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Hermann Heinrich Gossen und der Übergang zur Neoklassik

Gekränkte Eitelkeit oder falscher Stolz: Wäre es nach dem Willen von Hermann Heinrich Gossen (*1810, †1858) gegangen, wäre der Nachwelt nichts von seinen ökonomischen Thesen erhalten geblieben.

Da seine Theorien – wahrscheinlich aufgrund der komplexen mathematischen Zusammenhänge – keine Leserschaft fanden, versucht er kurz vor seinem krankheitsbedingten Tod alle Exemplare zu kaufen und zu vernichten. Niemand sollte nach seinem Tod von seinen Theorien profitieren.

Glücklicherweise misslang ihm sein Vorhaben. So wird er heute als einer der bedeutendsten Ökonomen des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Kein Volkswirtschaftler kommt an den Gossenschen Gesetzen vorbei. Da diese z.B. auch auf Aktien angewandt werden können, profitieren auch Privatanleger von Gossens Thesen.

Gossen und der Übergang zur Neoklassik

Heinrich Hermann Gossen schaffte die Grundlage der Grenznutzenschule und damit der mikroökonomischen Makrotheorie. So fand mit Gossens ökonomischen Theorien der Übergang zur Neoklassik und damit eine Weiterentwicklung der klassischen Nationalökonomie seinen Anfang.

Das Streben nach der Lösung des klassischen Wertparadoxon, kurzum der Unterschied zwischen Nutzen, Wert und Preis eines Gutes (warum ist ein Diamant meist mehr Wert als lebensnotwendiges Wasser?), bekommt durch die Gossenschen Gesetze eine neue Erklärbarkeit.

Die Lösung des Wertparadoxon

Die Gossenschen Gesetze erklären dieses Paradoxon, da hierbei der Grenznutzen, also der subjektive Wert eines Gutes, den Preis bestimmt. Verfügt man über gleiche Mengen an Wasser und Diamanten, besitzt Wasser den höheren Grenznutzen und damit einen höheren Preis. Ein Beispiel: Ein Verdurstender in der Wüste wird in seiner verzweifelten Situation einem Schluck Wasser eine größere Bedeutung zumessen als einem Diamanten.

Da jedoch Diamanten allgemein lediglich in begrenzter Menge zur Verfügung stehen, erweist sich der Grenznutzen eines Diamanten in der Regel als sehr hoch, was sich dann im Preis widerspiegelt.

Die Gossenschen Gesetze

Die 2 Gossenschen Gesetze untersuchen anhand mathematischer Theorien den Grenznutzen eines Gutes.

Das 1. Gossensche Gesetz befasst sich mit dem Nutzen bei zunehmender Menge. Der erste Schluck Wasser in der Wüste ist demnach von hohem Nutzen, jeder weitere Schluck verringert den Grenznutzen. Somit wird das 1. Gossensche Gesetz auch das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens genannt.

Das 2. Gossensche Gesetz (auch Grenznutzenausgleichsregel genannt) richtet seinen Blick auf den Gesamtnutzen. In einem Familienhaushalt muss sich der Einkauf verschiedenen Geschmäckern anpassen. Wenn jeder in der Familie morgens eine Scheibe Brot isst, jedoch nur ein Familienmitglied zusätzlich ein Müsli essen möchte, sollte beim Einkauf mehr Brot als Müsli gekauft werden. So fällt der Gesamtnutzen für die Familie höher aus.

Entdecker des Grenznutzens

Gossens Thesen finden zwar nicht Zeit seines Lebens, jedoch posthum ihre Anerkennung. 20 Jahre nach Erscheinen der Gossenschen Gesetze erscheinen fast zeitgleich Publikationen der Ökonomen Léon Walras, William Stanley Jevons und Carl Menger zum Thema der Grenznutzentheorie (auch Marginaltheorie genannt).

Der Streit dieser Vertreter der Neoklassik um die Entdeckungshoheit des Grenznutzens und seine mathematische Ausführung wurde mit der Wiederentdeckung von Gossens Publikation jedoch ohne Belang. Gossen entdeckte den Grenznutzen schon Jahrzehnte vor ihnen. Somit kennzeichnen die Gossenschen Gesetze 20 Jahre nach Gossens Tod den Übergang zur Neoklassik.

Einfluss Gossens

Auch wenn Gossen Zeit seines Lebens keine Anerkennung seiner ökonomischen Theorien erhielt, entwickelte er doch eine überzeugende Theorie des Grenznutzens und ermöglichte die Lösung des klassischen Wertparadoxon. Sein Wirken wurde zwar Zeit seines Lebens nicht gewürdigt, jedoch kann sich heutzutage kein Volkswirtschaftler der Kenntnis der Gossenschen Gesetze entziehen.

5. Januar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sonja Hüsken. Über den Autor

Schon vor ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre beschäftigte sich Sonja Hüsken intensiv mit dem Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft und der Frage nach der richtigen Vorsorge. Immer im Fokus: Der Mehrwert der Information für den Leser.