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Hebelprodukte: Erklärung am Beispiel Zertifikate

Hebelprodukte sind eine Form von Derivaten. Der Wert eines Derivates ist im Wesentlichen abhängig von der Wertentwicklung eines dazugehörigen Basiswertes.

Ein solcher Basiswert kann alles Mögliche sein: Aktien, Indizes (zum Beispiel der DAX), Devisen, aber auch ein Zinssatz oder Rohstoff.

Die meisten Derivate sind hierbei Hebelprodukte. Zu den Derivaten gehören Optionsscheine, CFDs und Zertifikate. Die folgende Erklärung bezieht sich auf Zertifikate, wobei die Prinzipien der Hebelwirkung auch auf andere Derivate anwendbar sind.

Mehr zum Thema: Optionen und CFDs: Der Vergleich

Ein Hebel kann als Multiplikator verstanden werden, und zwar in beide Richtungen: Gewinne werden vergrößert, aber auch Verluste fallen entsprechend höher ins Gewicht.

Beispiel: Ein Zertifikat mit verschiedenen Bezugsverhältnissen

Der Verständlichkeit halber bezieht sich das folgende Beispiel auf eine sehr simple Variante: einem Zertifikat auf den DAX, zunächst mit einem Bezugsverhältnis von 1:1

Dieser steht beim Kauf auf einem Stand von 7.000 Punkten. Das Zertifikat kostet hierbei 70 €.

Der Index fällt nach einer Woche auf einen Stand von 6.000 Punkten. Durch das Bezugsverhältnis von 1:1 verringert sich der Wert des Hebelproduktes analog zum Wertverfall des Basiswertes auf 60 €.

Mehr zum Thema: Zertifikate: Definition und Hintergründe

Doch wie verhält es sich mit der Hebelwirkung bei einem anderen Bezugsverhältnis?

Wieder investiert der Anleger in dasselbe DAX-Zertifikat, diesmal jedoch mit einem Bezugsverhältnis von 1:25. Das wirkt sich bereits auf den Preis aus.

Die Rechnung dazu: 7.000 Punkte / 100 = 700 / 25 (Hebel) = 2,80 €. Der Anleger muss für sein DAX-Zertifikat gemäß der Bezugsgröße nur einen Bruchteil des Indexwertes zahlen.

Und auch auf die Gewinn- und Verlustspanne hat der Hebel Auswirkungen:

Nach einer Woche steigt der DAX auf 7.500 Punkte, legt also, verglichen mit dem Startwert, um 7,14% zu. Da das Bezugsverhältnis nun ein anderes ist, ist der Zuwachs jedoch nicht analog auf die Wertentwicklung des Zertifikats übertragbar.

Dessen Wert liegt nun nicht – anders als bei einem 1:1-Verhältnis – ebenfalls um 7,14% zu, sondern beim 25fachen dessen. Die Rechnung: 7,14% * 25 = 178,5%.

Der Wert des Zertifikates ist also um 278,5% gestiegen (100% als Ausgangswert + 178,5% Wertgewinn). Durch die Hebelwirkung ist es nun also 7,80 € wert (2,785 * 2,80 €) und hat seinen Ausgangswert nahezu verdreifacht.

Hebelprodukte: Erklärung der Vor- und Nachteile

Die beschriebene Hebelwirkung gilt freilich nicht nur in die eine Richtung – verliert der DAX um dieselbe Punktzahl, so wird auch der Verlust entsprechend „gehebelt“. Dies kann zum Totalverlust des eingesetzten Geldes führen. Hebel sind also ein zweischneidiges Schwert.

Die Hebelwirkung wird leicht unterschätzt. Anleger sollten daher darauf achten, nicht zu hohe Hebel zu verwenden.

Ein großer Vorteil ist jedoch, dass auch kleine Konten einen gewissen Spielraum haben, da sie für große Sprünge prinzipiell weniger Kapital einsetzen müssen.

Komplizierte Hebelprodukte sind in jedem Fall mit Vorsicht zu genießen. Eine sorgfältige Erklärung der Rahmenbedingungen durch den Emittenten sollte in Anspruch genommen werden. Je einfacher und durchsichtiger das Derivat ist, desto besser.

Zertifikate mit zahlreichen, undurchsichtigen Bedingungen sollten vor allem von Einsteigern eher gemieden werden. Für Börsenneulinge sind jedoch gerade die Zertifikate reizvoll, da sie keine sogenannte Nachschusspflicht beinhalten.

So kann es bei anderen Hebelprodukten passieren, dass der Anleger bei einem massiven Kursverlust des Basiswerts nicht nur das gesamte Kapital verliert, sondern sogar noch draufzahlen muss.

Nicht so bei den meisten Hebel-Zertifikaten: Hier stellt „nur“ der Totalverlust des Einsatzes den schlimmsten Fall dar.

8. Juni 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Max Fassbender
Von: Max Fassbender. Über den Autor

Max Fassbender arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.