von GeVestor

In China braut sich was zusammen

In China braut sich was zusammen

Dies wird den Welthandel gewaltig auf den Kopf stellen. Zwar sind die Lohnkosten seit Anfang des Jahres im Durchschnitt um über 10 % angestiegen, dies ist vor dem Hintergrund steigender sozialer Unruhen noch nicht das Ende der Fahnenstange. Die militante Haltung hätte nicht ohne die stille Duldung Pekings durchgreifend eingenommen werden können. Einzelne politische Beobachter glauben sogar, dass Peking zu diesem neuen Vorgehen der Arbeiter sogar diskret seinen Segen gegeben haben könnte.

Peking hat sich für den sozialen Frieden und gegen ein rigoroses Regime mit extrem niedrigen Löhnen entschieden. Andererseits bedrohen steigende Löhne das Wachstum Chinas. Aber die Regierung hat sich zu einer Geldspritze zur Beruhigung des Volkes entschieden. Das war auch dringend nötig, denn die Streiks hatten ausgerechnet ausländische Firmen betroffen: Foxconn und Honda.

Honda als japanischer Autobauer (Joint-Venture mit Chinesen) und Foxconn mit über  400’000 (!) Arbeitern als taiwanesische Elektronikherstellerin waren bisher Chinas Vorzeigeunternehmen gewesen, um ausländische Investitionen und Joint Ventures nach China zu locken.

Die soziale Lage der Arbeiter ist weiter beklagenswert. Sie haben keine Krankenversicherung, und viele verlieren später auch ihre Rente, obwohl sie ihnen vom Lohn abgezogen wird. Neben dem Fehlen einer Krankenversicherung ist die Rente gefährdet. Wenn die  Wanderarbeiter zurück in ihre Dörfer gehen, wird ihnen auch die Rente gestrichen. Ein Anrecht auf die Rente besteht auch nur wenn sie 15 Jahre lang an ein und demselben Ort gearbeitet haben. Arbeitsrechtler Liu Kaiming beklagt ein Sozialsystem, welches noch aus der Zeit der sozialistischen Planwirtschaft stammt. Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass viele ältere Arbeiter unter fadenscheinigen Gründen nach zehn oder mehr Jahren zurück in die Dörfer geschickt werden. Meist erfolgt dies unter dem Segen der örtlichen Behörden, die oftmals direkt oder indirekt an den Unternehmungen beteiligt sind.

Die aktuelle Selbstmord-Serie bei Foxconn hat für Aufsehen gesorgt. Aufgrund der großen Anteilnahme im Ausland sah sich Peking zum Reagieren gezwungen. Als skandalös wurde im Westen zum Beispiel das Schicksal des 19-jährigen Arbeiters empfunden, der aus seinem Fabrikwohnheim in den Tod sprang. Im Monat davor hatte 286 gearbeitet – davon mit 112 Überstunden mehr als das Doppelte des Zulässigen. Der Verdienst lag bei rund 70 Cents je Stunde. Seither haben zwölf weitere Arbeiter des Herstellers von iPhones und iPads versucht sich das Leben zu nehmen. Erst als Apple-Chef Steve Jobs persönlich eine volle offene Untersuchung forderte, schaltete sich Peking ein. Es verfügte Lohnerhöhungen von bis zu 65 Prozent! Ein ähnliches Bild bei Honda.

Die massiven Lohnerhöhungen bedeuten für China auch massive Exportverluste. Zwar wird dieser Prozess schleichend vorangehen, dennoch können die ersten Anzeichen erkannt werden. Daher ist die Regierung bemüht die Binnennachfrage zu stärken um das von den Chinesen über mehrere Jahre angesparte Kapital in den Geldkreislauf einzubeziehen. Bisher hat das aber nur auf dem Immobilienmarkt funktioniert, was dazu geführt hat, dass dieser hoffnungslos durch spekulative Kredite überladen ist. Fachleute meinen gar, die chinesische Immobilienblase sei größer als die von Japan in den 90er Jahren.  Die Bank of China ist deshalb in größter Sorge, dass die Immobilienkredite notleidend werden.

Einer internen Studie zufolge dürften bis zu 50 % aller Kredite im Falle eines GAU (worst case) akut gefährdet sein. Für die chinesischen Banken, die bis vor kurzem auf Geheiss Pekings sehr grosszügig Kredit vergaben, eine grauenvolle Vision. Ein westlicher Banker nennt es beim Namen: „Eine chinesische Immobilienkrise würde das Bankenwesen in den Grundfesten erschüttern. Es würde auch das ganze westliche Finanzsystem tangieren“.