Preisindex gekoppelt. Dies soll eine möglichst hohe Transparenz und Neutralität gewährleisten.

Doch die Gestaltung einer Preisgleitklausel und die ständige Kontrolle möglicher Kostenänderungen sind relativ aufwändig. Außerdem berücksichtigt der Automatismus der Preisgleitung nicht den jeweiligen Marktpreis. Bei einer Baisse würde der Abnehmer das Preisrisiko tragen, bei einer Hausse der Lieferant.

Hausse-Klausel für Anbieter günstig, Baisse-Klauseln für Abnehmer

Um diesen Unsicherheiten pragmatischer zu begegnen, haben sich in der Praxis sogenannte Korrekturklauseln bzw. Escapeklauseln etabliert. Hierzu gehören auch Hausse-Baisse-Klauseln. Sie sind einseitig definierte Klauseln. Bei einer Hausse-Klausel basiert der Preis auf den zum Vertragszeitpunkt gegebenen Kosten. Steigen die Kosten bis zur Lieferung, wird der Preis entsprechend erhöht. Sinken die Kosten, bleibt es beim Basispreis.

Umgekehrt bei der Baisse-Klausel: Sinken die Kosten bis zur Lieferung, werden die Preise entsprechend herabgesetzt. Erhöhen sich die Kosten, gilt der vereinbarte Basispreis. Die Hausse-Klausel ist für den Anbieter vorteilhaft, denn in diesem Fall erhöht sich dessen Gewinn. Eine Baisse-Klausel hingegen ist für den Abnehmer günstiger.

Von ihrer Struktur her sind Hausse-Baisse-Klauseln Teilklauseln. Anders als Vollklauseln beziehen sie sich nicht auf alle Preisbestandteile. Mit ihnen lässt sich vorwiegend das Preisrisiko schwankender Spotpreise etwa bei Aluminium, Öl oder Weizen in berechenbare Bahnen lenken. Welche Klausel zum Tragen kommt, ist letztlich Verhandlungssache.

4. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.