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Höhere US-Zinsen sind kein Anlass zur Panik

Leitzinsen bestimmen unseren Alltag. Als Steuerungselement wirken sie entweder einer Inflation entgegen oder sie stimulieren die Wirtschaft. Zudem: Sind sie hoch, werden Zinsanlagen attraktiver, sind sie niedrig, profitiert gerade der Aktienmarkt.

Je länger eine Phase dauert und sich alle darauf eingerichtet haben, desto bedeutender ist die Frage, in welchem Umfang eine Zinswende Auswirkungen nach sich zieht.

Zinswende: Auswirkungen für Anleger

Vor allem wenn die amerikanische Zentralbank Fed agiert, wird das Thema Zinswende und die Auswirkungen weltweit mit Spannung beobachtet. Üblicherweise ziehen recht schnell die anderen Notenbanken nach.

Als aber im Dezember 2015 die Fed das Ende der seit der Finanzkrise von 2007 andauernden Niedrigstzinsära einläutete, folgte die EZB nicht. Auch Japan und China blieben bei der lockeren Geldpolitik. Die guten wirtschaftlichen Rahmendaten, die extrem niedrige Arbeitslosenquote von 5,3 % sowie ein erwarteter Inflationsauftrieb in den USA wiederum machten diesen Schritt notwendig.

Die Fed hebt die Zinsen, der Rest hält sich vorläufig bedeckt, in dieser Konstellation sind die Auswirkungen der Zinswende nicht vollständig vorhersehbar. Zumindest ist klar: Am Finanzmarkt geben die Amerikaner den Ton an.

Aktien bleiben attraktiv

Werden die Zinsen laut Plan eins ums andere angehoben, müssten Anleger, die US-Aktien im Depot halten, eigentlich mit etwas sinkenden Renditen rechnen. Andererseits wurde die Zinswende schon länger erwartet und ist vielfach bereits eingepreist. Außerdem profitieren amerikanische Unternehmen von ihrem Anlass, der dynamischen Konjunktur.

US-Exporteure indes bekommen einen starken Dollar zu spüren, der eine Folge der Zinsanhebung ist. Dies wiederum kommt den europäischen Firmen zugute, weshalb auch deutsche Aktien attraktiv bleiben. Problematisch wird es eher für Schwellenländer. Die leiden ohnehin seit geraumer Zeit. Dass eine stärkere US-Währung zusätzlichen Druck ausübt, hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt.

Aufpassen bei Anleihen

Ein historischer Rückblick zeigt aber auch: Bei einer Zinswende nach oben sollte man mit US-Anleihen zurückhaltend sein. Auch wenn die Renditen steigen, so sinken umgekehrt die Kurse. Zudem: Werden neue Anleihen attraktiver, kommen viele auf die Idee, ihre alten Papiere schnell loszuwerden. Je mehr verkaufen wollen, desto rapider sinken die Kurse. Wer Anleihefonds hält, kann davon betroffen sein.

Interessanter sind in dem Fall eher Anleihen mit attraktiven Renditen und einer Notierung in Dollar anderer Länder. Die gibt es etwa in Südkorea oder Mexiko. Anleihen von US-Unternehmen wiederum haben den Vorteil, dass die gute Konjunktur deren Bonität stützt und damit den Markt.

Rohstoffe unabsehbar

Stichwort Währung: Weil Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, werden sie mit einem stärkeren Dollar teurer. Das gilt für Öl genauso wie für Gold und Kupfer. Ob und wann aber der Ölpreis wegen der konjunkturbedingten Nachfrage anzieht, ist nicht absehbar – eher Industriemetalle. Andererseits ist der Bedarf in China nicht mehr so hoch wie zuvor. Gerade bei Öl spielt letztlich eine Reihe von Faktoren eine Rolle.

Die Situation bei deutschen Sparanlagen dürfte sich erst dann grundlegend ändern, wenn auch die EZB eine Zinswende einleitet. Leichte Verteuerungen bei Darlehen und Baukrediten indes sollten eingeplant werden.

Insgesamt gibt es für Anleger hierzulande keinen Anlass zu Panik, auch wenn es zu kurzfristigen Verwerfungen kommen kann. Bei einer Zinswende reagiert jede Anlageklasse etwas anders. Gefragt sind vor allem langfristiges Denken und breite Streuung, bei der sich Verluste ausgleichen.

22. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.