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ifo Geschäftsklima: Unwichtig für Börsengeschäfte

Am 25.01.2016 wurde wieder „das ifo Geschäftsklima, der vielbeachtete Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands“ (Zitat: „ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.“) veröffentlicht.

Der Index war leicht rückläufig. Nach Agentur-Meldungen kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn das so: „Die deutsche Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr.“

Noch am selben Tag fiel der DAX 30 nach der Veröffentlichung des ifo Geschäftsklima-Index leicht.

Der rückläufige DAX 30 wurde von Analysten mit dem gefallenen ifo Geschäftsklima-Index begründet.

Ich könnte aber auch sagen: Nach der Veröffentlichung des ifo Geschäftsklima-Index schwankte der DAX 30 weniger stark als die Tage zuvor.

Er hielt sich fast auf dem Niveau der Kursgewinne der vorangegangenen Tage.

Ein paar Punkte mehr gab der DAX 30 dann nachmittags ab, als er den schwächelnden US-Börsen folgte.

Beachten Sie den ifo Geschäftsklima-Index nicht

Regelmäßig kritisiere ich an dieser Stelle die Prognosen der Konjunktur-Forscher. Sie liegen einfach zu oft daneben.


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Oder die Umfragen sind dermaßen schwammig formuliert, dass eine zuverlässige Prognose von vornherein ausscheidet.

Und zu guter Letzt: Die Prognosen haben keinen nachhaltigen Einfluss auf die Börsenkurse – und um die geht es hier.

Deshalb mein Tipp: Wenn Ihnen die einschlägigen Institute künftig eine Wirtschafts- oder Konjunktur-Prognose präsentieren, schalten Sie den Fernseher um oder den Ton ab und im Internet klicken Sie einfach weiter.

Am nächsten Tag werden die Prognosen schließlich sowieso schon wieder anders lauten.

Das ifo Institut erklärt das Zustandekommen seines Berichts und des Index wie folgt:

Das ifo Geschäftsklima ist ein vielbeachteter Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands.

Er basiert auf ca. 7.000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Großhandels und des Einzelhandels.

Die Unternehmen werden gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate mitzuteilen.

Sie können ihre Lage mit „gut“, „befriedigend“ oder „schlecht“ und ihre Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate als „günstiger“, „gleich bleibend“ oder „ungünstiger“ kennzeichnen.

Die Antworten werden nach der Bedeutung der Branchen gewichtet und aggregiert.

Der Saldowert der gegenwärtigen Geschäftslage ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten „gut“ und „schlecht“, der Saldowert der Erwartungen ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten „günstiger“ und „ungünstiger“.

Das Geschäftsklima ist ein Mittelwert aus den Salden der Geschäftslage und der Erwartungen.

Alles klar? Zumindest für das ifo Institut scheint es vollständige Klarheit zu geben.

Denn aus schwammigen Antworten wie „gut“ oder „schlecht“ und deren Gewichtung sowie Aggregation (Zusammenfassung) errechnet das ifo Institut den ifo Geschäftsklima-Index – und zwar bis in den Promille-Bereich.

Unsinniger ifo Geschäftsklima-Index

Ehrlich gesagt: Das finde ich schon fast lustig, sicher aber unsinnig. Das „Unsinnig“ gilt, die Wortspielerei bietet sich an, obwohl oder weil der Noch-Präsident des ifo Instituts mit Nachnamen „Sinn“ heißt.

Die Ergebnisse werden jeden Monat von den Medien brav nachgeplappert und als wichtig für die Börse bezeichnet. Immerhin steht ja auch (der scheidende) Professor Sinn hinter diesem Unsinn.

Meine Meinung zum ifo Geschäftsklima-Index: Er gleicht dem Lesen aus dem Kaffeesatz. Vergessen Sie ihn!

26. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi" und "Heißmanns Königsklasse". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.