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Helikoptergeld – was bedeutet der Geldregen?

Schon der ehemalige Chef der US-Notenbank Ben Bernanke dachte im Jahr 2002 über Helikoptergeld nach. Nun erwägt auch Japan diesen Schritt, um das Land aus der langjährigen Deflationsspirale zu befreien.

Der Grund: Obwohl Japans Notenbank seit geraumer Zeit eine ultralockere Geldpolitik fährt und zuletzt sogar einen Negativzins von 0,1% einführte, kommt das Geld nicht so richtig bei den Menschen und in der Wirtschaft an. Ganz im Gegenteil: Im vierten Quartal 2015 schrumpfte die Wirtschaftsleistung Japans um 1,4 %.

Die japanische Regierung erwägt nun ernsthaft, Geld an die junge Bevölkerung zu verteilen, in der Hoffnung, dass der Konsum endlich in Schwung kommt. Auch EZB-Chef Mario Draghi hält Helikoptergeld zumindest für ein „interessantes Konzept“ – doch was ist Helikoptergeld eigentlich?

Was ist Helikoptergeld? Eine Definition

Helikoptergeld ist per Definition zunächst frisch gedrucktes Zentralbankgeld, das direkt an die Bevölkerung verschenkt bzw. überwiesen wird. Damit umgeht die Zentralbank den herkömmlichen Bankensektor und gibt das Geld direkt an die Bürger.

Das ausgegebene Geld erhöht die Geldmenge und führt gleichzeitig zu einer Ausweitung der Zentralbank-Bilanz. Nimmt man das von EZB-Chef Mario Draghi ausgegebene Ziel zum Maßstab, die Zentralbank-Bilanz um eine Billion Euro auszuweiten, würde dies einen Betrag von etwa 3.000 € pro Bürger in der Eurozone bedeuten.

Helikoptergeld: Risiken und Chancen

Noch aber ist es nicht soweit. Top-Ökonomen wie der ehemalige Chefvolkswirt der EZB, Otmar Issing, als auch Hans-Werner Sinn (Präsident des Ifo-Instituts) warnen aufgrund der Risiken vor der Einführung des Helikoptergeldes.

Zum einen wird durch die Ausschüttung von Helikoptergeld die Geldmenge deutlich ausgeweitet. Wenn die Notenbank erst einmal damit begonnen hat Geld zu verschenken, dürfte es für es für die Europäische Zentralbank (EZB) schwierig werden, die Kontrolle über die Notenpresse wieder zu erlangen. Die Folge: Die Inflation könnte außer Kontrolle geraten und in einer Hyperinflation enden, wodurch das Papiergeld praktisch wertlos werden würde – siehe 1923 in Deutschland.

Zum anderen warnen Kritiker vor einem gefährlichen Präzedenzfall. Schließlich müssen Bürger durch Helikoptergeld nicht mehr arbeiten, sondern bekommen das Geld ohne Gegenleistung geschenkt. Dies könnte die Illusion schaffen, dass die Notenbank allein durch Gelddrucken die wirtschaftlichen Probleme lösen kann, so Kritiker.

Der ehemalige Yale-Professor Willem Buiter, der als Chefvolkswirt bei der US-Bank Citigroup tätig ist, sieht hingegen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen durch das Helikoptergeld.

Laut Buiter funktioniert Helikoptergeld immer, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind: Es muss zum einen vorteilhaft sein, ungedecktes Papiergeld zu halten, zum anderen muss dieses Geld einlösbar sein und vom Halter als Vermögenswert angesehen werden und nicht als Verbindlichkeit des Emittenten.

Zudem muss der Preis des Geldes positiv sein. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann Helikoptergeld die Konsumnachfrage stärken und so die Deflation bekämpfen, glaubt Buiter.

Fazit: Helikoptergeld bleibt umstritten

Selbst unter Top-Ökonomen ist Helikoptergeld umstritten, doch der Europäischen Zentralbank (EZB) rund um Mario Draghi gehen die Optionen aus, nachdem der Leitzins auf 0% gesenkt wurde und die Anleihekäufe auf 80 Mrd. € im Monat aufgestockt wurden.

Helikoptergeld-Befürworter verweisen darauf, dass das frisch geschaffene Geld der EZB in erster Linie im Bankenkreislauf bleibt und nicht in der Realwirtschaft ankommt. Darauf deutet auch die schwache Geldschöpfung durch Kredite der Banken für den privaten Sektor hin.

Sollte die EZB die Deflation in Europa nicht in den Griff bekommen, könnte der Geldregen durch den Hubschrauber das allerletzte Mittel sein, um Europas Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen.

Für Sparer und Euroanleger würde ein solcher Schritt wohl weitere Vermögenseinbußen in Form eines schwächeren Euros mit sich bringen, so dass sich Sachwerte (Aktien, Immobilien) oder Gold als Depotbeimischung wieder einmal bewähren könnten.

13. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands