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Hoher Bedarf bei Pflegeimmobilien – Studie neu erschienen

Ich bin immer auf der Suche nach Meldungen zu weiterem Bedarf in der Immobilienwirtschaft.

Die neue Studie zu den Pflegeheimplätzen, die gerade über das DEAL-Magazin und das Netzwerk Kon-ii veröffentlicht worden ist, gibt wichtige Anregungen.

320.000 weitere Pflegeheimplätze in 18 Jahren erforderlich

Es werden 210.000 stationäre Pflegeheimplätze bis 2020 und 320.000 neue Pflegeheimplätze bis 2030 in Deutschland benötigt. Allerdings ist der Bedarf regional sehr unterschiedlich aus.

  • Berlin: plus 31% bis 2020 und plus 47% bis 2030
  • Hamburg: bis 2020 plus 16% und bis 2030 plus 26%

Dies sind Ergebnisse einer aktuellen Pflegeheim-Marktstudie der Wüest & Partner AG und Ottenströer Immobilienwirtschaft I Regionalökonomie.

Insgesamt steigt der Bedarf nach Pflegeleistungen

Statistisch gesehen waren im Jahr 2009/10 2,34 Mio. Menschen in Deutschland lebenden Menschen pflegebedürftig (vgl. Destatis-Angaben).


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Das entspricht einem Anteil von 2.9% der gesamten Bevölkerung. Allein zwischen 2003 und 2009 ist die Zahl der Pflegebedürftigen um 12,6% gestiegen.

Weiterer Anstieg prognostiziert

Auch in den kommenden Jahren wird sich diese Entwicklung fortsetzen. Trotz des zukünftigen Schrumpfens der Gesamtbevölkerung in Deutschland wird die Zahl älterer Menschen aufgrund der demografischen Alterung deutlich zunehmen.

Demografie

Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zeigten, dass bis 2030 mit einer Steigerung der über 60-Jährigen von 21,2 Mio. auf 28,5 Mio. Menschen (+34,5%) gerechnet wird.

Deutlicher fällt die Steigerungsrate bei den Hochbetagten über 80 Jahre – eine Altersgruppe mit hohem Risiko der Pflegebedürftigkeit – aus.

Wo wird gepflegt?

Aktuell werden von den Pflegebedürftigen gegenwärtig 69% zu Hause und 31% in 11.600 Pflegeheimen mit über 845.000 stationären Pflegeplätzen versorgt. In 2009/10 lag der durchschnittliche Auslastungsgrad der verfügbaren Pflegeplätze in Deutschland bei 86,6%.

Aktuell erreichen die östlichen Bundesländer sowie das Ruhrgebiet hohe durchschnittliche Auslastungsgrade. Die geringsten Auslastungsgrade sind in Rheinland-Pfalz, Berlin, Schleswig-Holstein und Hamburg zu beobachten.

Mehr als 100.000 Pflegeheimplätze allein in zwei Bundesländern

Aufgrund eines starken Anstiegs der Anzahl der Hochbetagten werden bis 2030 laut Studie allein in Bayern über 50.000 neue Pflegeheimplätze benötigt. Nur noch Nordrhein-Westfalen hat bei den Bundesländern mit etwa 57.000 Pflegeheimplätzen einen höheren Bedarf.

Bis 2030 hat bei den deutschen Metropolen Berlin mit etwa 16.000 zusätzlichen Pflegeheimplätzen den mit Abstand größten Bedarf. Dies entspricht 133 größeren Pflegeheimen mit jeweils 120 Pflegeplätzen.

Im Vergleich zur Bundeshauptstadt sind die bis 2030 notwendigen 4.500 neuen Pflegeheimplätze in Hamburg überschaubar.

Für München wird mit einem Zusatzbedarf von etwa 2.500, für Köln mit 2.300 und für Dresden und Leipzig mit jeweils 2.200 benötigten Pflegeheimplätzen gerechnet.

Frankfurt am Main hat mit 1.100 zusätzlich notwendigen Pflegeheimplätzen einen geringeren Nachfragedruck zu erwarten.

Die regional abweichenden Bedarfe sind auf Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung sowie regionalen Pflege- und Heimquoten zwischen den Städten zurückzuführen.

Chancen für Immobilieninvestoren

Deutsche Pflegeheime sind bei Immobilieninvestoren weiterhin begehrt. Neben dem demografisch bedingten Bedarfswachstum sind auch langfristige Mietverträge mit professionellen Betreibern Grund für das wachsende Interesse.

Dem steht jedoch eine oft geringe Drittverwendungsfähigkeit von Pflegeheimen entgegen. Da Pflegeheime Betreiberimmobilien sind, hängt der nachhaltige Erfolg, neben dem richtigen Standort, vor allem vom richtigen Konzept und der Professionalität und Bonitätsstärke des Betreibers ab.

Zukünftig ist eine verstärkte Bildung von Pflegeheimketten zur Generierung von Wettbewerbsvorteilen, Kostensynergien sowie verstärkter Markenbildung zu erwarten.

Der Nachfrageboom wird sich zwischen 2020 und 2050 ergeben, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ab 1960 („Baby-Boomer“) alt und pflegebedürftig werden.

Langfristig ist dann wieder mit sinkender Nachfrage nach Pflegeleistungen zu rechnen, da geburtenschwache Jahrgänge nachrücken. Deshalb besteht langfristig die Gefahr von Überkapazitäten mit sinkenden Auslastungsgraden.

Wird diese Bedarfsentwicklung beachtet, sollten die neuen Heime so konzipiert werden, dass eine spätere Umnutzung z.B. für Wohnen, Büro oder Hotel möglich ist.

26. Juli 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sven Johns. Über den Autor

Sven R. Johns ist Rechtsanwalt und war 15 Jahre Bundesgeschäftsführer des Immobilienverband IVD (bis Mitte 2012). Seit fast 20 Jahren ist er zunächst als Rechtsanwalt und dann als Geschäftsführer im Immobiliengeschäft vertraut.