Die Schlecker-Pleite kam nicht gerade aus heiterem Himmel.
Seit Jahren geht es abwärts, sowohl die Umsätze als auch das Image haben massiv gelitten.
Allein im Jahr 2011 hat die Billig-Drogeriekette rund 2 Millionen Kunden verloren.
Feilen am Sanierungsplan
Nun hat das Familienunternehmen Insolvenz beantragt. Der Regelbetrieb in den Filialen läuft vorerst weiter. Ein Sanierungsplan war bereits vor der offiziellen Zahlungsunfähigkeit erarbeitet worden.
Mit den Erben Meike und Lars Schlecker sollte frischer Wind in die Führungsetage kommen, doch die Maßnahmen kamen zu spät.
Nun soll am Konzept gefeilt werden. Einige hundert der insgesamt rund 7.000 noch verbliebenen Filialen werden wohl geschlossen, um die Kette insgesamt retten zu können.
Auch Premium-Tochter IhrPlatz ist pleite
Wenige Tage nach Bekanntwerden der Schlecker-Pleite hat nun auch das Tochterunternehmen IhrPlatz seine Zahlungsunfähigkeit verkündet. Zu groß sei die Abhängigkeit von Schlecker, als dass man trotz der Insolvenz weitermachen könne.
Betroffen sind hier noch einmal etwa 650 Filialen und 5.800 Beschäftigte.
Es ist nicht das erste Insolvenzverfahren, das IhrPlatz bestreitet. Bereits 2005 war das Unternehmen in Eigenregie saniert worden – erfolgreich, wie es schien. Die Übernahme durch Schlecker erfolgte 2007.
Schlecker-Rettung: neuer Name, besseres Image?
Im Gegensatz zu den kleinen, schmuddeligen Schlecker-Filialen orientierte sich IhrPlatz stärker an der Konkurrenz mit dem Premium-Image: größere Ladenfläche, hellere Aufmachung.
Genau davon könnte Schlecker nun profitieren.
Experten raten, sämtliche verbleibende Filialen der Kette künftig unter dem Namen „IhrPlatz“ laufen zu lassen.
Die Gründe sind einfach: Die Marke Schlecker ist verbraucht, das Image kaum mehr zu retten. Allzu stark wird der Name verknüpft mit den Negativ-Schlagzeilen, die in den vergangenen Jahren immer wieder für Furore sorgten. Mitarbeiterschikane und Dumpinglöhne machen sich beim Kunden nicht so gut.
Allein ob das den Firmengründer Anton Schlecker überzeugt, der die Zügel gern höchstpersönlich in der Hand hält, ist fraglich.
Schlecker haftet mit Privatvermögen
Nicht nur mit seinem Namen, sondern auch mit seinem Privatvermögen steht er für Schlecker. Durch die Unternehmensform „eingetragener Kaufmann“ steht er als Privatmann gerade für die Insolvenz seines Imperiums.
Gerüchte, wonach er sein Vermögen längst auf legalem Wege an seine Kinder überschrieben haben könnte, versuchte Tochter Meike Schlecker Anfang der Woche bei einer Pressekonferenz aus der Welt zu schaffen. Demnach sei ein Großteil des Familienvermögens bereits in die Sanierung der Drogeriemarktkette geflossen.
Gelingt der Neustart?
Es ist bitter, wenn das Lebenswerk vor den eigenen Augen wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt. Und doch kommt der Niedergang weder plötzlich, noch überraschend, noch unverschuldet.
Einen Großteil hat auch Schlecker Senior dazu beigetragen, dass die Kette den Bach runter ging. Bleibt zu hoffen, dass der Insolvenzverwalter einen guten Job macht und mit der Gründerfamilie, den Arbeitnehmervertretern und den Gläubigern eine Lösung findet, die möglichst viele Arbeitsplätze rettet und den Titel Neuanfang verdient.
Selbst wenn der Name Schlecker dabei auf der Strecke bleibt.



