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Hybridanleihen: Emissionsbedingungen sind wichtig

Aufgepasst: Keine Hybridanleihe ist wie die andere. Es lohnt sich daher, das Kleingedruckte zu lesen. Denn erst ein Blick in die Emissionsbedingungen zeigt, wie unterschiedlich die Regelungen sein können.

Emissionsbedingungen: Einige Beispiele

  • Der Emittent kann Zinsausschüttungen unter bestimmten Bedingungen ausfallen lassen oder aufschieben. Zum Beispiel dann, wenn das Unternehmen Verluste schreibt oder wenn es auch keine Dividenden an die Aktionäre zahlt.
  • Eine Auszahlung der Zinsen ist oft an bestimmte Finanzkennzahlen (Jahresüberschuss, Ebit, Ebit-Marge etc.) gebunden.
  • Bei einigen Hybridanleihen werden versäumte Zinsausschüttungen in späteren Jahren nachgezahlt, bei anderen dagegen nicht.
  • Es gibt sogar Hybridanleihen, die ausgesetzte Zinszahlungen durch die Ausgabe von Aktien ersetzen können.

Ein Blick in die Emissionsbedingungen ist daher unerlässlich, um nicht auf eine Hybridanleihe mit sehr ungünstigen Bedingungen hereinzufallen.


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Die Sicht des Emittenten: Warum werden Hybridanleihen überhaupt herausgegeben?

Ein Unternehmen muss höhere Zinsen zahlen und es macht in der Regel von seinem vorzeitigen Kündigungsrecht Gebrauch – warum also werden überhaupt Hybridanleihen emittiert und nicht direkt normale Unternehmensanleihen mit einem niedrigeren Zins-Kupon und festen Laufzeiten?

Ganz einfach: weil Hybridanleihen für das emittierende Unternehmen einige entscheidende Vorteile mit sich bringen.

Flexible Bedingungen

Nicht in jedem Fall muss ein Unternehmen Zinsausschüttungen zahlen. Je nach Emissionsbedingungen kann sich ein Unternehmen vorbehalten, nur dann Zinsen zu zahlen, wenn ein bestimmter Gewinn oder eine bestimmte

Gewinnmarge erreicht wurde.

Wenn es dem betreffenden Unternehmen schlecht geht, kann es die Zinszahlung auf seine Hybridanleihen auch einmal ausfallen lassen – was in den betreffenden Jahren eine enorme Erleichterung bedeutet.

Flexibilität in Sachen Kündigung

Theoretisch läuft eine Hybridanleihe sehr lange bis ewig. Praktisch gibt es aber die Möglichkeit einer vorzeitigen Kündigung ab einem bestimmten Termin oder zu bestimmten, von Anfang an festgelegten Terminen.

Das verschafft dem emittierenden Unternehmen größtmögliche zeitliche Flexibilität.

Ersatz für Eigenkapital

Banken, Investoren und Rating-Agenturen sehen sich die Bilanz sehr genau an. Ein wichtiges Bewertungskriterium für das Rating und die Kreditwürdigkeit ist die sogenannte Verschuldungsquote.

Dabei geht es um die Frage, wie viel Prozent des Gesamtkapitals das Fremdkapital ausmacht. Eine hohe Verschuldungsquote ist meist ein Alarmzeichen. Aber: Die Schulden aus Hybridanleihen werden wegen ihrer extrem langen Laufzeit meist als Ersatz für Eigenkapital angesehen.

Das auf diese Weise geliehene Geld schlägt also nicht unbedingt negativ zu Buche, zumal die Inhaber der Hybridanleihen im Insolvenzfall bereit sind, darauf zu verzichten (Nachrangigkeit). Aus Sicht des emittierenden Unternehmens ist das ein klarer Pluspunkt.

Keine Neuemission von Aktien

Viele Unternehmen holen sich neues Geld am Kapitalmarkt, indem sie neue Aktien emittieren. Das erfreut die Aktionäre aber zumeist überhaupt nicht; schließlich verlieren ihre Aktien an Wert.

Dieser sogenannte Verwässerungseffekt bleibt aus, wenn ein Unternehmen stattdessen Hybridanleihen emittiert. Das neue Geld wird eingesammelt, ohne dass die Aktionäre sich mit einem kleineren „Kuchenstück“ begnügen müssen.

Klare Steuervorteile

Auch steuerlich profitiert ein Unternehmen von der Ausgabe von Hybridanleihen: Die geleisteten Zinszahlungen kann es als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen.

14. November 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.