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Industrielle Revolution: Was ist die soziale Frage?

Zu Zeiten der Industriellen Revolution fand ein Wandel in ganz Europa statt: Von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Da neue Technologien und Wirtschaftszweige entwickelt und strukturiert wurden, musste sich die Gesellschaft an neue Arbeitsverhältnisse und -standards anpassen und veränderte sich so grundlegend. Die Industrielle Revolution erstreckte sich dabei über das gesamte 19. Jahrhundert, begann aber in der Vorläufernation England bereits im späten 18. Jahrhundert.

Parallel zu diesem Wandel voller Neuerungen und Chancen entwickelten sich allerdings auch soziale Missstände, da sich die Menschen oftmals nicht so schnell an die Änderungen anpassen konnten, insbesondere an den Übergang vom Land zur Stadt als neuem Arbeits- und Lebensmittelpunkt.

Zusammengefasst wird diese Problematik als die sogenannte „soziale Frage“, die sogar in einzelne Parteiprogramme der damaligen Zeit aufgenommen wurde und noch heute Historiker und Ökonomen beschäftigt.

Armut und Elend auf dem Land und in den Städten

Die Industrielle Revolution führte zu technologischen, und damit auch medizinischen und hygienischen Fortschritten. Zusammen mit sicheren Ernten stieg die Bevölkerungszahl infolgedessen rasant an. Damit nahm auch die Zahl der Gesellen und Handwerker zu, die aber immer geringere Löhne für ihre Arbeit bekamen und so in Armut lebten.

Die Bauern hatten zudem damit zu kämpfen, dass sie Teile ihres Landes abgeben mussten und ihre Höfe ihnen daher nicht mehr genug einbrachten. Die Folge war die Urbanisierung: Immer mehr Menschen gingen in die Städte, um dort Arbeit zu finden. Dies führte einerseits dazu, dass die Landwirtschaft endgültig vor dem Aus stand.

Andererseits waren die Städte nun überfüllt von Arbeitern, die unter katastrophalen Bedingungen arbeiten mussten. Die Löhne waren dabei so bemessen, dass sie nur für eine Person reichten, und nicht für eine ganze Familie – deshalb mussten selbst Frauen und Kinder zum Teil viel zu schwere Arbeit verrichten.

Damit gab es noch mehr potentielle Arbeiter, wodurch die Arbeitgeber die Löhne noch mehr senken konnten, da es immer noch genügend Menschen gab, die die Arbeit zu diesem Lohn übernahmen. Auch mit der Gründung von Fabriken verbesserten sich die Arbeitsbedingungen nicht.

Zudem brach das Wohnungsangebot aufgrund der vielen Arbeiter zusammen. Sie mussten zum Teil in provisorisch errichteten Hütten und Kellern hausen, und das zu dennoch relativ hohen Mieten. Denn das Überangebot sorgte auch in diesem Fall dafür, dass die Vermieter beinahe jeden Preis verlangen konnten. Zahlte die Familie nicht, fand sich schnell Ersatz. Außerdem lösten sich viele Familien auf, als Konsequenz des nicht mehr vorhandenen Familienlebens.

Die Armut machte sich natürlich auch dadurch bemerkbar, dass Nahrungsmittel fehlten, weil die Familien sie von ihren geringen Löhnen nicht bezahlen konnten. Allerdings verbesserten sich die Bedingungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erheblich, da Transporte aus Kolonien die Handelsware verbilligten und gleichzeitig Konservenprodukte entwickelt wurden.

Als Folge der katastrophalen Zustände kam es immer wieder zu Unruhen und Aufständen der Arbeiter in ganz Europa. Sie machten oftmals die Maschinen und damit den technologischen Fortschritt verantwortlich für Arbeitslosigkeit, Armut und Hungersnöte, von denen sie betroffen waren.

Industrielle Revolution: Die soziale Frage und ihre Lösungsansätze in Deutschland

Die sozialen Missstände wurden zu solch einem großen Problem, dass die Menschen zum Teil selbst verschiedene Lösungsansätze entwickelten. Hauptsächlich wurden dazu in Deutschland einige Vereine und Organisationen gegründet, wie zum Beispiel die Genossenschafts- und die Arbeiterbewegung, aber auch Organisationen der Kirche, Gewerkschaften und Parteien. Sie alle setzten sich für die Rechte ihrer Mitglieder bzw. der Arbeiter ein.

Allgemein engagierten sich immer mehr Menschen, besonders aus sozial schwächeren Schichten, für die Durchsetzung ihrer Rechte und wurden daher politisch aktiv. Die soziale Frage brachte außerdem die Frauen- und die Jugendbewegung hervor.

Parallel änderte sich auch die Gesetzeslage durch die staatliche Sozialpolitik des Deutschen Reiches. So wurden im Rahmen einiger Sozialreformen immer mehr Gesetze und Verordnungen erlassen, die Sozialleistungen verbindlich durchsetzten, und zusätzlich neue ausführende Organe zu deren Durchsetzung eingeführt.

Insofern sorgte die soziale Frage in Deutschland dafür, dass Schritt für Schritt der deutsche Sozialstaat, wie wir ihn heute kennen, entwickelt wurde.

25. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.