Die implizite Volatilität, also die erwartete Schwankungsstärke, beeinflusst nicht nur die Zertifikate, die sich direkt oder indirekt auf den VDAX beziehen.
Viele Optionsscheine und Zertifikate sind von der Volatilität abhängig.
Denn: Die erwartete Schwankungsstärke beeinflusst maßgeblich die Preisfeststellung. So hängt die Kursentwicklung eines Optionsscheins nicht nur von der Entwicklung des Basiswerts ab.
Der Kurs eines Kauf-Optionsscheins (Call) kann sich zum Beispiel deutlich verändern, obwohl sich die Aktie um keinen einzigen Cent bewegt. Kurs beeinflussende Größen sind auch das Zinsniveau, die Dividendenausschüttung und vor allem: Die erwartete Schwankungsstärke.
Das ist aus Sicht der Emissionsbanken auch verständlich: Wenn der VDAX extrem hohe Schwankungen signalisiert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Basiswert deutlich steigt oder fällt.
Daher wird durch eine bestimmte Formel der Preis eines Optionsscheins nach oben gehebelt, wenn die Volatilität ansteigt. Der Einstieg in den Optionsschein wird für den Anleger teurer. Die Banken kassieren eine Art „Risikoprämie“.
Umgekehrt ist das Risikoprofil bei einem Discount-Zertifikat. Wenn die Volatilität steigt und es an der Börse richtig stürmisch wird, können Ihnen die Banken bei den Discount-Zertifikaten höhere Rabatte und einen größeren maximalen Ertrag anbieten.
Auswirkungen der Volatilität auf Optionsscheine und Zertifikate
Aus der Übersicht können Sie Strategien für Ihre eigene Wertpapierauswahl ableiten.
- Die Investition in einen Kauf- oder Verkaufs-Optionsschein ist für Sie besonders dann aussichtsreich, wenn Sie fest überzeugt sind, dass der Kurs des Basiswerts steigt (Call) oder fällt (Put) und zusätzlich die erwartete Schwankungsstärke zunimmt.
- Bei extremen Kursschwankungen lohnt sich nur selten der Kauf eines Optionsscheins. Bei einer Beruhigung der Märkte fällt die implizite Volatilität und drückt den Kurs des Optionsscheins nach unten.
- Als Alternative bieten sich in Zeiten starker Turbulenzen Hebelzertifikate an, weil diese nicht auf Vola-Änderungen reagieren. Beachten Sie bei diesen Papieren immer die Knock-out-Schwelle, die zu einem Total-Verlust führen kann.
- In ruhigen Börsenphasen sind Discount-Zertifikate nicht sehr attraktiv. Der Abschlag auf den Aktienkurs ist zu gering.
- Fazit: Wenn sich der VDAX in einem Tief befindet, empfiehlt Ihnen der „Geldanlage-Berater“ den Einstieg in Optionsscheine mit langer Laufzeit.
Rückblick 2005: VDAX auf Rekordtief
Das historisch niedrige Niveau beim VDAX im Jahre 2005 bedeutete für Sie: Sie konnten günstig in Optionsscheine auf den DAX investieren.
Da ein niedriger VDAX-Wert in der Vergangenheit auch oft parallel zu einem leichten Konjunkturaufschwung auftrat, boten sich die Investition in einen Kauf-Optionsschein (OS) auf den DAX an.
Wichtig bei der Auswahl war: Die Laufzeit musste lang genug sein. Sie hätten also einen Optionsschein wählen müssen, der Ihnen einen Zeitpuffer von mehr als zwei Jahren bot.
Niedrige Volatilität und lange Laufzeit
Optionsschein-Alternative für unklare DAX-Zeiten: Straddle-Strategie
Wenn Sie auf einen steigenden VDAX setzen möchten, aber keine eindeutige Einschätzung zur DAX-Entwicklung haben, ist für Sie die „Straddle-Strategie“ erste Wahl.
Durch den gleichzeitigen Kauf von Call und Put nehmen sie eine marktneutrale Stellung ein. Sie setzen dann nicht auf die Bewegung des Basiswerts, sondern auf eine positive Kursbewegung durch den erwarteten Anstieg der Volatilität.


