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Hybridanleihen: Große Chance bei großem Risiko

Hybridanleihen sind eine sehr heterogene Wertpapiergattung. Die einzelnen Papiere können sich beträchtlich voneinander unterscheiden. Dennoch gibt es einige Gemeinsamkeiten, die alle Hybridanleihen aufweisen. Hybridanleihen haben eine sehr lange Laufzeit. Mehrere Jahrzehnte bis 100 Jahre sind bei diesen Papieren keine Seltenheit.

Es gibt auch Endlos-Hybridanleihen ganz ohne festen Fälligkeitstag. Bei Hybridanleihen hat aber der Emittent (also das Unternehmen, das diese Anleihen herausgibt) ein vorzeitiges Kündigungsrecht zu bestimmten Stichtagen.

Diese Stichtage stehen von Anfang an schon bei Emission dieser Papiere fest. Ob tatsächlich vorzeitig gekündigt wird, liegt ganz im Ermessen des Emittenten. Oder anders gesagt: Es ist abhängig von der finanziellen Situation des betreffenden Unternehmens.

  • Bei der Mehrzahl der Hybridanleihen hat der Emittent frühestens 5 oder 10 Jahre nach der Emission die erste Möglichkeit, vorzeitig zu kündigen.
  • Üblicherweise werden solche Anleihen tatsächlich vorzeitig gekündigt – und zwar zum erstmöglichen Kündigungstermin. Denn sollte dieser ungenutzt verstreichen, erhöht sich bei vielen Hybridanleihen automatisch der Zins-Kupon.
  • Der Emittent muss dann deutlich höhere Zinsen an die Anleiheninhaber zahlen. Deshalb wird er die Hybridanleihe üblicherweise kündigen und bei weiterem Finanzbedarf lieber eine neue Anleihe mit niedrigerem Zins-Kupon begeben.

Unabhängig davon, ob der Emittent vorzeitig kündigt oder nicht, haben Sie als Investor aber jederzeit die Möglichkeit, Ihre Hybridanleihe an einer Börse zu verkaufen.

Hybridanleihen: Stärkere Kursschwankungen

Bei Anleihen, deren Rückzahlung als sicher gilt, sind zwischenzeitliche Kursverluste üblicherweise nicht das Problem der Anleiheinhaber. Denn sie müssen lediglich bis zum Fälligkeitstag abwarten. Dann wird der Nominalwert der Anleihe (also 100%) zurückgezahlt.


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Bei Hybridanleihen ist dieses „Aussitzen“ der Kursschwankungen nicht so ohne Weiteres möglich. Denn Sie kennen im Voraus den Fälligkeitstag nicht mit absoluter Sicherheit. Er hängt davon ab, ob und wann der Emittent die Anleihe vorzeitig kündigt.

Das ist ein Grund, warum die Kurse von Hybridanleihen üblicherweise deutlich stärker schwanken als die Kurse von „normalen“ Unternehmensanleihen: Der Emittent kann zwar vorzeitig kündigen (und tut dies meist auch gleich zum erstmöglichen Stichtag), aber sicher ist die Rückzahlung zum betreffenden Zeitpunkt nicht.

In der Zwischenzeit wirkt sich jede Nachricht über die Zahlungskraft des Emittenten auf den Kurs der Hybridanleihen aus. Was auch verständlich ist, wenn man sich den nächsten Punkt vor Augen hält.

Hybridanleihen sind nachrangig – geringe Ansprüche im Pleitefall

Hybridanleihen sind nachrangige Anleihen. Das bedeutet: Falls der Emittent Insolvenz anmelden muss, stehen Sie als Inhaber solcher Anleihen ganz hinten auf der Liste der Gläubiger. Zuerst werden die Forderungen aller anderen Gläubiger aus der restlichen Vermögensmasse bedient.

Darunter sind beispielsweise auch die der Investoren, die in erstrangige Unternehmensanleihen investiert haben. Nachrangige Gläubiger (und eben auch Inhaber von Hybridanleihen) müssen wissen, dass sie im Fall einer Unternehmenspleite leer ausgehen können.

Höhere Zinsen als Ausgleich für höheres Risiko

Üblicherweise werden am Anleihenmarkt höhere Risiken mit einem Zinsaufschlag belohnt. So ist es auch bei Hybridanleihen: Die Tatsache, dass Sie als Anleihengläubiger im Insolvenzfall hinter die anderen Gläubiger zurücktreten, bringt Ihnen höhere Zinsen – gewissermaßen als Entschädigung für die fehlende Sicherheit.

Konkret werfen Hybridanleihen üblicherweise rund 2 Prozentpunkte mehr ab als erstrangige Anleihen desselben Unternehmens. Der Zins-Kupon kann sich erhöhen, wenn der Emittent die betreffende Hybridanleihe nicht gleich zum erstmöglichen Stichtag kündigt. Aber wie gesagt: Die schnellstmögliche Rückzahlung ist der Regelfall.

Hybridanleihen: Kalkulieren Sie Stückzinsen ein

In Sachen Stückzinsen funktionieren Hybridanleihen genauso wie normale Anleihen: Beim Kauf müssen Sie zusätzlich zum Nominalbetrag Stückzinsen an den vorherigen Inhaber zahlen.Es handelt sich dabei um den Anteil an der nächsten Ausschüttung, der entsprechend seiner Haltedauer auf ihn entfällt.

Wenn Sie also eine Hybridanleihe ein Vierteljahr vor der nächsten Ausschüttung kaufen, bekommt der Vorbesitzer drei Viertel des Ausschüttungsbetrags in Form von Stückzinsen von Ihnen als Käufer. Wenn Sie Ihre Hybridanleihe wieder verkaufen, erhalten Sie im Gegenzug ebenfalls Stückzinsen vom Käufer.

Erst die Emissionsbedingungen offenbaren mögliche Nachteile

Bei Hybridanleihen gibt es viele unterschiedliche Modelle. Erst die Emissionsbedingungen offenbaren so manche Besonderheit, die sich im Nachhinein als Nachteil erweisen kann.

  • Bei vielen Hybridanleihen kann der Emittent – siehe oben – die Zinsausschüttungen unter bestimmten Voraussetzungenausfallen lassen oder aufschieben. Etwa wenn das Unternehmen Verluste gemacht hat oder wenn die Aktionäre auf ihre Dividenden verzichten müssen.
  • Bei manchen Hybridanleihen werden die Zinsen nur ausgeschüttet, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, etwa wenn bestimmte Finanzkennzahlen (Jahresüberschuss, EBIT, EBIT-Marge etc.) die Erwartungen erfüllen oder übertreffen.
  • Die Nachzahlung versäumter Zinsausschüttungen ist zwar bei einigen Hybridanleihen vorgesehen – aber längst nicht bei allen.

Allerdings gilt bei allen Einschränkungen: Ein Zins-Ausfall ist für den Emittenten sehr unangenehm. Spätestens bei der Platzierung der nächsten Unternehmensanleihe werden sich die Anleger an den Zahlungsausfall erinnern und kein neues Geld investieren.

Die Unternehmen werden alles tun, um die Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Dennoch empfehlen wir Ihnen vor dem Kauf einer Hybridanleihe unbedingt den Blick in die Emissionsbedingungen. Nur so ist sichergestellt, dass Sie später keine unangenehmen Überraschungen erleben.

23. September 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.